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von und für Zaubernde

Marten Schälicke ist Organisator des No Pants Subway Ride Berlin. Hunderte Menschen treffen sich am Frankfurter Tor und fahren ohne Hose in der U-Bahn durch Berlin. Nicht nur ProSieben hat schon angefragt, ob sie nicht mal die nackten Pöppes filmen könnten … und Marten mittendrin. Marten selbst kann keine Unten-Ohne-Fotos von sich vorweisen, seine Mitorganisatorin Mareike weiß aber schon, dass sie dieses Jahr Unterwäsche aus dem vergangenen Jahrhundert tragen wird.

Marten. Trägst du in dieser Sekunde eine Hose?

Erstaunlicherweise ja. Ich hatte heute keine Lust, meine Schlafklamotten auszuziehen. Habe ich erwähnt, dass ich noch im Bett liege?

Worin liegt für dich der Reiz des Ausziehens der Hose?

Hosen sind einfach häufig im Weg. Zum Beispiel, wenn man alleine ist. Aber auch wenn nicht. Dann aber nicht in der U-Bahn.

Warum hast du begonnen, den No Pants Subway Ride in Berlin zu organisieren?

Weil ich beim ersten Mal gar nicht in Berlin war und so selber nicht die Hose ausziehen brauchte. Dafür hatte ich dann meine Mitbewohnerin und Mitorganisatorin. Nun ist die Frage, warum ich ihr das aufgehalst habe.

2008 hatte ich erstmals von Improv Everywhere gehört. 2011 stieß ich wieder auf sie und fand ihre Aktionen ganz nett. Ich war – und bin – nämlich der Meinung, dass es so etwas auch in Deutschland geben sollte: einfache Scherze oder andere lustige Aktionen, die auf niemandes Kosten gehen und allen frei- oder unfreiwillig Beteiligten ein Lächeln schenken.

Die Organisatoren nennen es ein „Fest der Albernheit“ und unser Ziel ist die deshalb auch die Verbreitung guter Laune: „Die Stadt darf das Lachen nicht verlernen.“ Mit allem was dazu gehört. Und gerade da kann sich unsere Generation wohl ab und zu auch eine Scheibe abschneiden.

Weil beim No Pants Subway Ride einfach jeder mitmachen kann, fingen wir damit an, ihn zu organisieren. Zu mehr sind wir bisher aber noch nicht gekommen.

Worin liegt der größte Teil deiner Arbeit? Was ist das Nervigste in der Vorbereitung?

Die Vorbereitungen gehen eigentlich. Es ist nichts dabei, was mit einem Mal viel Arbeit machen würde. Es fallen erstmal nur Kleinigkeiten an: Fotos raussuchen, Events erstellen, Texte anpassen, hier und da mal die Facebook Seiten durchsehen und ggf. Werbung zu löschen. Negative Reaktionen lassen wir dabei stehen, meistens sind die eh nur lächerlich.

Wir beide werden zum Glück von einem lieben kleinen Team unterstützt. So sind noch ein Fotograf und gleich zwei Personen dabei, die sich um das Filmchen kümmern. Leider kann ich dennoch nicht einfach nur mitfahren und die Fahrt genießen. Ein paar mehr Leute, die Gruppen leiten oder während der Fahrt als Ansprechpartner da sind, wären schon nicht schlecht.

Und wie reagieren die Leute auf eure Nacktheit?

Unterschiedlich. Einige sind super amüsiert, lassen womöglich spontan die Hose runter oder wünschen sich, uns so in der Oper zu sehen. Touris fotografieren natürlich, andere reagieren aber auch ablehnend. Immer wieder kriegen wir spekulative Erklärungsversuche zu hören, die uns mitunter wirklich amüsieren.

Während der Fahrt aufgeregt haben sich bisher nur ältere Personen. Das aber auch eher des Datums wegen. An dem Sonntag findet nämlich auch traditionell die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration statt.

Jüngere Leute sind vor allem im digitalen Raum sehr direkt: #IhrLappenseidnichtBerlin.
Auch wurde uns ans Herz gelegt, uns doch mal wieder befriedigen zu lassen.

Hinzu kamen einige Kommentare aus einer Pegida-ähnlichen Ecke, die hinter der Aktion eine Amerikanisierung und den internationalen Kommunismus, weil FKK, vermuteten.

Dennoch sind die Reaktionen überwiegend positiv.

