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von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Diese Woche: The Love Witch. Liebeszauber, rosa Hüte und subtiler Feminismus.

Die Story

Elaine Parks (Samantha Robinson) ist eine der attraktivsten Frau der Welt, obwohl sie türkisen Lidschatten trägt. Nachdem sie ihren ersten Mann verloren hat, wandelt sie durch illusionäre Vorstellungs-Szenarien von Liebe.

Hinter ihren magischen Fähigkeiten verbergen sich Halluzinogene und Steak. Diese flösst sie Männern ein, um sie sexuell gefügig zu machen. Doch mit dem Sex kommt auch die männliche Sentimentalität und Elaine ergreift die Flucht. Zwischendurch sterben ein paar Menschen. Love hurts.

Die Love Witch beim Tee trinken, natürlich mit rosa Hut.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Den Film schlicht mit dem Trash-Stempel zu brandmarken, wäre falsch.  Er ist wie Samt. Ein 35-mm-Technicolor-Fetisch. Die Erschaffung einer bereicherten Realität aus Rotlicht, Wachs und Mänteln mit Regenbogen-Innenfutter ist kitschig und gelungen. Auf die tristen Notwendigkeiten unserer Existenz verweist der Film mit Details.

Ein Beispiel: Reagenzgläser voller benutzter Tampons. Die Schauspieler sind eine Ansammlung symmetrischer Gesichtszüge und geübt im Burlesque-Tanz. Hexen müssen ja immer irgendwie tanzen. Der Chef-Magier (Jared Sanford) sieht übrigens aus wie Bob Dylan. Das musste unbedingt angemerkt werden.

Hypnose-Blick und Liebeszauber: für Elaine kein Problem!

Trinkspielideen

Um nach dem Film noch Herr seiner Sinne zu sein und sich selbst einer erotischen Simulation hingeben zu können, empfiehlt es sich, ein paar mehr Euro in einen guten Scotch zu investieren. Denn nichts zerstört Illusionen so rapide wie ein verkatertes Spiegelbild.

Immer dann das Glas erheben, wenn Elaine einen Mann “My poor Baby!” nennt. Alle hedonistischen Seelchen, denen “tipsy” nicht genügt, trinken bei jeder Nacktszene. Das klappt immer.

Was haben wir gelernt?

Erstens: Die okkulten Plastik-LED-Kerzen aus dem Deko-Discounter existieren doch nicht grundlos. Zweitens: Mit der richtigen Love-Potion und einem Pentagramm aus Mett hat man immer eine Sex-Garantie.  Und zuletzt: Vintage-Filme machen schöne Haut.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

“We need to teach men how to love us, while using ways they understand.” Dieses Klischee gibt Elaine einer Bekannten als Liebestipp verpackt, bei einer Tasse Tee, mit auf den Weg. Ein typischer, moralisch nicht ganz koscherer Slayer-Satz. Ab auf Tumblr damit!

Einhorn, Prinz und Blümchen: Elaines Vorstellung vom großen Liebesglück.

Politisch fragwürdigste Szene

Aus bestimmten Blickwinkeln ist fast jede Szene fragwürdig. Du bist ein weibliches Wesen und möchtest gerne Sex haben? Wo ist das Problem? Du fühlst dich aber unsicher, weil du Dehnungsstreifen an den Pobacken hast (Pubertät, 2005-2012: Ich war dabei!)? Flöße deinem Gegenüber einfach einen Drink mit Halluzinogenen ein!

Gleichzeitig spielt der Film mit vielen Klischees und bricht sie an anderer Stelle. So pinkelt Elaine in ihren Hexentrank und hält eine Lobrede auf Menstruationsblut („It’s natural and not gross!“). Gleichzeitig bleibt Sie eine sehr widersprüchliche Protagonistin, deren Wünsche und Träume sie von Männern abhängig machen. Eine interessante Besprechung des Films aus einer feministischen Perspektive findet ihr hier.

Fazit

The Love Witch beweist, dass ein Low-Budget-Film nicht mit einem ästhetischen Armageddon gleichgesetzt werden muss. Die Regisseurin Anna Biller hat viel Kraft und Mühe in den Film gesteckt (und wie nebenbei auch die Kostüme,  die Musik und den Schnitt gemacht). Sie huldigt ihren filmischen Vorbildern der 60er Jahre und spart gleichzeitig nicht an kritischen Untertönen. 

Elaine Parks durchstößt unsere Grundannahme einer generellen Existenz von Liebe und ihre Männer mit Plastik-Dolchen. Das ist vielleicht schon viel zu deep. Aber mindestens ist der Film ein guter Insider-Tipp mit Hexerei, Blut und Brüsten. Man sollte ihn sich nach Anbruch der Dämmerung ansehen.

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen.