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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Seit »Battle Royal« hat sich einiges geändert. Damals schickte man in Japan überflüssige Schülerinnen und Schüler noch auf eine Insel, wo sie sich gegenseitig töten mussten. Heute beweist die japanische Serie »Girls und Panzer«: Es geht auch humaner! Und zwar mit dem Schulfach »Panzerfahren«.

Der pädagogische Panzerkampf

Bei dem Gedanken an Schulmädchen in kurzen Röcken schießt den meisten Menschen sofort ein Wort in den Kopf – Panzerkampf! Die junge emanzipierte Schülerin von heute engagiert sich nicht nur politisch, sondern ist auch in der Lage ein 60 Tonnen schweres Stahlmonster gegen ihre Mitschülerinnen einzusetzen. Im Matriarchat des Anime »Girls und Panzer« ist Panzerfahren nämlich ein Schulfach an dem ausschließlich Mädchen teilnehmen dürfen.

Friedlicher Wettbewerb

Die Netflix-Serie beschreibt die nahe Zukunft: Länder führen keinen Krieg mehr. Stattdessen werden in freundschaftlichen Wettbewerben Panzerschlachten gegeneinander austragen. Obwohl mit scharfer Munition geschossen wird, verkündet die Regierung, dass das total sicher ist. Wie durch Zauberhand überleben auch immer alle. Gewonnen hat am Ende das Land, das als letztes noch steht. Weil in der friedfertigen Gesellschaft keine Panzer mehr produziert werden, wird kurzerhand auf Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgegriffen. So kann man den Kindern auch gleich etwas über die düstere Vergangenheit beibringen. Schließlich stand Japan damals fest an der Seite der Nazis. Aber hey – heute herrscht Peace, Love und Panzerkampf!

Nicht so wichtig: Die Handlung

Abgesehen von Miho Nishizumi stellt niemand den gewalttätigen Schulsport infrage. Mihos Familie ist jedoch für Expertise mit Panzern bekannt und so bedroht der Schülerrat Miho mit dem Rauswurf aus der Schule, sollte sie nicht am Panzersport teilnehmen. In einer Rückblende erfährt der Zuschauer, dass Miho das Panzerfahren hasst, weil dabei Freunde von ihr gestorben sind. Als Miho ihren Panzer verließ um ihren Freunden zu helfen, wurde sie disqualifiziert. Dem Schülerrat ist das verständlicherweise egal, es geht immerhin um den Ruf der ganzen Schule und nicht um irgendwelche First World Problems. In einem Turnier treten Niho und ihr Team gegen verschiedene Nationen an. Der Endgegner ist ihre böse große Schwester, die für die deutsche Schwarzwald-Akademie antritt.

Echte Mädchen reparieren ihren Panzer selbst!

Die Mädchen müssen ihre Panzer selbst warten und reparieren. Bald beschließen die Schülerinnen ihre Panzer mit Camouflage zu tarnen, und Codenamen zu entwickeln, falls ihr Funk abgehört werden sollte. Um ihre Feinde einzuschüchtern, kriegen alle Fahrzeuge süße Tiernamen, und werden bunt angemalt. Die vielen bunten Farben tarnen super und gleichzeitig schreit nichts mehr #yolo als pinke Camouflage auf alten Nazipanzern. Zwischen den Schlachten trinken unsere Heldinnen Tee aus panzerförmigen Tassen, und lassen sich von einem Panzerzug Sushi an den Tisch liefern. Grundsätzlich ist alles panzerförmig: Hausschuhe, Mützen, Schlüppis. Wieso bislang niemand die offensichtliche Verbindung zwischen Schulmädchen und Panzern ziehen konnte, ist absolut unverständlich. Hier kommt zusammen was zusammen gehört: Seit »Baby One More Time« von Britney liebt nahezu jeder Schulmädchen. Und wirklich jeder liebt dicke Panzer. Das ist quasi Teil der menschlichen Natur.

Fazit – ein pädagogischer Spaß für die ganze Familie

Storytechnisch ist die Serie sehr überzogen und eigentlich auch ziemlich egal. In der viel zu zuckersüßen Coming-of-Age-Geschichte wird gelacht, geweint und Freundschaft geschlossen. Der girliehafte Zuckerguss soll verschleiern, dass es eigentlich nur um die Panzer geht. Trotzdem macht die Serie Spaß. Die Mädels haben an den Daten von wichtigen Schlachten des Zweiten Weltkriegs Geburtstag und alle Schlachten verlaufen nach berühmten Taktiken. Könnte man geschmacklos finden, wenn es nicht so unglaublich schräg und dumm wäre. Russland kesselt die Heldinnen Stalingrad-like ein und diese stehen kurz vor dem Frosttod. Bei »Girls und Panzer« lernt man mehr, als in so mancher Doku auf N24.

Falls das alles noch nicht verrückt genug war, hier ein Video aus der Variante mit echten Schauspielern:

Außer Girls und Panzer gab es in der letzten Woche folgende Themen…

Der Systemkampf entflammt aufs Neue. »Adventure Communist« gegen »Adventure Capitalist«.

Anima und Felix haben ein Herz für Kollga H. und Fahrrad Peng. Ein Herz für deutschen Gangster-Rap.

In der Sneak gab es Action fürs Gehirn. A Beautiful Day mit Joaquin Phoenix.

Und eine TV-Kritik von Vanessa: Hotel Herzklopfen mit verliebten Senioren.

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