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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir verköstigen was bei anderen im Abfall landet und zelebrieren Trash in allen Formen und Farben. Heute: Happiness. Ein Film, der eigentlich gar nicht so trashig ist, auch wenn viele es behaupten. Unsere Autorin erfährt das ultimative Paradox: Mit Happiness verstand sie das Böse.

Es gibt Menschen, die noch in der Sekunde in der du an ihnen vorbei gehst, vor deinen Augen verschwinden. Unauffällige, Strickpullover tragende, lichter werdende Haarkränze. Durchsichtig, menschlich und dir vollkommen egal. Manchmal bringen dich Phantome wie diese aber auch zum Weinen. Sie zwingen dich dazu, Gedanken, Tränen und irritierte Seufzer in dein leeres Wohnzimmer zu entlassen. Und das alles während du hysterisch lachst. Todd Solondz ist genau wie seine Protagonisten ein Phantom. In Happiness erschafft er Figuren, die es im Schutze der Tristheit schaffen, der Idylle ihrer weißen Mittelklasse-Nachbarschaft langsam und leise die Haut abzuziehen.

Filmausschnitt Happiness

Shiny Happy People

Eine handvoll gestörter Charaktere weben sich in zwei Stunden Laufzeit in und aus dem Leben dreier Schwestern. Joy (Jane Adams) muss nach einer von vielen Trennungen versuchen, ihr Gesicht zu wahren. Am Rande des finanziellen Ruins zieht sie notgedrungen zu ihrer Schwester Trish (Cynthia Stevenson) und ihrem mustergültigen, pädophilen Ehemann. Weil der so charismatisch ist, durfte Happiness übrigens nicht beim Sundance Film Festival gezeigt werden.  Helen, Schwester Nummer drei, hat hingegen finanziellen Erfolg, eine Unmenge an Liebhabern und Zeit für jegliches Unheil, dass noch auf sie lauern könnte.

Philip Seymour Hoffman in Happiness

Witz ohne Witze

Menschen, die noch in der Sekunde an denen du an ihnen vorbei gehst, vor deinen Augen verschwinden. Nur, dass sie es nicht tun. Es ist schwer zu erklären warum die Charaktere in Happiness es schaffen, den Zuschauer in ihren befremdlichen Bann zu ziehen, denn der Film erspart sich unnötige Punchlines oder Erniedrigungen. Vielleicht ist es gerade die Gelassenheit, mit der Solondz einen brutal ehrlichen Dialog nach dem anderen auf die Leinwand spucken lässt. Gerade dann, wenn man denkt, eine Situation könnte nicht unangenehmer werden, zoomt Solondz weiter, zieht die verbalen Daumenschrauben enger.

Philip Seymour Hoffman in Happiness

Die Banalität des Bösen in Happiness

Der Zuschauer kann sich nicht einmal in den Komfort eines ästhetischen Set-Designs flüchten. Stattdessen eine übersättigte neunziger Jahre Plastik-Nachbarschaft, noch so eine gelassene Frechheit. Hier kommt auch der wahre Trash-Faktor des Filmes zum Tragen. Happiness liefert zwar keine unbedarfte Absurdität, wie wir sie aus Klassikern wie „The Room“ kennen. Der Film selbst zelebriert seinen eigenen Sarkasmus allerdings mancherorts schon so stark, dass es unangenehm wird.

Warum sollte man diesen Film also schauen, gar mögen? Happiness wird dich mit einem tiefen Unwohlsein zurücklassen. Du wirst dir nicht sicher sein, ob du jemals zugeben wirst, diesen Film gesehen zu haben. Du wirst dich dabei ertappen wie du Löcher in die Wand starrend an deinen so unglaublich uninteressanten Nachbarn denkst. Dir wird klar werden, wie böse die Welt und wie banal dieses Böse ist und es ist definitiv einen Lachanfall wert.

 

Mehr Filmkram? Wie wäre es mit „Die göttliche Ordnung“ (seit 1.12. auf DVD) oder „Madame“ (am Donnerstag in der Sneak)? Oder stehst du eigentlich mehr auf Glyphosat?

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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