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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Während alle anderen Medien James Francos fiktives Making-Of von »The Room« »The Disaster Artist« besprechen, haben wir uns für euch durch das Original des »Citizen Kane of Bad Movies« gequält. Ein Feuerwerk der Absurdität.

Worum geht’s

Johnny has it all – den gestählten Körper, eine wallende Löwenmähne, lässige Kumpels und Lisa, die beste Freundin von allen. Nur leider hat Lisa die Schnauze voll von Johnny und verführt seinen besten Freund Mark. Das kann natürlich nicht gut ausgehen. The End.

Also fast. Denn dazwischen passieren sehr viel kleine Belanglosigkeiten, die rein gar nichts zu dem Film beitragen: Lisas Mutter hat Brustkrebs, Der Nachbarsjunge Danny ist in Lisa verliebt, dann aber doch nicht, dafür gerät er mit einem Drogendealer aneinander. Johnny wird nicht befördert, sein Freund Mike hat seine Unterhose in Johnnys Apartment verloren und alle Männer in diesem Film spielen ununterbrochen Football.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

The Room ist wie ein Softporno ohne Sex: Eine platte Storyline in der alles aufs Bumsen hinausläuft, doch im entscheidenden Moment abgeblendet wird. Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Tommy Wiseau hat sich mit dem Film selbst ein Denkmal gesetzt. Da dem angehenden Schauspielstar niemand eine Rolle geben wollte, hat er sie sich kurzerhand selbst geschrieben und dabei alles versammelt was einen guten Trash-Film ausmacht: Geschmacklose Filmsets, nuschelnde Schauspieler, schlecht ausgepegelten Sound, simpelste bis weltfremde Dialoge und eine unzusammenhängende Dramaturgie.

Ständig tauchen Figuren auf, die niemals eingeführt werden und vollkommen irrelevant sind. Große Themen werden aufgemacht und danach nie wieder erwähnt. Der verlorenen Boxershorts von Nachbar Mike wird mehr Screentime gewährt, als dem Brustkrebs von Lisas Mutter. Eine redundante Szene reiht sich an die nächste und formt etwas das man mit viel Fantasie einen Film nennen könnte.

The Room 1

The Room ist nicht witzig, sondern einfach nur schlecht. Man lacht, wie man auch lacht, wenn jemand gegen eine Glastür läuft und sich die Nase bricht. Es ist ein Reflex, die einzige spontane Möglichkeit den Schock zu verarbeiten, dem man ausgesetzt ist. Der ganze Film ist ein einziger Unfall.

Manche sehen das allerdings etwas anders. Der Film wurde von Fans zum »Trash Masterpiece« oder auch zum „Citizen Kane of Bad Movies“ erklärt. Und ja: Selten ist jemand authentischer und großflächiger gescheitert, als Tommy Wiseau mit diesem Film.

Was haben wir gelernt?

Lisa doesn’t love Johnny anymore. Wie sie selbst ca. 1000 Mal in diesem Film von nur 90 Minuten versichert.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Tarantino würde ein Revenge-Sequel drehen. Mark als einsamer Wolf macht sich auf, um Johnny zu rächen. Am Ende erhascht er sein Antlitz in einem See und begreift, dass es nur noch einen auf seiner Liste gibt, den es zu erledigen gilt.

The Room 2

Politisch fragwürdigste Szene

Politisch fragwürdig ist hier jede Szene in der Männer über Frauen reden. Eine stößt besonders heraus.

Mark an Johnny: »I don’t get women. They’re either too dumb, too smart or just evil.«

Ist das Trash oder kann das weg?!

The Room ist das Meisterwerk von einem, der große Träume hatte, aber kein Talent. Tommy Wiseau hat sein Herzblut und 6 Millionen Dollar in den Film gesteckt. Das Geld hatte er laut eigener Aussage mit importierten Lederjacken aus Südkorea verdient. Jetzt ist er berühmt: Er hat das geschafft, was er immer wollte, doch ganz anders als gedacht. Das ist die eigentliche Tragödie von The Room.

Andererseits scheint Wiseau nichts zu bereuen. Er selbst sagt: »I’m satisfied with the way The Room turned out, and I don’t want to change anything« und »when people decided ‚The Room‘ be called a phenomenon, or whatever you call it, it’s fine with me.«

Tatsächlich glaubt er sogar, der Film habe die Verbrechensrate in den USA gesenkt.

Wiseau durfte nach dem Desaster namens The Room auch nicht unerkannt in der Versenkung verschwinden. Hollywood-Stars wie Seth Rogen wurden auf den Film aufmerksam, organisierten öffentliche Screenings und machten den Film so zum Kult. James Franco sorgt nun mit seinem Disaster Artist dafür, dass wir die Geschichte von Wiseau nie vergessen werden.

Außer »The Room« gab es in der letzten Woche folgende Themen…

Wir haben ein Herz für das Vabali Spa-Erlebnis.

In der letzten Sneak gab es Romantik mit Monster: »The Shape of Water«

Popo-Schwertern und Maschinengewehr-Brüsten sind bei »Robo Geisha« ganz normal. Ein echter Geheimtipp.

Außerdem: »10 richtig schmutzige Berufe«

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