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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Mit einem Mal setzt Atlas sich in Bewegung. Klackend stellt er einen Fuß vor den anderen. Ein monotones Surren begleitet jeden seiner Schritte. Zielsicher öffnet der Roboter Atlas die Glastür und stakst hinaus in die verschneiten Wälder Massachusetts. Der vereiste Boden macht ihm sichtlich zu schaffen – an einem kleinen Abhang torkelt er wie eine Betrunkene. Trotzdem gelingt es ihm, das Gleichgewicht zu halten; unbeirrt setzt Atlas seinen Weg fort.

Die Szene stammt nicht aus einem Science-Fiction-Blockbuster, sondern aus einem Werbevideo. Darin demonstrieren die Mitarbeiterinnen von Boston Dynamics, wozu ihre neueste Entwicklung namens Atlas Next Generation in der Lage ist.

Der humanoide Roboter mit dem formschönen metallischen Body soll dort eingesetzt werden, wo Menschen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Nach einem GAU könnte er etwa einen Atomreaktor flicken. Die Mensch-Maschine wäre überhaupt eine perfekte Katastrophenhelferin.

Roboter Atlas kann nicht alles, aber viel

Leider steht hier noch ein Konjunktiv. Denn noch werden diese unter gewöhnlichen Menschen rekrutiert, etwa bei der Atomkatastrophe von Fukushima. Die Folgen sind fatal. Abseits von Katastrophenszenarien räumt der hochmoderne und vollkommen kabellose Roboter Atlas kleine Pakete in Regale ein, wie in dem Video ebenfalls zu sehen ist.

Der Humanoid könnte also auch den langweiligen Alltag erleichtern. Schließlich warten auch hier regelmäßig größte Herausforderungen: Aufräumen etwa, oder Einkaufstüten in den vierten Stock schleppen. Fragt sich nur, ob der Alltag dann nicht noch langweiliger wäre. Außerdem wissen wir ja alle: »Jeder Gang macht schlank.«

Was hingegen nicht alle wissen: Atlas ist indirekt auch ein Forschungsprojekt des amerikanischen Militärs. Wir wollen hier nun nicht in wilde Spekulationen verfallen – aber: Einkaufen gehen kann das US-Militär schon allein.