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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Regisseur Clint Eastwood bleibt seiner aktuellen Linie treu und präsentiert nach »15:17 to Paris« die weitere Dramatisierung eines real geschehenen Heldentums rund um einen Terroranschlag.

Angespannt unterhalten sich Jewell und sein Anwalt, während das FBI Jewells Haus durchsucht. Sie hatten doch vorher besprochen, was er nicht tun soll: Reden. Und was hat er getan? Er hat geredet. Er will nur helfen. Doch so einfach ist das nicht.

Richard Jewell/Clint Eastwood/USA/2019/129 Minuten

Die Story

Eigentlich will Richard Jewell (Paul Walter Hauser) ja nur Polizist sein. Doch nachdem er dort rausgeflogen ist, muss er sich nun als privater Sicherheitsmann verdingen.

Als solcher entdeckt er bei einem Konzert im Rahmen der olympischen Spiele 1996 in Atlanta eine Rohrbombe und schafft es, durch seine konsequente Warnung einige Menschenleben zu retten.

Zunächst als Held gefeiert wendet sich aber bald das Blatt, als er von den Medien, verkörpert durch die Journalistin Kathy Scruggs (Olivia Wilde), und dem FBI in Gestalt von Agent Tom Shaw (Jon Hamm) beschuldigt wird, selbst die Bombe gelegt zu haben, um den Ruhm der Entdeckung zu ernten.

Gemeinsam mit seiner Mutter Bobi (Kathy Bates) und dem Anwalt Watson Bryant (Sam Rockwell) heißt es nun, seinen Namen reinzuwaschen und zurückzuschlagen.

Und, wie finden wir das?

Zunächst ist der Film aufregend. Dafür sorgen ein gelungenes Schauspiel, realistische Dialoge und in der Konzertszene eine unglaublich intensive, greifbare Spannung (zumindest für mich, der vorher nicht wusste, was er hier eigentlich guckt).

Im weiteren Verlauf beginnt die Qualität allerdings merklich abzufallen. Der Film bedient zu viele Klischees und prügelt zunehmend mit dem Pathoshammer auf die Zuschauer*innen ein. Das wirkt teilweise albern.

Mit etwas mehr Subtilität und Feingefühl wäre die Kritik an der unsauberen Medien- und Polizeiarbeit vielleicht ernst zu nehmen gewesen – so hingegen verliert sich die Wirkung in plattitüdenhaften Szenen.

Schlechtester Dialog

“I should get my tits done. What do you think, double-D?”, fragt die Reporterin.

Reaktionen aus dem Publikum

Der mitunter gelungene Humor scheint gut anzukommen, und an mehreren Stellen stöhnen die Zuschauer gemeinsam über das naiv-tapsige Verhalten von Jewell.

Äh, und der Bechdel-Test

Nicht bestanden. Abgesehen von der schon angedeuteten unvorteilhaften Darstellung von Scruggs, die für Missgunst sorgt, reden die wenigen weiblichen Charaktere, hauptsächlich Mutti Bobi und Bryants Frau Nadya (Nina Arianda), praktisch nur mit den Männern und nicht einander.

Fazit

»Richard Jewell« beginnt stark und einnehmend, wird dann aber zunehmend seicht und pathetisch. Da kann das starke Schauspiel leider auch nichts mehr rausholen.

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