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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Für die Liebe zum Trash! Diese Woche: Guardians. Der russische Bär trägt ein gigantisches Maschinengewehr.

Worum geht’s?

August Kuratov, ein genialer aber vom sowjetischen Machtapparat missverstandener Wissenschaftler, hat durch Genexperimente Supermenschen erschaffen. Nun, Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, will er die Weltherrschaft oder zumindest beweisen, wie genial er ist.

Also wird sein altes Supermenschen-Team reaktiviert. Da sind Arsus (Ursus: lat. für Bär), der zum Bär werden kann, wenn er möchte. Ler ist ein Muskelmann, der zusätzlich telekinetische Fähigkeiten besitzt, Khan ist Asiate (vielleicht aus der Mongolei?!), superschnell und natürlich ein krasser Fighter und Kseniya ist vor allem blond und schön. Sie kann sich unsichtbar machen, aber dann sieht man sie nicht. Außer in der einen Szene,  in der sie sich auszieht und der Regen ihre nackten Konturen nachzeichnet. Supermenschen halt.

There’s a war goin‘ on outside, no man is safe from

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Guardians ist allerallerallerfeinster Trash. Die Story ist fürchterlich vorhersehbar und einfallslos, die Charaktere flach, die Logiklöcher gigantisch. Auch die Dialoge sind voller grausam alberner Kalauer, sexistischer Sprüche und unsinnigem Russland-Bashing. Aber die Effekte sind ziemlich gut, das Charakterdesign großartig direkt und kompromisslos trashig. Das einzig Traurige: Der Film ist auf Deutsch genau das geworden, was er ursprünglich nicht sein sollte. Aber dazu unten mehr.

Mehr Trash? Hier! 

Trinkspielideen

Man könnte es sich einfach machen und einfach bei jedem Riesenbizeps trinken, aber das wäre zu simpel. Stattdessen sollte man an jeder Stelle trinken, an der man merkt, dass den Charakteren etwas in den Mund gelegt wurde, was der Intention der Macher ganz klar widerspricht. Jeder alberne Kalauer an eigentlich spannender Stelle, jeder sexistische Spruch in Szenen, die dramatisch sein könnten. Da werdet ihr genug zu tun haben.

Some get shot, locked down, and turn nuns

Mal wieder ins Kino? Hier geht’s zur Sneak-Review!

Was haben wir gelernt?

Der russische Bär ist muskelbepackt. Jedes Mal wenn sich Arsus (Ursus: lat. für: Bär) in einen Bär (Bär: dt. für: Bär) verwandelt, verliert er ein Stück seiner Menschlichkeit. Wenn er weiter kämpfen müsse, würde er irgendwann nur noch Bär sein, kein Mensch mehr, erklärt er. Ist das eine Anspielung auf die Situation Russlands? Ein Tiefenpsychologisches Abbild der inneren Zerrissenheit einer Nation, das Porträt der postsowjetischen Identitätskrise zwischen Putin und Pussy Riot.

Ansonsten: Wenn Schauspieler zu faul sind, um vor einem Film ordentlich pumpen zu gehen, damit sie die Vorgaben ihrer Rolle erfüllen, reicht ein Muskel-Gummianzug. Da muss auch niemand den Bauch anspannen, um ein so herrlich rot leuchtendes Sixpack präsentieren zu können wie der verrückte Kuratov.

Jede Woche verteilen wir Herzen… 

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Tarantino würde wahrscheinlich wenig von der nachträglichen Uminterpretation dieses Films halten. Aber manche Dialoge sind so fürchterlich doof, dass er sie vielleicht doch zur Kenntnis nehmen würde.

Kuratov hat einen Fernsehturm geklaut, um ihn auf einen anderen Fernsehturm setzen zu können. Er will nämlich mit dem neuen, über einen Kilometer hohen Fernsehturm die Space-Waffe aktivieren, die Ende der 80er als Antwort auf das Star-Wars-Programm von Ronald Reagan gebaut wurde.

Soldat: „Er will die Weltherrschaft übernehmen.“

Arsus: „Nein, so denkt Kuratov nicht. Er will der Welt nur zeigen, dass er den Größten hat. Dass seiner so groß ist wie…“

Mayor Elena Larina: „Der Astrankino Fernsehturm.“

Oder, einfach weil er so herrlich sexistisch und unnötig ist:

„Dank hochempfindlicher Sensoren in Ihrem Anzug, Ksenyia, können Sie jetzt auch teilweise unsichtbar werden, indem Sie einfach bestimmte Muskelgruppen anspannen. Außerdem wird ihr neuer Anzug gemeinsam mit Ihnen unsichtbar. Sie müssen sich also nicht mehr vor dem Kampf ausziehen. Leider.“

You can put your whole army against my team and I guarantee you it’ll be your very last time breathin‘

Politisch fragwürdigste Szene

Dieser Film ist in deutscher Synchronisation nicht mehr nur fragwürdig. Man muss kein Russlandversteher sein, um zu sehen, dass „Guardians“ als Reaktion auf die amerikanischen Superhelden-Filme entstanden ist. Die russischen Filmemacher wollten russische Helden schaffen, mit denen sich die russischen Kinogänger eher identifizieren können als mit den amerikanischen, die meistens gegen Russen kämpfen müssen.

Statt aber diesen Wunsch anzuerkennen, interpretiert die deutsche Übersetzung den Film um. Hier bashen die Nachrichtensprecher Russland, das russische Militär, die russische Regierung, die russische Bevölkerung. Unfähig, korrupt, versoffen. Und dabei wäre es noch nicht mal nötig gewesen.

Denn der Film spielt nur in Russland, es geht nicht gegen „den Westen“. Natürlich glorifiziert er den Kampf, die Männlichkeit und das Militär – aber keinen Deut mehr als die „Avengers“ das tun.

An einer Stelle heißt es in etwa: „Wir sollten die NSA um Hilfe bitten, die Amerikaner schulden uns noch etwas wegen der Trump-Sache.“

Statt Russen ihren eigenen Trash zu gönnen, wird der Film zum antirussischen Propagandawerk. Man muss, wie gesagt, kein Fan von Putin sein. Man muss noch nicht mal relativieren, was Russland sich außenpolitisch so alles anmaßt – aber dieser Film ist so, wie er in Deutschland gezeigt wird, Hetze.

Außerdem ist der Film voller sexistischer Sprüche, die so deplatziert sind, dass sie höchstwahrscheinlich im russischen Original nicht vorkamen. Da fragt man sich doppelt und dreifach, welchen Zweck das haben soll.

Every man for they self in this land we be gunnin‘

Ist das Trash oder kann das weg?!

Der Film ist geil. Die Effekte sind meistens ziemlich gut und die Figuren großartig durchgestylet. Nach dem Film wünscht man sich trotzdem noch ein paar Dinge. Erstens: Eine würdevollere Synchronisation. Zweitens: Teil zwei – und laut imdb.com wird das was, trotz trauriger Einspielergebnisse und schlechter Kritiken. Und drittens: Actionfiguren! Eine Serie! Den Bär in allen künftigen Marvelfilmen! Und DC-Filmen! Transformers! Turtles! RomComs! Game of Thrones! (usw.)

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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