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von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Diese Woche: Die Horde. Ein wirklich furchtbarer Film, der leider gar keinen Spaß macht.

Die Story

Von einer Handlung zu sprechen wäre eine Übertreibung. John, die pure Verkörperung hegemonialer Männlichkeit, war früher bei den Navy-SEALs. Jetzt ist er mit der Lehrerin Selina zusammen.

Die geht mit ihren Schülerinnen und Schülern campen und John kommt mit, weil er ihr einen Antrag machen möchte. Natürlich leben uranverseuchte kannibalistische Hinterwäldler in dem Wald. Solche Probleme sind wohl jedem von Pfadfinder-, Kinder- und Jugendreisen der Falken bekannt.

Ganz klar: Der “starke Mann” John muss jetzt aufräumen.

Leider haben die Reiseleiter Stockbrot und Gitarre vergessen.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Manche Filme sind lustig schlecht. Oder trotz einer gewissen Schlechtigkeit gut. Andere sind gerade durch ihre Trashigkeit gut. “Die Horde” ist einfach nur schlecht. Der Plot ist von Filmen wie “Wrong Turn”, “The Texas Chainsaw Massacre” (2003) oder anderen Horrorfilmen zusammengeklaut. Besonders “The Hills Have Eyes” (2006) hat als Ideenpol für den Film herhalten müssen.

Das verseuchte Trinkwasser, das die Bevölkerung der Stadt zu Mutanten gemacht haben soll, erinnert stark an den Film (bei “The Hills Have Eyes” waren es Atombombentests). Auch einige Szenen und der Soundtrack scheinen stark von dem Schocker “inspiriert” worden zu sein. Die Figuren werden nur sehr oberflächlich und klischeehaft inszeniert: Selina, die nette Lehrerin und Freundin von John. John, der heroische Muskelberg und Ex-Navy SEAL. Es fällt deswegen schwer sich mit den Charakteren zu identifizieren. Außerdem kommt keinerlei Spannung auf und die Grausamkeiten erscheinen als reiner Selbstzweck, um den Rachefeldzug von John zu rechtfertigen. Bei Johns Rampage durch die Wälder, wirkt der Film plötzlich wie eine Fortsetzung der Rambo Filme. Selbst der schicke Sportbogen begleitet John (Rambo?) plötzlich als treue Waffe.

Trinkspielideen

Film ausschalten, Freunde anrufen und einen schönen Abend in der Stammkneipe verbringen.

Badespaß mit Klamotten. Und später ärgern sie sich, weil sie sich erkältet haben.

Was haben wir gelernt?

Die fragwürdige Botschaft des Films äußert wohl am besten der obligatorische warnende und weissagende Verrückte vor dem großen Massaker: “Überall ist Krieg. Auch hier.”

Danach macht er seinen Punkt noch deutlicher: “Kriege sind nicht nur zwischen Ländern.” Jeder Waffenlobbyist wird diesen Film lieben und vor Freude ein Magazin in die Luft ballern. Vor allem Hippie-esque Kinder- und Jugendreiseveranstalter müssen aus dem Film lernen. Stockbrot, Liederbuch und Gitarre reichen einfach nicht, um sich zu verteidigen.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Keinen. Da er aber gesagt hat, dass er von jedem Film stiehlt, würde er sich wohl anderweitig inspirieren lassen.

Es gibt Streit: Teamleiter Holger ärgert sich, weil die Kids heimlich Bier getrunken haben.

Politisch fragwürdigste Szene

„Die Horde“ ist ziemlich fragwürdig . Einer der Schüler von Selina namens Riley ist homosexuell. Er wird nicht nur klischeehaft tuntig porträtiert, sondern auch als absolut unsympathisch. Als einer der anderen Schüler sich einen Spaß auf seine Kosten erlaubt (“Riley hat mich angetatscht, höhö”), wirkt es so, als wäre das eigentliche Problem, dass Riley keinen Spaß verstehe. Immer diese humorlosen Minderheiten (Rechtspopulisten werden diese Szene mögen). Riley ist außerdem auch derjenige, der es sich erlaubt über die Navy-SEALs Vergangenheit des ultramaskulinen Johns Witze zu machen.

So wirkt seine Ermordung wie die Inszenierung einer verdienten Strafe. Er wird auch quasi mundtot gemacht. Um ein wenig zu spoilern: ihm wird die Zunge rausgeschnitten. Die Gewalt erscheint als reine Legitimation für Johns späteren Rachefeldzug. Die Geschlechterrollen sind ebenso klar verteilt. John ist der Macher, der die Teens und seine Frau verteidigen muss. Das Final Girl ist in diesem Fall ein muskelbepackter Mann.

Fazit

„Die Horde“ ist ein Film, der nervt, schmerzt und keinen Spaß macht. Horror- und Actionfilmklischees sowie reaktionäre Rollenbilder ergeben einen brutalen, unsympathischen und wenig schmackhaften Splatterbrei. Nicht gruselig, nicht witzig und kein bisschen unterhaltsam.

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen. Eine kritische Auseinandersetzung mit „Terrorfilmen“ findet ihr in unserem Archiv.