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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Die eingewanderte Klugscheißerin. Der Waschbär.

Eigentlich ist unser Titeltier Amerikanerin.Von dort kam sie nämlich vor über 60 Jahren zu uns nach Europa. Die Menschen fanden sie einfach viel zu süß, nahmen sie mit und ließen sie dann ausbüchsen. Denn die Waschbärin ist nicht nur goldig anzusehen, sondern auch ganz schön gerissen. Und super sozial sind die Waschbärinnen auch noch.

Die weiblichen Exemplare teilen sich ihr Revier und auch Rüden durchstreifen ihre Hood oftmals in Vierertrupps. In ganz lockerer Atmosphäre, versteht sich; ohne Knarre im Hosenbund. Wenn mal was passiert – und das mag durchaus mal vorkommen – dann supporten sie sich gegenseitig. So stellt die Waschbärengang einer fremden Waschbärin, die sich in eine Straße verirrt, in der sie nichts verloren hat, geschlossen kalt: »‘Cause when I come back, boy, I’m coming straight outta …« Während der Erziehung ihrer herzigen Jungen gehen Waschbärinnen den Rüden daher lieber aus dem Weg. Denn die Männchen können schon gegenüber kleinen, süßen Waschbärkiddies, die nicht von ihnen selbst stammen, ziemlich grob werden. Vielleicht doch nicht so schlau, die Bärchen.

Doch abgesehen von eher seltenen Konfrontationen verstehen sich die unterschiedlichen Gangs recht gut. In Form von Duftmarken hinterlassen sie an besonders futterreichen Plätzen Nachrichten für ihre Kolleginnen, zum Beispiel im Hinterhof von Kaisers. Dank ihrer guten Nase und ihrer blitzgescheiten Art finden sie solch nahrungsreiche Plätze schneller als die fleißigsten Container-Aktivistinnen. Auch zum gemeinsamen Essen findet sich gelegentlich Zeit.

Zum Schluss noch ein Rätsel: Was sind die beiden häufigsten Todesursachen bei diesen süßen Rackerinnen? Autounfall und Schussverletzung. Also, Büchse weg und den Fuß vom Gaspedal!

David Bäuerle