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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Wie fühlt sich Existenz an, wenn man sie hinterfragt? Kind Kaputt vertonen die Ängste, Sorgen und Hoffnungen der Generation Y in brachialem und hymnischem Post-Hardcore. Christian Wollart hat mit Conna, dem Gitarristen der Band, über seine musikalischen Einflüsse gesprochen.

Kind Kaputt aus Mannheim, Leipzig und Nürnberg machte bereits letztes Jahr mit ihrer EP »Die Meinung der Einzelnen« auf sich aufmerksam. Ihr nun erschienenes Debütalbum »Zerfall« dürfte aber vielen 18 bis 28-jährigen aus der Seele sprechen, die sich in einen Haufen aus Scherben hineingeboren fühlen. Fernab von Weltschmerz und Teenage Angst erzählt Gitarrist Conna von den musikalischen Einflüssen, die ihn am meisten geprägt haben.

Conna
Conna, der Gitarrist von Kind Kaputt

Der erste Song, den ich bewusst gehört habe

Eine meiner frühsten Erinnerungen ans Musik-Hören stammt aus der Zeit, in der mein Dad und ich in unserem ollen Renault 19 durch die Gegend gekurvt sind. So schrottig dieses Auto auch gewesen sein mag – es hatte seine Vorzüge: Im Radio lag nämlich immer eine Paul McCartney Kassette. Einer der ersten Songs, an die ich mich bewusst erinnere, ist daher »Band On The Run« von Paul McCartney & the Wings. Damals wie heute ist das einfach eine sehr starke Nummer.

Der Song, der mich an meine Schulzeit erinnert

Trotz guter musikalischer Vorerziehung durch Paul McCartney bin ich Anfang der Mittelstufe in den US-Gangster-Rap abgedriftet. 50 Cent, The Game und G-Unit gehörten zu meinem Alltag. Klar, was ist mehr Gangster als die fünfte Klasse des Gymnasiums in Eschwege zu besuchen.

Jedenfalls erinnere ich mich noch daran vor der Klassenfahrt ein paar Tracks vom PC meiner großen Schwester auf meinen MP3-Player gezogen zu haben, unter anderem »In the End« von Linkin Park. Ich habe den Song bestimmt 300 mal innerhalb dieser einwöchigen Klassenfahrt gehört. Wenn ich ihn heute höre, fühle ich mich direkt wieder nach Pellworm und in meine Schulzeit zurück katapultiert. Durch Linkin Park fing ich dann auch an, mich für Gitarren-Musik zu interessieren.

Der erste Protest-Song, den ich kannte

Das klingt jetzt sehr Klischee-belastet, aber tatsächlich war es »Rebell« von den Ärzten. Ich fand den Song damals zwar ganz cool, aber irgendwie konnte ich mit deutschsprachiger Rock-Musik nicht so viel anfangen. Schon witzig, dass ich jetzt bei Kind Kaputt spiele. »Zeiten ändern dich« und so. Jedenfalls finde ich »Rebell« heute noch cooler als damals.

Der Song, der mich zum Weinen bringt

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich bin nicht allzu nah am Wasser gebaut. Dennoch ergreifen mich viele Songs emotional. Am heftigsten drückten mir zuletzt zwei Songs aus Marcus Wiebusch’s Feder auf die Tränendrüse. Zum einen »Sommer ’89« von seiner Band Kettcar und zum anderen »Der Tag wird kommen« von seiner Solo-Platte. Sehr starke und emotionale Songs.

Der Song, den ich gerne selber geschrieben hätte

»Words in the Water« von Thrice ist mehr als nur ein sehr schöner Song: Es ist ein Meisterwerk! Bei dem Track stimmt einfach alles. Sei es das Gitarren-Picking in der Strophe oder die Refrain Akkorde. An dem Entstehungsprozess wäre ich gerne beteiligt gewesen.

Der Song von euch, auf den du am meisten stolz bist

Für mich ist »Akzeptieren« einer der krassesten Songs, die wir bisher geschrieben haben. Ich erinnere mich noch an die ersten Sessions, in denen wir den Beat und das Picking ausgearbeitet haben. Was am Ende daraus werden würde, hätte ich damals nicht gedacht. Obwohl ich den Song selbst mitgeschrieben habe, ergreift er mich jedes Mal aufs Neue. Die Tatsache, dass es vielen meiner Freunde genauso geht, macht mich sehr stolz.

Der Song, der mich wütend macht

Es fällt mir nicht leicht diese Frage zu beantworten, ohne dabei sehr sehr gemeine Sachen zu sagen. Ich versuche mich kurz zu halten. Letzten Sommer wollte ich das Experiment wagen, im Auto ausnahmsweise Radio zu hören. Es lief »Chöre« von Mark Forster. Seit dem höre ich kein Radio mehr.

Der Song, den ich am liebsten live spiele

Gitarren-technisch macht mir »Geisel« sehr viel Bock. Ich mag das Riff, ich mag die Chords und die Bridge macht auch Spaß zu spielen.

Der Song, der mich aufbaut, wenn ich down bin

Es kommt ganz darauf an, auf welche Weise ich down bin. Emotional finde ich oft Halt in »Von allem« von Heisskalt. Allerdings ist es dann eher eine schöne Art der Melancholie. Wenn ich einfach stumpf gute Laune haben möchte, höre ich mir »Wochenende« von den Laserboys, »Nullkommaneun« von SSIO oder irgendwas von Deichkind an. Die machen einfach Bock!

Der Song, der auf meiner Beerdigung laufen soll

Das ist eine sehr schwierige Frage. Dieser Song wäre dann bei allen Anwesenden für immer hart gebrandmarkt. Ich könnte damit einen kleinen Beitrag zur Musik-Erziehung leisten und »Chöre« spielen, damit den auch wirklich jeder scheiße findet. Aber tatsächlich würde ich mich wahrscheinlich für »Beggars« von Thrice entscheiden. Ich finde der Song hat eine passende Botschaft für so einen Anlass.

 

Kind Kaputt Live:
09.05. Nürnberg – Luise The Cultfactory
10.05. Darmstadt – Oettinger Villa
12.05. Saarbrücken – Garage
15.05. Berlin – Cassiopeia
16.05. Hamburg – Astra Stube
17.05. Oldenburg – Umbaubar
18.05. Rostock – Peter Weiss Haus
19.05 Jena – Cafe Wagner
22.05. Frankfurt – Ponyhof
24.05. Köln – Stereo Wonderland
26.05. Kassel – K19