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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Für die Liebe zum Trash! Diese Woche: Krieg im Weltenraum. Die Welt ist bedroht von imperialistischen Weltraumarschlöchern. Die Mächtigen der Erde sind begeistert – endlich wieder Krieg!

Worum geht’s

Stephen Hawking hat uns alle gewarnt: Sprecht bloß nicht mit Aliens! Zu spät. Die Außerirdischen in “Krieg im Weltenraum” greifen an, um zu plündern, zu erobern und zu zerstören – genau wie vom charismatischen Astrophysiker prophezeit. Sie können Mind-Controlling und Gegenstände, wie etwa Zugbrücken, auf der Erde schwerelos machen. Aber die Menschheit ist noch nicht verloren: Alle Nationen der Erde schließen sich todesmutig zusammen, um die imperialistischen Kackbratzen platt zu machen. Internationale Einheit gegen einen extraterristrischen Feind und Frieden schaffen mit Waffen. Die zwergenhaften behelmten Gnome mit quietschenden Stimmen verstecken sich auf ihrer Mondbasis und warten auf die heldenhaften Weltraumsoldaten vom Planeten Erde, die mit Laserkanonen anrücken.

Szenenbild: 2 Männer und ein Plakat
ALL EARTH FIGHT FOR FREEDOM! SMASH THE MONSTERS!

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Regisseur von “Krieg im Weltenraum” ist der Godzilla Schöpfer Inoshiro Honda. Der Pressetext vom Vertrieb Anolis Entertainment spricht vom “ersten Weltraumkrieg der Filmgeschichte”. Der Film erschien 1959, also kann man das wohl glauben. Die Effekte waren damals ihrer Zeit weit voraus. In 2017 sieht man einen Film wie “Krieg im Weltenraum” mit anderen Augen – und findet die Effekte wohl eher kacke. Aber zu seiner Zeit hat Regisseur Honda Pionierarbeit geleistet hat. Und wie viele Kriege im Weltraum kamen danach?

War da nicht was mit so einem alleinerziehenden Vadder und seinem Sohnemann? Die Aliens in “Krieg im Weltenraum” flashen besonders: nach 56 Minuten tauchen sie das erste mal als wildgewordener Mob von quietschenden wildgewordenen Zwergen auf und umzingeln, schubsen und piesacken die Astronauten bis aufs Blut. Diese greifen zu unlauteren Mitteln und machen die Weltenraumpisser einfach mit ihren Laserkanonen platt. Juristisch wäre hier die Verhältnismäßigkeit zu prüfen. Andererseits wollen sie ja auch die Erde zerstören und sind “seelenlos”. Immer diese gefährlichen Fremdlinge. Leider kann man ja nicht so einfach eine Mauer um die Erde bauen.

Und in der Sneak-Review? Western.

Was haben wir gelernt?

Im Weltraum gibt es keine Schwerkraft. Einer der Astronauten hat große Schwierigkeiten sich das zu merken. Erst muss er im Raumschiff erinnert werden, nachdem er panisch an der Decke landet. Zitat von seinem Kollegen: “Wir müssen bedenken, dass es hier oben keine Schwerkraft gibt”. Trotzdem springt der Dummkopf auf dem Mond herum und fällt voll auf die Fresse – er hatte wieder vergessen, dass es im Weltall keine Schwerkraft gibt.

Szenenbild: Explosion und Freiheitsstatue
Shit’s on Fire! Eine provokante Geste der Aliens.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Eine besonders tragisch-romantische Szene vorm großen Himmelfahrtskommando Richtung  Mond:

Sie: “Es gibt etwas, dass immer gleich bleiben wird. Es gibt etwas…”

Er: “Hm?”

Sie: “Kannst du dir nicht denken was ich meine? Etwas was wir nie verlieren werden. Wir werden uns immer lieben, ganz gleich was passiert. Auf der Erde oder auf dem Mond.”

Er: “Ja aber manchmal…manchmal zweifle ich.”

Sie fängt an zu weinen.

Wie antwortete schon der japanische Zen-Lehrer Shunryu Suzuki auf die Frage, wie die Dinge sind? “Two words: Not always so”. Herr Suzuki hat übrigens ebensowenig Autos gebaut, wie der Regisseur Inoshiro Honda. Auch keine Motorräder.

Szenenbild: Die Astronauten auf dem Mond
Die furchtlosen Astronauten auf der Suche nach den seelenlosen Aliens.

Politisch fragwürdigste Szene

Der Krieg gegen den gemeinsamen Feind from Outer Space vereint die Nationen der Erde. Eine pathoslastige Rede wird geschwungen: “Die Regierungen wurden von ihren Völkern gezwungen nur noch für das Glück, die Wohlfahrt und die Sicherheit der ganzen Menschheit zu wirken. Der Ruf der Völker pflanzte sich fort von Land zu Land und er hallte wieder über die Oberfläche der Erde, bis er von den Vertretern der Völker im Weltrat gehört wurde.”

Für Glück, Wohlfahrt und Sicherheit werden dann weltweit mehr Kampfraketen gebaut. Endergebnis: “Wir können uns gratulieren, der Feind ist vernichtet!”

An dieser Stelle sei gefragt, ob die Konstruktion des äußeren Feindes unter Projektion von stereotypen Vorannahmen – wie die Unterstellung von Seelenlosigkeit – begleitet von Vernichtungsfantasien nicht im Grunde einen rassistischen Diskurs bedient, der über ein hohes Maß an Fragwürdigkeit verfügt (vgl. Felix 2017). im Grunde treffen wir auf einen erweiterten reaktionären Weltraum-Nationalismus (vgl. ebd.).

Positiv hervorzuheben ist aber, dass eine Astronautin eine Frau ist.

Auch der Darsteller Koreya Senda ist zu erwähnen. Er war mit seinen Übersetzungen ein Wegbereiter für die Verbreitung der Werke Bertolt Brechts in Japan. Deswegen erhielt er im Jahr 1982 die Ehrendoktorwürde der Humboldt Universität.

Lest hier die 10 absurdesten Schlagzeilen von Breitbart News!

Ist das Trash oder kann das weg?!

“Krieg im Weltenraum” ist ein Tip für Cineasten, sowie Liebhaberinnen und Liebhaber, als für Konsumenten von Sharknado-Partytrash. Im Kontext ihrer Zeit betrachtet, waren die Effekte wohl nicht trashig – auch wenn man sich heute an manchen Stellen das Lachen nicht verkneifen kann. Trotzdem kann man Irusho Honda nur dafür danken, dass er als erster den Krieg in den Weltraum gebracht hat. Domo arigato, Honda-san!

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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