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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nachdem er im letzten Jahr die 76. Filmfestspiele von Cannes eröffnete, erscheint Hirokazu Koreedas neuester Film nun auch in Deutschland in den Kinos.

Gemeinsam geht es im Auto zu den Dreharbeiten. Ein kurzes Gespräch wird angestrengt, doch endet schnell wieder: »Interessiert mich doch eh nicht«, sagt die Älteste, »ich ertrage nur die Stille nicht.« Die Mittlere hingegen schon. Stille also wieder. Dann zückt die Jüngste ihren Fotoapparat, und für sie lächelt die Älteste nun doch wieder – oder nur für das Foto?

La Vérité /Hirokazu Koreeda /2019/ Frankreich, Japan/106Minuten

Die Story

Die alternde Schauspielerin Fabienne Dangeville (Catherine Deneuve) hat gerade in Paris ihre Memoiren veröffentlicht. Das nimmt ihre Tochter Lumir (Juliette Binoche), eine in New York arbeitende Drehbuchautorin, zum Anlass zusammen mit ihrem ebenfalls schauspielenden Ehemann Hank (Ethan Hawke) sowie der gemeinsamen Tochter Charlotte (Clémentine Grenier) die Mutter zu besuchen. Wirkliche Freude will sich aber nicht einstellen. Die Memoiren der Mutter enthalten einige lügnerische Beschönigungen. So soll die eher kriselnde Familiensituation aufpoliert werden – wie es zu dieser kam, davon handelt der Film.

Und, wie finden wir das?

Die große Stärke des Films ist seine Zurückgenommenheit. Es gibt keinen aggressiv eingestreuten Humor, niemand schreit, die musikalische Begleitung ist eher minimalistisch. Stattdessen wird sich ganz auf das Schauspiel vor allem des weiblichen Personals verlassen. Und das liefert. Eine inhaltliche Stärke zeigt sich am Motiv der Selbstinszenierung. Es zieht sich durch die Handlung des Films. Und bis zum Ende bleibt offen, ob Fabienne es schafft, ihre abzulegen. Trotz vordergründigen Happy End bleibt somit eine Ambivalenz bestehen, die große Katharsis bleibt aus – das ist angenehm.

Schlechtester Dialog

»Ich trinke nicht mehr«, verkündigt Hank beim ersten gemeinsamen Frühstück, nachdem er eben dies den Abend zuvor getan hat. Die Reaktion? »Warum, aus Aberglaube?« Nicht der taktvollste Kommentar, wenn wir später den wahren Grund erfahren.

Äh, und der Bechdel-Test

Bereits in den ersten Szenen bestanden. Die weibliche Familie in drei Generationen und deren Gespräche tragen eindeutig den Film.

Fazit

»La Vérité – Leben und lügen lassen« funktioniert durch den ruhigen und unaufgeregten Rahmen, welcher den Schauspieler*innen geboten und von diesen erfolgreich gefüllt wird. Die Story selber wird dabei eher hinten angestellt und bietet auch nichts wirklich Neues.

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