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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nach „Schwiegertochter gesucht“ und „Traumfrau gesucht“, schenkt uns Sat1 eine Sendung des gleichen Formats: „Hotel Herzklopfen – spät verliebt“ läuft seit diesem Sonntag im Vorabendprogramm. Zum Einstieg gab es im Hotel Herzklopfen eine Doppelfolge, die nicht nur die Kandidaten tief berührt hat.

Einsame Herzen suchen ihr ebenso einsames Gegenstück und nehmen es dabei sogar in Kauf, sich vor und schlimmstenfalls auch für die Kamera erniedrigen zu lassen. Das Konzept funktioniert sender- und zielgruppenübergreifend, und auch Sat1 eilt einen ganz besonders wunden Punkt an: das Herz des Zuschauers. Um uns genau dort zu packen, versuchen die Moderatoren Daniel Boschmann, Sarah Mangione und Lutz van der Horst für 12 Frauen und 12 Männer, alle süße Ü60, in sieben Tagen „die Liebe ihres Lebens“ zu finden – wieder.

Im Laufschritt Richtung Liebe

Im Gegensatz zum Bachelor setzt „Hotel Herzklopfen“ nicht auf eine exotische Kulisse, sondern auf uriges Alpenpanorama. Entsprechend rustikal werden die Mädels mit dem Trecker zum gemeinsamen Treffpunkt gefahren, während Beyoncé dem umliegenden Dorf die „Single Ladies“ ankündigt.

Auch wenn das an Karnevalsumzug erinnert, süß sind die Singledamen schon, wenn sie da so tanzen. Bei all der Niedlichkeit wirkt es dann fast schon schockierend, wenn die älteren Damen auf die Herren treffen: Die seien zu klein, zu alt oder einfach nicht schön genug. Trotzdem können sich alle zu Zweiergruppen zusammenfinden und im Gänsemarsch gen Hotel ziehen, danach Sessellift zu zweit.

Später, man kennt sich nun ein wenig sollen sich alle im Stuhlkreis per Wollknäul kennenlernen. Das erste Mal, dass ich an diesem Vorabend Fremdscham empfinde. Am Ende des Tages sollen dann alle auf einem Zettel ihren Favoriten wählen – gibt es hier eine Übereinstimmung, dann gewinnen die beiden nämlich eine observationsfreie Nacht in einem abgelegenen Chalet mit persönlichem Candle Light Dinner.

Bild: Sat1

Mehr Senioren, weniger Witze

An Tag zwei fährt man Sommerrodelbahn. Alle sollen möglichst schnell und vor allem lückenlos an den Mann bzw. die Frau gebracht werden. Ganz klassisch werden zwischen den Szenen immer wieder die Kandidaten im Interview eingespielt. Sie kommentieren die vergangenen Situationen oder geben ihre Geheimnisse preis. Das kennt man so auch von RTLII.

Gerade in der ersten Folge wird hier wieder viel der Herzensknopf gedrückt: Manch einer wurde betrogen, ausgenutzt oder verlor den Partner. Mancher ist auch einfach nur so single. Es wirkt: Man selbst fühlt nun selbst den Wunsch, dass diese geschundenen Seelen zusammenfinden mögen.

Während die Kandidaten alle liebenswürdig, humorvoll und natürlich wirken, schaffen die Moderatoren das nicht. Man fragt sich, ob da drei nicht einer zu viel sind – vor allem, wenn der  als satirischer Reporter für die Heute Show bekannte Lutz van der Horst die Kandidaten mit affigen Leibesübungen im Aerobicstil motiviert oder nicht lockerlässt, wenn ein Paar während seiner gemeinsamen Nacht im Chalet allein sein möchte. Ihre Witze wirken einstudiert, alle schauen etwas verkniffen und peinlich berührt. Wie bei der Heute Show eben.

Bild: Sat1

Verkuppeln – geht auch kandidatenfreundlich

Zum Glück lenken diese kurzen Störungen aber nicht vom Eigentlichen ab. Es geht ums Herz und dabei ist man sogar freundlich. Auch muss man Sat1 zu Gute halten, dass man darauf verzichtet, seine Kandidaten als vermittlungesresistente Problemsingles darzustellen, deren Erwartungen höher seien, als ihre Optik. Unwillkürlich kann man sich ein warmes Gefühl nicht verkneifen, wenn man schon in der zweiten Folge die ersten zarten Anbändelungen erkennt. Man freut sich mit, man wählt seine eigenen Lieblingskandidaten und wünscht jedem nur, dass sein Traum von der großen Liebe wahr wird – wieder.

„Hotel Herzklopfen – spät verliebt“ ist süß, macht nachdenklich und, blendet man Lutz van der Horst aus, blinzelt über die Moderatorenkommentare hinweg und lässt sich ganz auf die Ü60er und ihre Gefühle ein, dann wird man hier belohnt. Es trifft ins Herz, es macht einen Nachdenklich über das über das eigene Altwerden und es gibt einem Hoffnung, dass es nie zu spät ist für die große Liebe.