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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

wir verköstigen was bei anderen im Abfall landet und zelebrieren Trash in allen Formen und Farben. Heute: The Crucifixion im Kino beim 31. Fantasy Filmfest. Schnallt euch eure Strap-on-Kreuze um die Hüfte und los geht’s!

Worum geht’s?

Die Drehbuchautoren von “The Conjuring” und “Annabelle” dachten sich sie legen noch einen drauf und holen eine Journalistin in ein Kloster in Rumänien. Dort ist es bei einem Exorzismus zu einem Todesfall gekommen und der böse Priester und seine Helfer kamen vor Gericht. Ein wahrer und ziemlich alltäglicher Fall, denn die katholische Kirche liebt ihren Exorzismus. Dieser ist für jeden Geistlichen in der Ausbildung quasi die Meisterprüfung.

Die junge und natürlich attraktive Journalistin Nicole geht der Sache auf den Grund, weil ihr lieber Onkel und Chefredakteur der New Yorker Zeitung ihr das erlaubt, und macht dabei ihr ganz persönliches Wallraff-Experiment. Allerdings ohne Blackfacing. Sie recherchiert, flirtet mit einem jungen Priester und irgendwann wird es auch ein wenig gruselig.

Kreuzigung
Diese Nonne hat es schlimm mit dem Kreuz.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Die unglaublich platte Story mit dem altbekannten Kampf des Ungläubigen gegen den Glauben. Klassisches Post 9/11 Thema. Die Hintergrundstory und Motivation von Nicole ist ebenfalls aus der Klischee-Grabbelkiste. Natürlich muss es auch noch eine Mini-Lovestory geben, sonst leiht sich keiner das Ding in seiner Videothek bei Amazon-Prime aus.

Der Film ist hochwertig produziert und die Schauspieler geben ihr Bestes, aber es fühlt sich wie eine zu sehr gewollte Mischung aus “Dracula” (wegen Rumänien als Szenerie), “Der Exorzist” und der zweiten Staffel von “American Horror Story” an. Auch dort ist eine junge Nonne das Werkzeug des Teufels und eine Journalistin gerät in dessen Bann.

ACHTUNG: DER 4,0-AWARD! 500€ Gewinnen!

Was haben wir gelernt?

Sex mit strammen deutschen Playboy-Burschen führt zu einem heftigen Fliegen-Ausschlag im Schritt und Wahnvorstellungen. Klingt komisch, ist hier aber so, da die später vom Teufel besessene Nonne, vorher auf einem Deutschen gesessen hat. Diesen habe sie, laut ihrer besten Freundin, bei einem Au-Pair-Jahr in Deutschland kennengelernt. Da dieser aber nur an ihr rumänisches Gebirge und jungfräulichen Täler wollte, kam die junge Nonne zurück und tat Buße.

Außerdem möchte einem der Film weismachen, dass die Tatsache eine Frau ans Kreuz zu schnallen und sie tagelang mit Flüssigkeiten zu bespritzen in Rumänien keinesfalls pervers ist, sondern eben eine notwendige Maßnahme und auch regelmäßige Praxis. Jene Praxis würde vielleicht auch bei Alexander Gauland helfen, um ihm Hitlers Geist auszutreiben. Einen Versuch wäre es wert.

Zudem sehen wir, dass Citroen keine verlässlichen Autos macht (Nicoles Wagen bleibt Mitten in der Walachei stehen). Der treue Käufer deutscher und amerikanischer Autos weiß das aber schon.

Böser Mann mit Maske
Alexander Gauland feiert mit Kameraden den Einzug in den Bundestag

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Also wenn Quentin mal etwas ganz seltsames gegessen hat und es auf natürlichem Wege nicht mehr rauskommt, würde er sich mit dieser Szene einen fiesen Brech-Durchfall einhandeln:

Der attraktive Pater Anton -der in seiner Freizeit gerne Motorrad fährt, Wollpullis von H&M trägt und seinen Zwei-Wochen-Bart pflegt- steht vor Nicoles Hoteltür und bietet ihr eine Flasche Wein als Wiedergutmachung für einen kleinen Disput an.

Daraufhin sagt die bekennende Atheistin: “Are you trying to trick me into communion?”

Der Hipster-Priester lächelnd: “I forgot the bread.

‘Pfui, nehmt euch n Zimmer’, sag ich da nur.

Egomanie fühlen

Politisch fragwürdigste Szene

Es ist insgesamt sehr fragwürdig, dass die weibliche Protagonistin immer bumsbar sein muss. Und quasi ständig in Bumsstimmung. Zweimal träumt sie vom leidenschaftlichen Akt mit dem rumänischen Mats Hummels. Nur mit einem knappen Handtuch öffnet sie diesem auch gerne mal die Tür.  Ihren Job hat sie wohl nur aus Mitleid. So suggeriert es jedenfalls ihr Verwandtschaftsverhältnis zu ihrem Chefredakteur mit dem sie alle fünf Minuten telefoniert.

Vermutlich wird sie in ihrer Redaktion hart gemobbt. Am Ende wird die Pulitzer-Preis-Anwärterin vom männlichen Nebendarsteller gerettet und ob sie letzten Endes einen Artikel über die ganze Sache geschrieben hat, weiß man nicht. Über die “Zigeuner”, welche auch noch als sesshafte *what the fuck* Bauern vorkommen, fangen wir jetzt besser gar nicht erst an zu reden.

Priester und Frau
Sie ist die Treppe runtergefallen!

Reaktionen aus dem Publikum?

Das Kino war beim Fantasy Filmfest auch an einem Freitagabend um 23 Uhr, wo die meisten bereits bei der Afterworkparty abgestürzt sind, gut gefüllt. Der Film erzeugte nur verhaltene Reaktionen. Hinterher blickte ich in skeptische Gesichter und hörte wenig begeistert klingende Halbsätze.

Nur ich hatte einen Adrenalinkick bekommen: Auf der leeren Seite des Kinos, auf welcher ich Platz genommen hatte, suchte sich wenige Minuten nach Filmbeginn eine verwirrt wirkende Frau mit fettigen Haaren, Plastikbeutel und Schlabberlook ihren Platz. So weit, so Berlin. Als die Frau anfing Selbstgespräche zu führen und hin und her wiegend dem Film zu folgen, irritierte mich das allerdings schon.

Ich flüsterte Bibelverse  und streichelte mein Kruzifix. Den hatte ich in meiner Popcorntüte versteckt. Sie ging dann aus dem Saal, kam wieder und setzte sich erneut in die leere Reihe vor mich. Das Spiel wiederholte sich noch zwei, drei Mal. Ich bespritzte sie schreiend mit Weihwasser und der Spuk hatte ein Ende.

In der Sneak: Die Nile Hilton Affäre

Ist das Trash oder kann das weg?!

Dieser Trash kann weg oder ewig auf den widerlichen Sendeplatz nach dem Sonntags Prime-Time-Film auf ProSieben verbannt werden. Es gibt zwar ganz gute “Jump-Scare-Effekte”, wie es in der Kinobroschüre heißt, aber so richtig haut einen das alles nicht um. Dafür ist die Story zu langatmig und höhepunktsarm.

Es wird also nicht mal richtig gebumst. Wenn du aber deinen Schwarm zum “Fi(lmgu)cken” einladen willst, dann ist dieser 90-Minuten-Streifen mit seiner latenten Erotik/Lovestory und den Momenten, in denen man sich an etwas Hartem oder Weichem festhalten will *if you know what I mean*, genau das Richtige. Also gönnt euch!

via GIPHY

Hier der Trailer zum epischen Gähner:

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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