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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Auch ZurQuelle kann Liebe. Deswegen starten wir einen Fortsetzungsroman, an dem ihr euch das Herz ausbeißen werden. Rührend, liebevolle Schundliteratur. Viel Spaß.

Evita Emanuelle verspürt eine drängende Leere in ihrem Herzen. Verlassen von Pietro Panini, dem charismatischen Hobby-Rodler, frisst die Einsamkeit sie auf. Die Begegnung mit Pablo Picante bei „Ullis Frittenbude“, entflammt die Leidenschaft in ihrem Herzen aufs Neue. Ein Sandsturm der Liebe zieht auf.

Lasziv nickend reagierte Evita auf Ullis Frage „Och, wat druff auf die Pommes?“. Ulli schüttelte kokettierend den Kopf. „Ja und wat? Ketchup oder Mayo?“. Evita dachte nach. Ihr Geist war betrübt von Trauer und trieb im Meer der Melancholie ziellos umher. Seit Pietro sie verlassen hatte, schienen auch kleine Entscheidungen sie zu überfordern.

Gestern war sie im Supermarkt vor Erschöpfung zusammengebrochen: das ambivalente Schwanken zwischen 3- und 4-lagigem Klopapier hatte ihre Energiereserven aufgebraucht. Sie bat Ulli um Ketchup und Mayo. Mit den kleinen Currypiekern malte sie ein rotes Ketchup-Muster in die Mayonnaise.

Sie schuf ein Bild, das ihren Schmerz spiegelte. Eine klaffende Wunde, wie in ihrem Innersten. Ulli drehte sich beschämt um. Er wollte nicht, dass Evita seine Tränen sah. „Dit Zwiebelschneiden is‘ echt ne Qual sach ick dir!“, stotterte er und lachte künstlich. Um seine Unsicherheit zu kaschieren, schickte er noch ein “du olle Kackbratze!” hinterher.

Evita lächelte ihn trübe und verständnisvoll an. Sie kannte Ulli mittlerweile gut genug, um die Masche zu durchschauen. Täglich kam sie in der Mittagspause zu ihm, meistens alleine. In der Firma, in der sie arbeitete, fand sie keinen Anschluss. Vielleicht lag es an der rauhen Stimmung im Betrieb, die geprägt war von Konkurrenz und Zwietracht, vielleicht auch an ihrer eigenen Schüchternheit: bei der „Ludwigs-Langusten-Labor GmbH“ fand sie jedenfalls keine Freunde.

Ihre Gedanken wanderten. Sie brachte ihre Aufmerksamkeit zurück zu der Portion Pommes. Ulli guckte sie schon seltsam an. “Willste dit irgendwann noch essen oder kann ick’s dem nächsten jeben?”. Plötzlich spürte Evita eine merkwürdige Präsenz. Jemand tippte ihr auf die linke Schulter und berührte sanft ihr langes Haar. Erschrocken drehte sie sich zur Seite. Sie erstarrte.

Vor ihr ein junger Mann Mitte 20, einnehmendes Lächeln, androgyner Körperbau und mittellanges braunes Haar. Sein Gesicht sah aus wie eine Mischung aus David Bowie, Pablo Escobar und der jungen Britney Spears. Er trug einen grauen Wollkragenpullover, Fair Trade Sneakers und eine Schnellfickerhose von Adidas. An seiner regenbogenfarbenen Propellermütze war ein Button mit der Aufschrift „Gegen Tierversuche und Nazis!“. Auf seiner Nase hatte er eine schöne große Warze aus der ein langes Haar herausstach. Am Ende der Leine, die er hielt, war nicht etwa ein Hund, sondern eine ausgewachsene Bisamratte. Er schien ein ganz besonderer Mann zu sein. Sein Atem roch nach Biosprit.

„Hallo, ich bin Pablo. Komm doch zu unserem Treffen am Dienstag. Wir reden über die Gefahren von Glyphosat“, sagte er und drückte Evita einen Flyer in die Hand. Ulli, der auf einem halben Ohr mitgehört hatte, wurde wütend und schrie „Zieh Leine, du Hippie!“

Tief verletzt schlürfte Pablo davon, nachdem er Ulli einen enttäuschten Hundeblick zugeworfen hatte. Sein Kopf war gesenkt und er schluchzte. Doch Evita hielt seinen Flyer in ihren Händen, die zitterten wie Espenlaub. Ihre Wangen wurden roter, als ein Bobby Car. Sie las: „Ökoanarchistische Tierfreunde e.V. – gegen Klimawandel, Staat und Kapital. Treffen: Dienstags 19 Uhr. Kommt vorbei! Es gibt Gelee-Bananen und vegane Mettbrötchen.“

Sollte sie hingehen? Eigentlich sagte sie ja immer, sie wäre nicht politisch. Einmal war sie auf einer Demo gewesen, aber sie hatte vergessen wogegen. Oder wofür. Es hatte etwas mit Frieden, Chemtrails und Chlorhühnern zu tun. Danach wollte sie ihren politischen Aktivismus eigentlich hinter sich lassen. Das war abgehakt für sie, man muss ja auch nicht jedes Wochenende Golf spielen gehen.

Aber da war eine Stimme in ihr, die nach Pablo schrie. Sollte sie der Sehnsucht nachgeben? Oder sollte sie auf das Ersticken der lodernden Flamme der Leidenschaft im Alltagstrott warten und in grauer Leere verharren?

Fortsetzung folgt.

Sandsturm der Liebe - ROMANTISCH

Außer Sandsturm der Liebe, gab es diese Woche noch folgende Themen

Taste the Waste widmete sich dem Streifen „Happiness“.

Unser Herz ging an die sexistische Weihnachtsmodenindustrie.

Und in der Sneak-Vorstellung der Yorck-Kinos sahen wir „A Ghost Story“.

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