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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Der neueste Stern am Himmel der Startups, von denen niemand je gedacht hätte, dass sie jemals gegründet würden, heißt Ohlala.

Die Seite gibt Frauen die Möglichkeit, sich online für »bezahlte Dates« buchen zu lassen. Gründerin Pia Poppenreiter betont, dass die Beteiligten gänzlich freie Hand bei der Auswahl der Aktivität hätten: Von Abendessen bis Analsex – alles ist möglich. Die Jungunternehmerin, die bereits letztes Jahr mit Peppr die Szene aufwirbelte, warb seinerzeit mit der Möglichkeit zu »niveauvollerer Prostitution«. Auch bei Ohlala stehen Selbständigkeit und Anonymität im Vordergrund, so sind die Servicekosten gering, und wer dein Profil sieht, entscheidest du selbst. Die Seite lädt aufgeklärte Studentinnen ebenso ein wie praktizierende Callgirls und trägt damit lobenswerterweise zur Entkriminalisierung von Sexarbeit bei.

Aber Ohlala reproduziert auch Vorurteile, indem zum Beispiel nur Frauen von Männern gebucht werden können. Das mag eine empirische Realität widerspiegeln, ist aber weit entfernt von einem aufgeklärten Geschlechterverständnis.

Die Vorbereitungstipps für Dates kommen den Flirtratschlägen der Bravo gefährlich nahe und das Team empfiehlt, sich auf jeden Fall zu rasieren, Reizwäsche anzuziehen und sich die Nägel zu machen. Empfohlen wird auch ein sogenannter BUKO (Beischlafutensilienkoffer): Dieser macht deutlich, dass ausschließlich die Frau für ihre Sicherheit und damit auch für die Verhütung zu sorgen hat – schließlich ist sie diejenige, die bezahlt wird.

Sollte bei einem Date einmal »was schieflaufen«, dann solle man einfach einer Freundin Namen und Adresse des Dates senden, und zwar mit der Bitte, das SEK vorbei zu schicken. Eine derart naive Sicherheitspolitik ist wohl der Preis für die Selbständigkeit. Sie macht das Modell aber auch unsicher für Einsteigerinnen.

Rita Jordan