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von und für Zaubernde

Heute kein klassischer Trash. Vor vier Tagen ist »The Smell of Us« von Larry Clark (»Kids«, »Ken Park«) für die heimischen Wiedergabegeräte erschienen. Wieder geht es um Teenager außer Kontrolle. Doch Clark will sich nur noch selbst zitieren.

Larry Clarks Erstlingswerk »Kids« (1995) war ein Film wie ein Schlag ins Gesicht. Clark zeichnete ein ehrliches und schmutziges Porträt der jugendlichen Skater-Subkultur der 90er Jahre in New York. Abhängen im Skatepark, Drogen und Sex – überschattet von einer steigenden Zahl AIDS-Erkrankungen. Im Film beherrscht schonungsloser Rassismus, Chauvinismus und Sexismus das Miteinander der Jugendlichen, so dass jede Romantisierung ausgeschlossen bleibt. »Kids« ist meilenweit entfernt von einem Comig-of-Age Film à la »Boyhood«; die Teenager leben so nah am Abgrund, dass es schwerfällt überhaupt von einem »Aufwachsen« zu reden.

The Smell of Us 1

Im Film gibt es keinem jugendlichen Schonraum. Die »Kids« haben die Welt der Erwachsenen in pervertierter Form in sich aufgesogen. Clark arbeitete für den Film mit Laien, von denen drei heute nicht mehr am Leben sind. Der Protagonist Justin Pierce nahm sich im Jahr 2000 das Leben, Sajan Bhagat starb im Jahr 1999 an einer Überdosis – genau wie Harold Hunter im Jahr 2006 (Kokain). Der Film war wohl näher an der Lebensrealität der »Teenager« (die größtenteils eigentlich schon über 18 waren), als es einem lieb sein mag. Die Partyszenen waren zum größten Teil ungescriptet; man betrank sich und dröhnte sich zu, während die Kamera draufhielt. Der Autor Harmony Korine schrieb das Drehbuch als er selbst gerade mal 18 Jahre alt war.

The Smell of Us

Nun erscheint im Februar der Larry Clarks Film »The Smell of Us« in Deutschland auf DVD und Blu-Ray. Er wird beworben als »Kids in Frankreich« – und leider ist er auch nicht viel mehr als das. Der Protagonist Math (Lukas Ionesco) lebt mit seinen Freunden in einer Welt aus Skaten, Drogen, Sex und Mode. Ihre Familien sind zerrütet, die Väter ganz klassisch abwesend oder gewalttätig.

The Smell of Us 2

Nebenbei verdienen sie sich Geld, indem sie sich prostituieren. Auf die Idee kommen sie über eine App für Escortservices und sie erliegen dem Reiz des schnellen Geldes. Es folgen diverse unangenehme Sexszenen inklusive einem Freier der leidenschaftlich Maths Zehen abschlabbert. Dazwischen gibt es ganz gute Musik und Skate-Szenen.

Der alte Mann und die Teens

Warum Larry Clark (Jahrgang 1943) auch 20 Jahre nach »Kids« noch über Teenager außer Kontrolle, ihre Wildheit und ihr Sexleben sprechen möchte, ist schwer zu beantworten. Sein gänzlich dystopisches Bild der Jugend wirkt mehr als zweifelhaft und driftet ins Absurde. Ein besonders skurriler Moment: Maths Mutter versucht ihn stark angetrunken zu verführen. Weder zu Clarks Milieu-Studie, die er mit »Kids« begann, noch zu aktuellen Themen hat er viel zu sagen.

The Smell of Us 3

Das verleitet Filmstarts dazu in Clarks einen »nostalgischer Filmemacher« zu sehen, der »sich in der Gegenwart offenkundig nicht mehr wohlfühlt.« Ein Urteil, das nicht allzu abwegig erscheint. Somit taugt »The Smell of Us« wirklich nur als eine Neuauflage von »Kids« in Frankreich. Kann man sich anschauen für nostalgische Erinnerungen, doch das Original bleibt unerreicht. Und Clark sollte sich fragen, ob er nicht mittlerweile einfach zu alt ist, um Porträts der Jugend zu inszenieren.

Außer »The Smell of Us« hatten wir in der letzten Woche folgende Themen…

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