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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Aus Liebe zum Trash! Diese Woche: Vampirella. Die Wahrheit über Vampire kommt direkt vom Planeten Drakulon zu euch nach Hause.

Die Story

Ella lebt vor 3000 Jahren auf dem Planeten Drakulon. Obwohl die Einwohner Vampire sind, trinken sie kein Blut, sondern synthetisieren sich ihre Nahrung. Aber nicht alle: Vlad bevorzugt es, echtes Blut zu trinken und damit andere Lebewesen zu töten. Er soll hingerichtet werden, wird aber während des Prozesses von Mitgliedern seiner Blutsauger-Sekte befreit und flieht auf die Erde.

Vorher bringen sie allerdings noch den Richter um, der zufällig der Vater unserer Heldin Ella ist. Die schwört Rache. Sie verfolgt Vlad, landet aber auf dem Mars und kommt deshalb erst in einer Zeit auf der Erde an, die optisch an die 90er erinnert, immer mal wieder aber auf eine deutlich weiter entwickelte Zukunft hindeutet. Auf der Erde fällt sie kaum auf, obwohl sie selten mehr trägt als ein paar Latexstreifen. Die bedecken nur ihre gröbste Scham.

Hier schließt sie sich mit Operation Purge zusammen, einer Anti-Vampir-Miliz, die gekleidet ist wie ein paar 90er Jahre Gangsta Rapper aus Compton. Auf ihren Basecaps tragen sie allerdings keine Sportteam-Logos, sondern Kreuze. Wenn Compton also über ominöse Freikirchen verfügt, sehen deren Mitglieder vermutlich so aus.

Long Story short: Vlad lässt es sich seit 3000 Jahren auf der Erde gutgehen, zeitweise auch in den rumänischen Karpaten. Heute ist er Rockstar Jaimie Blood, inklusive der Hit Single „Come on Bleed for me“. Sein diabolischer Plan: Irrelevant, er will aber damit die Weltherrschaft erlangen.

Ob ihm seine Freunde auf der LAN-Party das glauben werden?

 Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Das Dumme ist, dass  viele an langweiligen, inkohärenten Unsinn denken, wenn  sie echten Trash meinen. Das trifft hier nicht zu. Vampirella erfüllt jedes Trash-Klischee. Der Film ist fürchterlich dumm, voller Plotholes, billigen Effekten, Gewalt, nackten Brüsten und eben allem, was Trash trashig macht.

Der Film macht aber Spaß.  Die Schauspielerin Talisa Soto sieht aus wie eine weniger ungesund dürre Wonder Woman (Gal Gadot). Dafür wird ihr anderweitig sexistisch zugesetzt. Und zwar nicht nur so implizit wie, dass sie sich ständig an Männer bindet.

Ihr Latexanzug ist das Kostüm der gleichnamigen Comic-Vampirella. Das Outfit mag gezeichnet auf Papier durchaus funktionieren, wenn man hofft, sich bei der Lektüre ein wenig aufgeilen zu lassen, im Film funktioniert nicht mal das. Ellas Latexdress sieht vor allem in der Lendengegend aus wie eine rote Windel mit Batman-Logo.

Die Dialoge sind einprägsam, weil jeder darauf ausgelegt scheint, als One-Liner funktionieren zu können. Als Ella das erste Mal auf Vlad trifft, stellt sie sich als Vampirella vor – und gibt sich als Groupie aus.

Er: „You hit me like a ray of moonlight, Raven Hair“ (Ella hat schwarze Haare), „where have you been all my life?“ „Looking for you.“

Warum sie den Namen Vampirella auch im späteren Verlauf des Films beibehält, bleibt offen.

Die meisten der Vampir-Schauspieler können kaum sprechen, weil sie die langen Eckzahnprothesen im Mund tragen. So erinnert die Szenerie häufig an ein Altenheim, es wird viel genuschelt und viele Münder bleiben grundlos geöffnet.

Opa Alfred ärgert sich immer, wenn Schwester Monika die Tabletten verteilt.

Trinkspielideen

Jedes Mal wenn ein Vampir die Zähne fletscht oder ein Kreuz im Bild erscheint, wird geshootet. Am besten Bloody Mary. Oder Mexikaner. Oder diese klebrige Erdbeerplörre, die wir in der Mittelstufe so lecker fanden.

Ihr interessiert euch eher für süße Hunde? Dann schaut mal hier!

Was haben wir aus Vampirella gelernt?

Die Geschichte des seelenlosen Blutsaugers aus Transsilvanien muss umgeschrieben werden. Von Grund auf. Zum einen sind Vampire keine Dämonen, sondern Aliens. Und die sind uns technologisch etwa 4000 Jahre voraus. Sie würden Blut trinken, wenn sie das nicht selbst unmoralisch fänden. Deswegen haben sie sich ihre Nahrung synthetisiert und ernähren sich seitdem vegan.

Viel mehr als ein Film über eine halbnackte Frau, die Männern die Hose eng werden lässt, ist Vampirella nämlich eine Dracula-Origin-Story.

Was wir immer noch nicht verstanden haben: Woher kommt die vampirische Abneigung dem Christentum gegenüber? Und vor allem: Warum ziehen Vampire nicht in Gegenden, in denen es weniger verbreitet ist?

Eine Foltermethode in Vampirella: Weihwasserinjektion „This is Holy Water. Blessed by the Pope himself”. Waterboarding war Mitte der 90er noch recht unbekannt, sonst hätte man wohl Holy Waterboarding angewandt.

Auch kurios: Obwohl auf Drakulon schon vor 30 Zenturien („30 Centuries“) modernes Englisch gesprochen wurde, muss Vampirella vor dem ersten Kontakt mit Menschen der heutigen Zeit das Internet durchsuchen, das im Film (1996) noch „Database“ genannt wird, um sich auf „colloquial English“ unterhalten zu können.  

Zenturien sind übrigens nicht hundert Jahre, sondern hundert römische Legionäre. Wusstet ihr nicht, was? Einfach mal gedacht: “Ach, die werden schon wissen, was sie schreiben.” Leute, glaubt nicht alles, was ihr im Internet lest!

Auf dem Weg zur Techno-Party. Ella im klassischen 90er Jahre Outfit.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Kurz bevor Vlad den letzten Van Helsing umbringen möchte:

„This is rather sad, in a way. In another reality I could have called you “friend”.“

“In any reality I call you SCUM!”

Mehr Trash? Lest hier das Interview mit Jörg Buttgereit.

Politisch fragwürdigste Szene

Fragwürdig oder eher denkwürdig: Van Helsing und Vampirella unterhalten sich. Er als Vertreter der Vampir-Killer-Gangsta mit Kruzifix-Cappy, sie als Vampirin. Er erklärt die Motivation der Operation Purge:

We believe innocent people have rights.“

„What about my rights, my rights as a rational being?“

„Is that what you are?“

Daraufhin fletscht Ella plötzlich die Zähne und zischt ihn an, wie Katzen Menschen anzischen, wenn sie klarmachen wollen, dass sie arrogante kleine Mistviecher sind, die in der Badewanne ertränkt gehören.

„This is what I am. Who I am.“

 

Ist das Trash oder kann das weg?!

Vampirella ist ein großartiger, super dummer Film. Er hat alles, was man sich wünschen kann, wenn man Freitagabends lieber mit ein paar Freunden Trashfilme schauen möchte, als in die Kneipe zu gehen. Und die Trinklaune aber nicht missen möchte.

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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