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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Mit einfachsten Mitteln schafft der dänische Thriller »The Guilty« von Gustav Möller eine fast unerträgliche Spannung zu erzeugen. Am Ende passt der Film aber fast besser in die Kategorie »Drama« und begleitet einen noch außerhalb des Kinosaals.

Der Saal ist dunkel und die Leinwand noch schwarz. Ein eindringliches Telefonklingeln schallt durchs Kino. Das erste Bild ist ein Close-Up auf ein Ohr, eine Person setzt sich ein Headset auf und beantwortet den Anruf. Der Anrufer ist ein junger Mann auf Speed, der glaubt, er könne nicht mehr atmen. Das wird nicht der einzige Notruf bleiben, den Asger Holm in dieser Nacht beantworten muss.

Den skyldige (Originaltitel)/ Gustav Möller/ Dänemark 2018

Die Story

Asger (Jakob Cedergren) ist nicht gerade begeistert darüber, dass man ihn zum Dienst in der Notrufzentrale verdonnert hat. Doch es schwebt ein ominöses Gerichtsverfahren über ihm, wegen dem er strafversetzt wurde. Der Dienst auf der Straße ist also vorerst keine Option. Plötzlich ruft Iben an, die Asger erst für eine Scherzanruferin hält – bis er versteht, dass sie nicht offen sprechen kann und jemand mithört. Alles sieht nach einer Entführung aus.

Und, wie finden wir das?

Es ist schon ein zum Klischee geratenes Hollywood-Motiv: Der Polizist, der zum Schreibtischdienst verdonnert wird und nicht mehr »seine Jungs« »auf der Straße« unterstützen kann. »The Guilty« schafft es genau mit diesem Motiv und minimalen Mitteln mehr Spannung zu erzeugen, als so manch anderer Thriller. Den ganzen Film über sind wir als Zuschauer bei Asger in der Notrufzentrale, seine Gesprächspartner hören wir – abseits von kurzen Dialogen mit Kollegen in der Zentrale – nur über das Telefon.

Dabei macht gerade die erdrückende Stille, wenn das Telefonat unerwartet abbricht, die Spannung von »The Guilty« aus. Wie der Titel es vermuten lässt, befasst sich der Film mit Fragen um Schuld, die er dreht und wendet, bis es am Ende schwer fällt, ein ultimatives Urteil zu fällen.

Schlechtester Dialog

Asger versucht einen Kollegen am Telefon zu überreden in die Wohnung des Mannes einzubrechen, den er für den Entführer von Iben hält. Der Kollege reagiert auf das Anliegen mehrfach mit »Entschuldigung, was hast du nochmal gesagt?«, um ihm die Illegalität seines Wunsches zu verdeutlichen. Kein wirklich schlechter Dialog, aber ein paar Lacher provozierte er trotzdem.

Reaktionen aus dem Publikum

Stille. Ich selbst rutsche vor lauter Aufregung manchmal nervös auf dem Kinosessel herum oder halte mir fassungslos die Hand vor den Mund. Das muss ziemlich albern aussehen – ein einsamer Verrückter mit ADHS?

Äh, und der Bechdel-Test?

Wer bis hierhin gelesen hat, müsste diese Frage selbst beantworten können.

Fazit

»The Guilty« ist ein spannungsreiches Kammerspiel, das von der schauspielerischen Leistung von Jakob Cedergren lebt. Man leidet mit ihm, auch wenn er bis zum Schluss – und gerade am Schluss – eine ambivalente Figur bleibt.

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