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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Ich habe keine Lust mir über Julia Engelmanns „Poesiealbum“ das Maul zu zerreißen.

Ihre Lieder sind billig, ihre Botschaft konstruiert natürlich und ihr selbstgewählter Titel als „Vollzeitpoetin“ ziemlich anmaßend. Aber derjenige, der sich noch nie voller ironischer Inbrunst zu „Trash-Musik“ einen Gin Tonic über die Hose gekippt hat, der werfe den ersten Stein. Jaja, zu Engelmann grooved es sich nicht wie zu den Vengaboys. Und die Vengaboys verkaufen ihre Lieder auch nicht mit der Prämisse, dem Hörer damit häppchenweise Weisheit in die Ohren zu tröpfeln.

In der Sneak: Suburbicon

Der hämische Metaphern-Strudel vieler Online-Medien kommt trotzdem nicht origineller daher als Engelmanns Lari-Fari-Philosophie. Überall blutende Ohren, dramatische Aufschreie, zittriges Kettenrauchen. Weil YOLO. Um Gottes Willen nicht Julia Engelmanns YOLO. Ein reales YOLO, das YOLO „unserer Generation“ (aah, VICE.) Weil wir jungen Hüpfer ja alle genau wissen, dass hinter Engelmanns Wohlfühlpop frostiger Kapitalismus lauert. Weil „wir“ so eine Scheiße nicht kaufen. „Die“ vielleicht. Aber niemals „wir“.

Ein Herz für Retro-Nazis

Es geht mir nicht darum, Engelmanns musikalische und literarische Präsenz zu legitimieren. Aber: Musik-Kritiken können mehr sein als ein Schwanzvergleich kultureller Standards. Natürlich schreibt sich so ein Bashing-Artikel wie geschnittene Avocado-Panini. Ein paar derart platte, popkulturelle Referenzen, ein bisschen kollektives Trösten und am Ende wird nochmal kräftig auf den Artikel gekotzt. Clickbait und Wohlfühl-Intellektualismus. Klingt verdächtig nach…

Ergo: Man soll die akustischen Schandtaten einer knuddeligen 25-Jährigen einfach unkommentiert lassen? Nöö. Dazu sind Bashing-Artikel meistens viel zu unterhaltsam, wordgewandt und primitiv gemein. Aber, lieber Vice-Redakteur, wenn du schon Julia Engelmanns Originalität kritisierst, pack dir bitte auch an die eigene Nase.

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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