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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Yvan Attal bringt mit »Le Brio« die Gewinnerin des französischen Filmpreises »César« in der Kategorie Beste Nachwuchsdarstellerin 2018 hervor: Camélia Jordana. Weitere Nominierungen gab es in der Kategorie Bester Film sowie für Daniel Auteuil als bester Hauptdarsteller. Das ergänzt den Titel des Films – der so viel bedeutet wie »Bravour« oder »Talent«.

Kopfhörer auf den lockigen Haaren, Hoodie und Sneaker sind ihre Uniform. Der Weg in den bläulichen Verkehrsmitteln zur edlen Pariser Universität ist weit. Dort angekommen, geht es wie in der Business-Class-Lobby eines Flughafens zu. Allmählich passt Neïla ihren Stil und wilde Mähne an. Aber schafft sie es auch, ihren impulsiven Charakter zu bändigen?

Le Brio / Yvan Attal / Frankreich 2017

Die Story

Neïla Salah (Camélia Jordana) wohnt zwischen Hochhäusern und Kleinkriminellen in einem Pariser Vorort. Sie beginnt, Jura zu studieren. Unter ihren Freunden wird sie als »Superfranzösin« geneckt, in der Universität fällt sie wegen ihres Migrationshintergrundes auf – besonders bei ihrem berüchtigten Professor (Daniel Auteuil). Damit er den Namen der Universität mit seinen öffentlich-rassistischen Bemerkungen nicht weiter in Verruf zieht, soll er Neïla persönlich auf den bevorstehenden Rhetorikwettbewerb vorbereiten.

Und, wie finden wir das?

Die Story ist keine Neuheit. Aus arm wird reich, aus ungebildet gebildet und aus feindselig freundlich. Langweilig anzuschauen ist der Film zwar nicht. Kinematographisch ist er aber nur wenig experimentell, nur durchschnittlich gut gedreht und geschnitten – um ein typisches Massenpublikum anzusprechen. Viele Umstände und Szenen erscheinen eher unrealistisch und übertrieben bei einer flachen und vorhersehbaren Spannungskurve.

SPOILER / Ja, Neïla freundet sich mit ihrem zynischen Mentor an und gibt ihr erlerntes Rhetorikwissen als praktizierende Anwältin weiter. / SPOILER ENDE

Schlechtester Dialog

Im Rahmen einer Rhetoriklektion spricht Neïla eine Dame im Altersheim mehrmals vergeblich an. Schließlich entsteht ein Gespräch:

Neïla: »Haben Sie Kinder? Einen Sohn?«

Ältere Dame: »Ja! Mein Sohn! Den sollen Sie mal gut durchf*cken, du Luder. Hast du kapiert?«

Professor (später): »Sie haben Bekanntschaft mit meiner Mutter gemacht.«

Reaktionen aus dem Publikum

Besonders das respektlose Verhalten des Professors ruft derart herzhaftes Gelächter hervor, dass es schon eher fragwürdig wirkt, seine anmaßenden Sprüche so laut zu unterstützen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Knapp bestanden. Die Protagonistin unterhält sich ein wenig mit ihrer Mutter, Großmutter und Freundin. Alle weiblichen Figuren werden als relativ selbstständig und unabhängig dargestellt.

Fazit

Keine Bereicherung auf künstlerischer oder inhaltlicher Ebene. Die eloquent-unflätigen Ausdrücke des Professors werten den Film dafür humoristisch auf.

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