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von und für Zaubernde

Heute kommen die 10 Dinge aus unserer elften Printausgabe zum Thema „Schmutz“. Darin haben wir uns unter anderem mit Messies, der Notwendigkeit des Putzens und eben auch mit schmutzigen Berufen beschäftigt. Achtung, jetzt wird’s tiefsinnig.

 

1. Papst
Mal kommt er alt und freundlich daher, mal alt und grummelig und mal alt und hip. Eines geht mit dem höchsten Amt, das Gott zu vergeben hat, aber immer einher: Eine Liebe zum Detail, wenn es darum geht, das Leben von Menschen ein kleines bisschen weniger lebenswert zu machen. Das macht sicher Spaß, immerhin muss man sich nicht irgendwelchen Weisungen fügen. Denn wenn man das absolute und unanfechtbare Vertrauen des Chefs genießt, dann kann niemand einem das Weihwässerchen reichen.

2. Star aus dem Mickey Mouse Club

Alleine zwischen 1993 und 1995 kamen allerlei Stars bei herum. Wie eine Stargebärmaschine. Eine Art Alienmutter, die nichts anderes tut, als schleimige Medieneier zu legen. Einige schlüpften: Britney Spears, Christina Aguilera, Justin Timberlake und Ryan Gosling – sie sind der Disney-Klüngel. Einige Kinderstars von damals sind, nachdem sie gezielt die latent pädophilen Vorlieben von weißen Vätern aus der Mittelschicht angesprochen hatten, im Himmel verbrannt. Vorher aber haben sie sich ein paar ordentliche Persönlichkeitsstörungen zugelegt, die uns und die Klatschpresse einige Jahre auf Trab hielten.

3. Theaterregisseur

Nervlich zerrüttet sitzt du da und überlegst, wie du bloß den Kunstblutkonsum finanzieren sollst. Kompromisse zwischen künstlerischem Ideal und Sach- und Personalzwängen bescheren dir schlaflose Nächte. Dabei willst du doch bloß kompromisslose Kunst mit Kunstblut machen! Der drohende Verriss der Feuilletonnistinnen befeuert deine süchtig machende Originalitätssucht. Zumindest so lange, bis du dir á la Birdman auf der Bühne die Nase wegschießt und alle das als „superrealistisches Theater“ feiern. Immerhin am Kunstblut gespart.

4. Scheidungsanwalt

Die Trennung von der Liebsten ist in der Regel nicht so rosig wie das Zusammenkommen. Da kann oft nur noch ein Scheidungsanwalt helfen. Und wie sagt man so schön: »Im Krieg und der Liebe ist alles erlaubt.« Je schlammiger also die Scheidungsschlacht, umso mehr ist dann wohl erlaubt, bis hin zu doppelt so viel. Alle menschlichen Abgründe werden offengelegt: Fremdgehen, Spielschulden und Drogensucht. Wenn dann Haus, Auto und Sorgerecht für die Kinder weg sind, hat man endlich wieder Zeit für seine Hobbys: Spielen, Drogennehmen und so weiter – nur das Fremdgehen wird schwieriger.

5. Politiker

»Hey, hey du.«  »Wer, ich?« »Ja, du. Genau du. Hast du Lust auf ’n bisschen Koalition?« »Koalition? Ich weiß ja nicht. Lieber nicht. Findet Mama bestimmt nicht gut, wenn ich das mache. Aber hast du Koks?« So ungefähr läuft es ab in der Politik. Keiner will den Job, aber einer muss ihn ja machen. Es gibt zwar ordentlich Knete zur Entlohnung, aber so richtig glücklich macht der Job trotzdem nicht. Zwischen Lobbyisten und im Dirndl als Betthupferl verkleideten Vice-Reporterinnen beschmutzt man sich einfach viel zu schnell die so blütenweiße Weste. Eine Umschulung zum Industriemanager könnte die Lösung sein. Deren Arbeit wird immerhin geschätzt.

