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von und für Zaubernde

Wieder mal missbrauchen die Rechten den Feminismus. Eigentlich keine erstaunlichen News. Der angebliche Ausländer, der »unsere« Frauen angrabscht, vergewaltigt, umbringt, auffrisst –  kann hier bitte mal einer an die Kinder denken? – ja, den kennen wir schon.

Neu an diesem ausgelutschten Kaugummi ist aber eins: Jetzt sind die Identitären involviert. Und damit keine älteren PEGIDA-Herren, die zwar unglücklicherweise schon genug Aufmerksamkeit bekommen, im Allgemeinen (also außerhalb von Cottbus), aber doch nur ein paar arme Hänsleins sind.

Denn diese Kids, die sich selbst als »Töchter Europas« bezeichnen (man stelle sie sich bitte flaggeschwenkend und reitend auf Stieren vor) glauben jetzt, endlich zurückschlagen zu müssen. Als geplante Gegenwehr zur #MeToo-Bewegung und als neurechte Variante der Aufschrei-Kampagne. #120db nennt sich der Spaß, der seit einer Woche heiß geklickt wird. Wobei: Bei Twitter hat die Kampagne schwache 2.471 Follower – vernünftige Seiten wie Pro Asyl haben 28.457. Der Hashtag wird trotzdem noch genutzt, um verschiedensten Unrat zu verbreiten.

„Weil ihr uns nicht beschützt“

Martin Sellner, Tochter Europas und Lichtgestalt der Identitären Bewegung, hat die Website dazu angemeldet. Der Martin ist einer der österreichischen Identitären, der seine Kontakte nach Deutschland hegt und pflegt. Außerdem tut er gerne auf modern und hört auch Hip Hop, wenn er nicht gerade hetzt oder Heidegger und Carl Schmitt liest.

Auf der Website von der 120db-Kampe findet sich ein Video. Traurige Klaviermusik untermalt die Szenerie, junge Frauen sprechen mit Pathos in ihre Webcams. Sie beklagen, dass sie sich seit dem Beziehungsmord in Kandel nicht mehr sicher fühlen – weil Deutschland, Merkel, Flüchtlinge und insgesamt. Daher auch der Hashtag, denn 120 Dezibel sei die Lautstärke eines handelsüblichen Taschenalarms. Bei den Reaktionen auf Twitter ist von geschmacklos bis obszön alles dabei:

oder auch:

Spannend ist auch die Reaktion von Martin & seinen Girls auf etwaige Kritik wie sie zum Beispiel vom Faktenfinder der Tagesschau kam. Dort wurde richtig gestellt, dass der Großteil aller sexuellen Übergriffe nach wie vor im häuslichen Umfeld stattfindet. Nicht nachts im Park, wo der dunkelhäutige Triebtäter mit Schaum vorm Mund im Gebüsch lauert. Leider kann man sich eine Abkehr von solchen rassistischen Stereotypen im »Identitären« Denken nur schwer vorstellen.

Doch dann ruderten sie zurück: Sie wären einfach falsch verstanden worden. Fälle von häuslicher Gewalt habe man nicht ausschließen, sondern sich sich nur »anders« konzentrieren wollen. Die »Lügenpresse« wieder (ach ne, »Lückenpresse« sagt man jetzt lieber in braun-blauen Kreisen).

Bleibt nur zu hoffen, dass die Tröpfe schnell wieder in ihr Sumpfloch verschwinden. Oder wir einfach mal lauter sind. Margarete Stokowski hat es auf Spiegel Online auf den Punkt gebracht: »Wer rechts ist, kann kein Feminist sein – so viel Grenze muss sein.«

Außer »#120db« gab es in der letzten Woche folgende Themen…

In der Sneak wurde es kalt und grausam. »Wind River«

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