2006 wurden in New York auch einige Mitfahrerinnen kurzzeitig festgenommen. Das waren aber nur übereifrige Polizisten, passiert ist weiter nichts. Die BVG hat uns auf Anfrage sogar verraten, dass sie uns das Ganze auch gar nicht verbieten könnte.

In New York werden die Teilnehmerinnen von einer Polizistin begleitet. Ist das in Berlin genauso? Trägt sie eine Hose?

Genau, nachdem dort eben die Polizei zunächst Mitfahrerinnen festgenommen hat, begleitet nun diese Polizistin die Fahrt. Aber mit Hose, die gehört ja zu Uniform. In England kann man wohl sogar gegen Strafzettel vorgehen, wenn beim Ausstellen die Polizistin ihre Mütze nicht getragen hat.

Bei uns ist die Polizei nicht aktiv dabei. Es wirkte beim letzten Mal kurz so, als vor Beginn eine Wanne am Treffpunkt vorfuhr. Allerdings hatten wir uns neben einigen Imbissen getroffen und es war die Woche nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo.

Kennst du die Organisatoren der anderen Städte? Gibt es eine Art Netzwerk und tauscht ihr euch über eure Erfahrungen aus?

Nein. Es gibt auch kein wirkliches Netzwerk. Improv Everywhere behalten ein Auge darauf, dass nur eine Fahrt pro Stadt als „offizielle“ Fahrt stattfindet. Abgesehen von dieser Liste „abgesegneter“ Organisatoren und dem Datum, mischen sie sich nicht weiter ein.

Da Improv Everywhere die Hauptorganisatoren sind, halten sich aber alle an ihre Auslegung der Fahrt. Sprich: keine Politisierung, kommerzielle Nutzung oder dergleichen. Auch der Name für das jeweilige Event wird in etwa vorgegeben. Bei den Details gibt es natürlich kleine Abweichungen von New York.

Habt ihr schon mal Übergriffe auf Teilnehmerinnen erfahren?

Zum Glück nicht. Was leider vorkommt sind Creeps, die filmen. Von denen stammen wohl die vielen Videos bei Youtube. Dummerweise machen die aber nichts Illegales. Daher rufen wir auch alle unserer Teilnehmer auf, dagegen etwas zu tun:

Falls sie merken, dass so etwas passiert, sollen sie Teamplay beweisen und sich vor die Filmenden stellen oder die Person direkt ansprechen. Was teilweise vorkommt sind Sprüche á la „Hast du dich schonmal von hinten gesehen?“ Krasseres ist uns aber noch nicht zu Ohren gekommen.

Was war das lustigste Erlebnis im Rahmen des No Pants Subway Ride Berlin, welches das unangenehmste, das ihr bislang erlebt habt?

Lustig sind die meisten Reaktionen und Erklärungsversuche zu unseren nackten Beinen. Das Schönste war bei meiner ersten Fahrt eine sicherlich 75-jährige Dame, die sich uns in der Oper gewünscht hätte, aus der sie gerade kam. Etwas körperlich Unangenehmes hatten wir noch nicht. Jedoch hatten wir nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo überlegt, ob wir die Fahrt absagen. Zumal zum Zeitpunkt der Fahrt die Gedenkveranstaltungen stattfanden. In dem Jahr hatten wir auch weniger Teilnehmer, als erwartet.

Hast du eine bestimmte No Pants Subway Ride Berlin Unterbutze? Wie sieht die aus?

Nein, habe ich ehrlich nicht. Wobei ich gerade auf der Suche bin. Hast du eine? Die BVG-Kollektion von 2000 ist ja schon eine Weile ausverkauft. War aber auch nicht so dolle.

Wie viele Teilnehmerinnen erwartest du?

Das wird diesmal verdammt schwierig. In den letzten Jahren war es jeweils ein Drittel der Anmeldungen bei Facebook. Aber ich glaube nicht, dass so viele Teilnehmer nach Berlin kommen. Wir rechnen dennoch mit 150 bis 200 Hosenlosen. Es könnten jedoch auch viel mehr werden. New York mit seinen 4000 Teilnehmern werden wir bestimmt nicht toppen.

Wie kann man sich bei euch anmelden? Wie euch kontaktieren?

Anmelden brauchen sich die Teilnehmer nicht. Einzig die Infos sollten gelesen sein, bevor es in die U-Bahn geht. Zu finden sind die auf unseren Blog oder bei Facebook. Dort ließe sich auch auf „Teilnehmen“ klicken, für die, die es möchte. Das gleiche gilt, wenn jemand uns schreiben möchte. Wobei dafür reicht auch eine Mail.