6. Abdecker

Die gute Seite des exzessiven deutschen Billigfleischkonsums bedeutet Jobsicherheit für Tierverwerter – jemand muss den Dreck ja wegmachen. Was früher Abdecker hieß und aufgrund der hohen Seuchengefahr jenseits der Stadtgrenzen erledigt wurde ist heute hochtechnisiert, gesetzlich bis ins Detail geregelt und immer noch seuchengefährdet. Dank der Tierkörperbeseitgungsanstalten dieses Landes werden jährlich fast drei Millionen Tonnen Schlachtabfälle wieder nutzbar gemacht. Zum Beispiel als Fleischmehl, das dann wieder an die Tiere verfüttert wird (the circle of life). Wem der Job bis hierhin eine attraktive Berufsalternative schien, dem sei mit Verweis auf die BSE-Infektionsraten davon abgeraten. Weiterstudieren und als vegetarischer Taxifahrer: in Relation nicht unattraktiv.

7. Pharmavertreter

Heutzutage braucht es Helden, die das Wohlergehen des Volkes im Sinne haben. Diese ist mindestens so gebildet wie ein Arzt, aber dabei viel schöner. Keine Verlockung ist groß genug, um der Pharmavertreter von ihrer Mission abzuhalten: Die Gesundheit des Menschen zu fördern. Aber auch sie muss leben; Qualität hat bekanntlich ihren Preis, aber für die Gesundheit zahlt man ja gerne: Die Pillen bewirken Haarausfall und explosionsartigen Durchfall? Die hauseigene Studie sagt was anderes? Kaufen Sie bitte trotzdem nicht bei der geldgeilen Konkurrenz!

8. Popmusikproduzent

Work, work, work, work, work, work. Ja, ne, is klar. So ein Dreck, und doch funktioniert es! Popmusik: oxymoronisch und gleichzeitig scheißbeliebig, genau an der Schmerzgrenze. Auto-Tuning gepaart mit Pornovideos (quasi): So penetrieren pralle Popsternchen unsere Augen und Ohren bei jeder noch so kleinen Gelegenheit, bis wir es selbst geil finden, uns aber dafür schämen so wie für die schlüpfrigen Gedanken an die Füße der kettenrauchenden Nachbarin. Die fiese Drahtzieherin des Ganzen sitzt
derweil in ihrer Villa, zählt das schmutzige Geld und hört richtige Musik. Jazz etwa.

9. Jugendreiseveranstalter

Abwarten bis die Kleinen sich in die unappetitliche Lebensphase vorgefräst haben, viel Hitze in sich spüren und dann zuschlagen! Die Eltern sind unendlich dankbar: Hauptsache weit weg, Hauptsache Gewissen beruhigt. Eine Billo-Unterkunft irgendwo im Neubaugebiet am Meer wird gestellt, Essen gibt es kaum, dafür macht die Dorfdisko extra auf. Die Kinder kommen schon klar und liegen seit der Busfahrt sowieso schon im Koma, merken nichts mehr. Nachdem das Initiationsritual in unterschiedlicher Gestalt hundertfach vollzogen wurde, resümiert der Veranstalter, dass der Trip ganz toll war. Das Kind findet das auch, hat aber eigentlich keine Erinnerungen mehr. Klare Empfehlung also!

10. Dönerverkäufer

Es gibt sie noch, die wirklich ehrbaren Berufe. Dönerverkäufer sein ist kein Spießlecken. Den durchgefeierten Schwaben nach zehn Augustiner muss man erst mal verstehen. Wollte der jetzt Kräuter oder Knoblauch? Und was heißt eigentlich »vegan«? Deinen »Vöner« musst du dir drüben bei Öko-Uli für 8€ kaufen. Jetzt nimm dein Longboard und zieh ab!

Dönerverkäufer halten unsere Gesellschaft zusammen und können uns mit ihren hypnotischen Schneidebewegungen jederzeit in Trance versetzen. Sie empfangen uns morgens um 10 Uhr schon mit einem perfekten Imbissgeruch und kratzen uns auch noch um halb fünf in der Früh die letzten Reste vom Gammelfleisch von der Fleischablage. Würdigt euren local-Dönermann, wenn euch das nächste mal die Knoblauchsoße das Kinn runtersuppt.

Ihr habt Lust bekommen auf unsere Printausgabe? Dann schaut mal hier.

Außer das schmutzigen Berufen gab es in der letzten Woche folgende Themen…

Wir haben ein Herz für das Vabali Spa-Erlebnis.

In der letzten Sneak gab es Romantik mit Monster: »The Shape of Water«

»Deepfaker« planen deine ungewollte Pornokarriere.

Popo-Schwertern und Maschinengewehr-Brüsten sind bei »Robo Geisha« ganz normal. Ein echter Geheimtipp.

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