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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wer ZurQuelle schon ein bisschen länger kennt, wird sich an unsere WM-Song-Reviews aus dem Jahr 2014 erinnern. Und nun ist wieder WM und ihr wisst, was das bedeutet. Seit Wochen sitzen wir Tag und Nacht vor unseren Rechnern und hören WM-Songs. Sie sind alle furchtbar, aber ihr, liebe Leserinnen und Leser, ihr seid es uns wert.

Freestyle Arne – WM 2018

Manchmal muss man neidlos anerkennen, dass auch andere Menschen gute Ideen haben und nicht nur wir Geistesblitze vom ZurQuelle Magazin. Freestyle Arne ist so einer. Der Refrain seines Songs »WM 2018« ist sehr viel gewitzter als der Titel. Er geht so: »ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVW – WM!«. So dumm muss man erst mal sein.

Der Text ist dann nach demselben Muster gestrickt: A so wie Arabien – dazu wird die Flagge Saudi Arabiens eingeblendet. Da endet dann die Genialität schon wieder, zumal auch ein paar homophobe Witzchen folgen (»Ist auch unser Hansi da, ja ich meine Hansi Flick, oder hat der sich mit Jogi heimlich in ’nen Schrank verpisst?«).

Andererseits: Im Video sieht man Freestyle Andy nicht einmal vom Blatt ablesen. Und für einen fast fünfminütigen Song, den ein Doof komplett gefreestylt hat, ist das dann doch eine Mona Lisa, eine Bohemian Rhapsody, ein Citizen Kane oder so.
Sonst: Nationale Klischees, billige Reime und der vielleicht schlechteste Flow, der je über 16.000 Views bei YouTube erhalten hat. »P es gibt nur ein Pokal, vielleicht auch mal für Poholen«. Bei »Q wie Quark mit Sauce, dazu fällt mir halt nichts ein« fällt uns auch nichts mehr ein. Und je länger man an diesem Text über »WM 2018« schreibt, desto deutlicher wird, dass diese Zeit länger ist, als die, die Andy Freestyle für seinen Song gebraucht hat.

Matze Knop – Neuer WM Song

Wer es in Putins Russland zu etwas bringen will, der muss den Gegner mit den eigenen Waffen schlagen. Und die Waffe des Kremls, das ist klar, ist Putin. Putin und seine Armee aus trainierten Braunbären, die sich wahlweise reiten oder zum Panzer umbauen lassen.

Wir bekämpfen also Feuer mit Feuer und setzen dem russischen Personenkult den deutschen entgegen. Und weil gerade eben nicht Bundestagswahl, sondern WM ist, feiern wir nicht die überlebensgroße Mutti-Maschine, sondern den schwäbischen Spitzenkandidaten, der immer popelt, ihr wisst schon. Wisst ihr es wirklich?
Wir sagen: Es ist JOGIJOGIJOGI Jogi LÖW.


Der Komplexitätsreduktion wegen muss der Trainer der Fußballmannschaft auf ein paar Kernfeatures heruntergebrochen werden. In Matze Knoops WM-Song sind das Jogi Löws Frisur, seine schwitzigen Achseln und sein schwäbischer Dialekt. LOL.
Und dann aber kann es losgehen wie sonst nur der Aprés Ski, der Malle-Urlaub oder der Junggesellenabschied des unbeliebten Schwagers, bei dem man gar nicht so genau weiß, weshalb man dazu eingeladen wurde, aber jetzt ist man halt in Prag und dann kann man halt auch mal in den Puff gehen. JOGIJOGIJOGIJOGILÖW!

KRÄHE – Ehre, wem Ehre gebührt

»Hoch die Tassen!«
Wie der Onkel, der irgendwann entschieden hat, den lukrativen Job als Gebrauchtwagenhändler aufzugeben und nun Musik zu machen, klingt »Ehre wem Ehre gebührt«. Der Onkel kann nämlich gar nicht so richtig singen, hat aber mal gelernt, wie man Schlagzeug spielt.

»Ein Moment für die Ewigkeit«
Seit dem Tag, an dem er erstmals nahezu perfekt einen ACDC-Song begleitet hat, wobei sogar seine Frau (deine Tante) anerkennend genickt hat. Und die ist wirklich kritisch! »Toll!«, hat sie gesagt und dann darum gebeten, doch jetzt fernsehen zu können.

»Für uns soll die Sonne für immer scheinen«
Der Song von Krähe klingt dann auch so. Eine faszinierend einfallslose Aneinanderreihung von Floskeln und Allgemeinplätzen.

»Einer für alle, Alle für einen«
Also ehrlich, das Deutschland, das für eine Nationalmannschaft grölt, mag vielleicht nicht das Deutschland sein, das stolz auf seine Dichter und Denker ist, aber ein bisschen Goethe wäre doch wohl drin gewesen, oder?

»Wir haben den Himmel berührt«
Aber leider hilft alles nichts. Krähe machen den Deutschrocker und hoffen, dass der simple Text die Mittelmäßigkeit des Songs überdeckt, damit die Jungs im Stadion dann doch »Ehre wem Ehre gebührt« mitsingen. Werden sie aber nicht. Versprochen.
Und der Onkel? Der sieht ein, dass das mit der Musik doch nichts wird und guckt jetzt den ganzen Tag Fußball.

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