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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Klaas Heufer-Umlauf macht jetzt Late Night – witzig und seriös soll es werden. Sein Debüt feierte er gestern Abend um 23 Uhr auf Prosieben. Das Ergebnis war ein etwas holpriger Einstieg, mit stabilem Mittelteil und solidem Ende. Wie es so lief und welcher alte bekannte Klaas beim Einstand half, erfahrt ihr hier.

Die Anspannung sieht man ihm an. Nach ein wenig Gehopse, Genicke und dem über den Bildschirm fließenden Namen der Show im Vorspann betritt er die Bühne. Der Blick verzieht sich fast ins Gequälte, ein schiefes Lächeln und dann die große Erlösung. Erst mal kräftig ausatmen, »ich spüre den Druck, der auf mir lastet«. Und als müsse dieser Druck erst mal über ein paar lustige Bemerkungen zu Günter Jauch weichen, folgt ein kurzer Gag über Trump und Kim Jong-Un oder das neue Kabinett dem nächsten. Eine musikalische Untermalung hebt dabei einen »sehr, sehr guten Witz« vom normalen ab. Und obwohl Heufer-Umlauf munter vor sich hin witzelt – mal mehr, mal weniger Breitseite – soll es auch seriöse Themen geben. Und Gäste: Anne Will, und Casper ft. AhzumJot zum Beispiel. Kevin Kühnert darf sich lediglich selbst spielen. Trotzdem will man ernst genommen werden: Immerhin gehöre Late Night zu den »Kernkompetenzen« des Deutschen, so Heufer-Umlauf in seiner Sendung.

Gags, Talk und Livemusik

Bevor man sich aber dem vermeintlich trockenen Teil der Show widmet, wird erst ein Mal an »Promi Undercover Boss« und Detlef D. Soost herumgewitzelt und prophylaktisch die »Gag-Vorschau« für die Ereignisse der angebrochenen Woche (fünf Jahre Papst Franziskus im Amt, Pressekonferenz VW, Aktionstag gegen Staudämme, Vereidigung der Bundeskanzlerin, Leipziger Buchmesse) verlesen.

Im Interview mit Anne Will versucht Heufer-Umlauf dann der Journalistin selbst ein paar private Informationen zu entlocken. Mit acht oder neun Jahren wollte sie Schreinerin werden. Dazu lobt sie noch Klaas hübsches Studio. Der Rest ist seichte Unterhaltung: ob Frau Wills Achtung vor Politikern gestiegen oder gesunken sei (gestiegen!) und ob es Antipathien gegen bestimmte Personen, auch in der Talkshow, gebe.

Zum Abschluss dürfen dann auch Casper und AhzumJot auftreten und erlösen die studiointerne Band von ihrer Pflicht, die Show musikalisch zu beenden.

Von Allem ein Bisschen – auch von der »Konkurrenz«

Und wie steht es mit der Konkurrenz zu anderen, ähnlichen Formaten? Die Bezüge zu »Circus HalliGalli« sind unübersehbar. Redaktionsleiter Jakob Lundt, mit einem Keyboard an die Frontlinie der Studioband verbannt, übernimmt Jokos Winterscheidts Rolle. Ein bisschen Gequassel hier und da, mal mitten rein. Es scheint, als brauche Klaas einen Gegenpart, der ihm den Rücken stärkt. Auf Filmchen à la »Circus HalliGalli« kann und möchte man scheinbar auch nicht verzichten. Im Zweiteiler »Laberinth der Macht« erzählen willkürlich aufgeklaubte Bürgerinnen und Bürger im Stil von »Betrunkene schreiben Drehbücher« die Geschichte der 171 Tage bis zur Regierungsfindung – ganz in ihren Worten und Stimmen.

Aus vielen bekannten Late Night Shows ist etwas dabei. Die Band an der Seite erinnert an Stefan Raab, der dazwischenzwitschernden Jakob Lundt hat etwas von der »Heute Show«. Auch die Lachersalve zur Beginn der Show mit anschließendem Gang zum Schreibtisch lässt an Stefan Raab und Jan Böhmermann denken. Letzterer konnte sich nicht verkneifen, in gewohnter Art und Weise zu sticheln. »Warum ich keine Late Night Show im Privatfernsehen moderieren würde? Schon allein wegen dieser nervigen Werbeunterbrechungen«, sagt Böhmermann. »Als Moderator hast du natürlich absolut keinen Einfluss darauf, was da für Werbespots laufen, wer darin auftritt und wofür geworben wird. Ich würde mich niemals so verkaufen. Denn glaubwürdige Satire funktioniert nur ohne Werbung«, so der Satiriker weiter. Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, ploppen verschiedene Werbeschilder für Sixt auf. Den geschickt platzierten Mittelfinger zeigend begrüßt Böhmermann damit seinen neuen Kollegen im neuen Fernsehheim.

Solide Unterhaltung – nicht mehr, aber auch nicht weniger

Es ist nicht schlecht, was Klaas da geplant aus dem Ärmel geschüttelt hat. Es ist nichts wahnsinnig Innovatives, Abgedrehtes oder Ungesehenes. Aber es ist nett anzusehen. Wer sich auf einen neuen, seriöser ausgelegten »Circus HalliGalli« (ohne Joko aber mit Jakob) einlassen will und mit Jan Böhmermann nicht so recht warm wird, der wird hier zufrieden sein. Nicht jeder Lacher zündet, nicht jedes Thema bewegt dramatisch, aber das sei der ersten Folge verziehen. Es bleibt spannend, ob Klaas Heufer-Umlauf es schafft, seine Sendung zu halten oder versumpft – jetzt ist er erst mal da und da darf er auch bleiben.

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