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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht! 1971 ist die Welt in Bewegung: Studierendenproteste, Black Panther, sexuelle Revolution. Der Film „Die göttliche Ordnung“ feiert die Kämpfe von damals – die bis heute andauern.

Revolution liegt in der Luft. Revolte gegen die bestehende Ordnung, mit brennenden Barrikaden und freier Liebe. Doch in einem kleinen namenlosen Dorf in der Schweiz scheint die Zeit still zu stehen. Die Frauen hier haben sich scheinbar damit abgefunden für Haus, Kinder und Herd verantwortlich zu sein. Die Männer dominieren als Patriarchen Haus und Hof. Doch unter der Oberfläche brodelt es.

Worum es geht

Nora (Marie Leuenberger) möchte arbeiten, aber ihr Mann Hans (Maximilian Simonischek) verbietet es ihr. Das Schweizer Eherecht steht auf seiner Seite. Ihrer Nichte Hanna (Ella Rumpf) ergeht es nicht besser. Ihre Eltern stempeln sie als „Dorfmatratze“ ab und verbannen sie ins Erziehungsheim. Nach einem Ausbruchsversuch landet sie im Frauengefängnis.

Als Nora sich in der Frage ums Frauenwahlrecht, über das abgestimmt werden soll (natürlich nur von den Männern), klar positioniert, wird es kämpferisch in dem Ort. Der unechte Konsens gerät ins Wanken und Nora und ihre Kampfgefährtinnen schaffen es, Widerstand zu mobilisieren. Bald wird klar, dass die politische Ausgrenzung und Unterdrückung der Frau doch nicht zur ewigen unabänderlichen „göttlichen Ordnung“ gehört, wie es sich manche im Ort wünschen.

Die Kämpfe von gestern und heute

Welcher „Plan“ sich historisch – zumindest im Bezug aufs Frauenstimmrecht – letztlich durchsetzte, ist bekannt. Ebenso, dass sich die Verfassungs- und Gesetzesänderungen zu Gleichbehandlung und Frauenstimmrecht in der Schweiz vergleichsweise spät durchsetzten. Die Schweiz war das letzte Land in Europa, das seinen Frauen die Mitbestimmung im Staate verwehrte.

Tatsächlich dauerte es bis 1990, bis das Frauenstimmrecht in allen Kantonen eingeführt wurde. Die Gegner der Änderungen argumentierten das Wahlrecht von Frauen sei eine „unschweizerische Idee“ aus dem Ausland. Zumal die Frauen selbst nicht an dem Stimmrecht interessiert seien und sie ihre Meinungen indirekt über ihre Männer vermitteln könnten. Und noch besser: Durch die Bevölkerungsmehrheit an Frauen in der Schweiz würden die Männer diskriminiert werden.

In Deutschland gibt es das Frauenwahlrecht seit 1918. Es wurde von Frauenverbänden mit der Unterstützung der Sozialdemokratie erstritten. Die Kämpfe gehen weiter: In Saudi-Arabien hatten Frauen 2015 das erste Mal ein aktives und passives Wahlrecht zur Kommunalwahl. Viele Frauen verfügen allerdings über keinen Personalausweis und dürfen deswegen nicht wählen gehen.

The Struggle Continues

Petra Biondina Volpes Filmdrama führt die Bedeutung der Kämpfe der frühen 70er und die Tragweite der errungenen Siege vor Augen. Sowohl im privaten, als auch im politischen – wobei sie zeigt, wie sehr diese Bereiche zusammenhängen. Bleibt zu hoffen, dass die schicksalhafte „göttliche Ordnung“ auch in Zukunft immer wieder herausgefordert wird. Besonders dort, wo sie sich als „alternativlos“ präsentiert.

„Die göttliche Ordnung“ wurde von der Schweiz als Nominierungskanditat für die Oscarverleihung 2018 eingereicht. Beim Schweizer Filmpreis 2017 gab es schon einige Auszeichnungen, unter anderem für das beste Drehbuch.

„Die göttliche Ordnung“ (2017), seit dem 01.12.2017 auf DVD

In dieser Woche gab’s ein Herz für Fr. Schneider, „Madame“ in der Sneak, Tom Kraftwerks Buch wurde vorgestellt. Zudem waren „Der Teufel Rudow“ und Glyphosat ein großes Thema.

 

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