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von und für Zaubernde

Die BILD-Zeitung fiel diese Woche auf eine Satire-Aktion der Titanic zu SPD-internen Emails rein. Zeitungsenten sind keine Seltenheit und können sehr erheiternd sein, wie unsere 10 Beispiele zeigen.

1. Chruschtschow ist tot

Ausgerechnet die »Deutsche Presseagentur« leistete sich 1964 einen heftigen Fauxpas. Sie erklärten den russischen Präsidenten kurzerhand für tot. Nur 15 Minuten später revidierten sie ihre Eilmeldung (so hießen früher Pushnachrichten), doch da hatten französische und amerikanische Medien die Nachricht schon übernommen und in die Welt getrötet. Woher die Falschmeldung kam, ist bis heute unbekannt.

2. Immer Kummer mit den Stars

Der aufstrebende Journalist Tom Kummer hatte es 1999 satt, keine Interviews mit tollen Stars führen zu dürfen und erfand daher einfach welche. Diese Texte über Waschbrettbauch-Brad Pitt, Baywatch-Nixe Pamela Anderson und die Basic-Instinct-Bitch Sharon Stone schafften es sogar in die Süddeutsche Zeitung. Lediglich der Focus bewies mehr Geschick und enttarnte die Sache schnell.

3. Der Pulitzerpreis für Janet Cooke

1982 erhielt die Journalistin Janet Cooke von der »Washington Post« den renommierten Pulitzerpreis für ihre Reportage über einen heroinabhängigen, 8-jährigen Jungen. Als die mediale Aufmerksamkeit und auch die Suche nach dem Jungen der Schreiberin zu unangenehm wurde, gestand sie. Sie hatte sich die ganze Story nur ausgedacht. Pfui!

4. Der KKK in Deutschland

Rassisten und religiöse Fanatiker in Deutschland? No way! Na gut, solche gibt es schon, aber eben keinen Ku-Klux-Klan. Allerdings versuchte der Filmmacher Michael Born, das aller Welt weiß zu machen. Er steckte ein paar Freunde in weiße Spitzhutgewänder und filmte die Szenerie. Um es mit Crocodile Dundee zu sagen: »Also, ich trinke ja auch mal gerne einen. Aber so besoffen war ich noch nie.«

5. Die Steinlaus

Wer kennt ihn nicht den tollen Loriotsketch. Falls nicht, bitte kurz hier angucken:

Jedenfalls schaffte diese Story es, trotz offensichtlichster Satire, in das medizinische Nachschlagewerk Pschyrembel. Die Aktion wurde ein Klassiker des »wissenschaftlichen Witzes« – es handelte sich also um keinen Fehler der Redaktion. Zur 100. Ausgabe entfernte man die Laus, aber die Leser wollten sie zurück. Deshalb steht sie dort heute noch. Womit erklärte man ihr kurzzeitiges verschwinden? Der Fall der Berliner Mauer entzog ihr eine wichtige Nahrungsgrundlage. #Danke David!

6. »Schtonk« und Hitlers Tagebücher

Diese Angelegenheit 1983 war eindeutig keine Sternstunde für den »Stern«. Gerd Heidemann war auf der Suche nach einem richtigen Knüller und landete beim Kunstfälscher Konrad Kajau, der ihm echte Hitlerware versprach und sehr gute Fälschungen lieferte. Fast 10 Millionen D-Mark schleuderte man damals für die Werke raus. Erst das Bundesarchiv und das BKA konnten anhand des Papiers die Echtheit der Tagebücher widerlegen. Im Film »Schtonk« wird diese Geschichte wunderschön aufbereitet. Ein echter Geheimtipp mit Harald Juhnke, Götz George, Ulrich Mühe… *schluchtz*

7. Das Diana-Double

Die britische Boulevardzeitung »The Sun« fiel 1996 auf eine Schauspielerin namens Nicky Lilley herein. Vor den Kameras der Zeitung gab sie sich als Lady Diana aus und bestätigte eine Affäre mit einem Armeeoffizier. Kurze Zeit später bemerkte man, dass man einer Betrügerin auf den Leim gegangen war und entschuldigte sich für die Falschmeldung.

8. Kim Jong-un als »Sexiest Man Alive«

2012 ließ sich die chinesische Staatspresse vom amerikanischen Satireblatt »The Onion« verarschen und übernahm die Schlagzeile. Man schmückte diese Meldung noch weiter aus, indem man ein aus dem Arsch gezogenes Komplimenterissotto über den Nordkoreanischen Schreckensherrscher hinzufügte: »Mit seinem umwerfend hübschen, runden Gesichts, seinem jungenhaften Charme und seiner starken, stämmigen Figur ist dieser Herzensbrecher aus Pjöngjang der wahrgewordene Traum aller Frauen«, hieß es in der »People’s Daily« aus Peking.

9. WWI und die deutsche Seife

Der britische General John Charteris wollte 1917 auf die deutschen Schweinehunde schimpfen. Er fand bei einem toten deutschen Soldaten Fotos von seinen toten Kameraden und von Pferdekadavern. Nur die Pferdeüberreste sollten in eine Seifenfabrik gebracht werden. Charteris packte alle in einen Topf und behauptete, die bösen Deutschen würden ihre eigenen Toten zur Ölgewinnung verheizen. Aber auch diese Ente flog später auf.

10. Der reichste Wau-Wau der Welt

Angeblich hinerließ die Gräfin Carlotta Liebenstein ihrem »Günther IV.«, einem deutschen Schäferhund, nach ihrem Ableben 1991 ca. 100 Millionen Schweizer Franken. Der Tod einer Blaublütigen und das Glück eines Vierbeiners in einer Geschichte, welchem Boulevardheini würde bei dieser Story nicht feucht im Schlüppa werden? Leider war auch diese Story nur ein schlechter Scherz. Das Kuriose dabei ist aber: Die Stiftung, die den Nachlass der Gräfin verwaltete, hatte sich das Ganze ausgedacht und es erst drei Jahre später zugegeben. Shame!

Außer der Zeitungsenten gab es in der letzten Woche folgende Themen…

In der Sneak haben wir Arthur & Claire gesehen.

Wir haben ein Herz für den Eurovision Song Contest 2018.

Bei Taste the Waste? Lisa liebt Mark, nicht Johnny: »The Room«

Letzte Woche wurde es hier dirty: 10 richtig schmutzige Berufe.

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