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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Ein Herz auf Prodigy von Mobb Deep, einen der größeren Rapper der 90er. Denn realer wurde es später kaum mehr. „I’m only 19 but my mind ist older/when things get for real, my warm heart turns cold“.

Es war der Sommer im Jahr 1995 und aus allen Autos kam entweder „Ice Cream“ von Wu-Tangs Raekwon oder „Shook Ones“ von Mobb Deep. Prodigy, der zusammen mit Havoc Mobb Deep formte, war einer der Protagonisten dieses musikalischen Sommers in den afroamerikanischen Vierteln New Yorks. Gestern ist er gestorben. Er wurde nicht erschossen, keine Überdosis oder so, er war einfach lange schon chronisch krank.
Mobb Deep waren die Könige des New Yorker Raps. Als sich N.W.A. in Kalifornien schon lange über ihrem Erfolg zerfleischt hatten, blühte der asoziale Hardcore oder Mafioso Rap im Osten auf. Während es im Westen immer poppiger wurde und Tupac Shakur seine Backgroundsängerinnen auf die Bühne holte, hielten Mobb Deep und andere im Osten die Realness im Rap. „Rock you in your face, stab your brain with your nose bone/You’re all alone in the streets, cousin“

Fuck Mobb Deep! Fuck Biggie! (Tupac, Pophure, tot)

Mit Mobb Deep wollte man sich nicht anlegen. Kleine, 19-jährige Straßengangster, die einen Fick auf dich und dein Leben geben. Zumindest in ihrer Musik. Wahrscheinlich waren die beiden eigentlich ganz nette Kerle, denen ihre Kunst viel bedeutete. Denn wie N.W.A. vor ihnen sprachen sie die raue Realität für die unterdrückten afroamerikanischen Massen in den Oststaaten an – und sie benannten die Brutalität auf den Straßen so wie sie war – und ist.
Dass Tupac im Rahmen seines Beefs mit der Ostküsten-Hip-Hop-Szene um Biggie auch Mobb Deep beleidigte, belegt nur, wie viel geiler und relevanter Mobb Deep im Gegensatz zum Kommerzkram von Tupac waren. Prodigy ist nun also tot. Tupac aber auch. Und Biggie. Und viel von dem, was Hip Hop in den USA einmal relevant sein ließ. Dieses Herz geht also an Prodigy (RIP) und all das, was Hip Hop nicht mehr ist.