Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Der 4,0-Award für die schlechteste Hausarbeit ist vorbei. Die drei Gewinner:innen stehen fest. Wir gratulieren ganz herzlich und wollen euch an den Kunstwerken natürlich teilhaben lassen.

Platz 1, die schlechteste Hausarbeit: Alina Gensecke

Der 1. Platz unseres 4,0-Awards geht an ein Term Paper mit dem Titel: “Marriage in Georg Eliots Middlemarch- The individual fight for the preservation of the marriage of Casaubon, and Dorothea poisons their relationship, and themselves.” von Alina Gensecke, die an der Georg-August-Universität Göttingen im siebten Semester auf Lehramt studiert.

“Nichts signalisiert besser, dass man keinen Fick auf seine Hausarbeit in der englischen Literaturwissenschaft gibt, als schon im Titel den Namen der Autorin falsch zu schreiben” kann Lukas Diestel von Worst of Chefkochschon festhalten ohne weiter in den Text abtauchen zu müssen.

Und auch Leona Sedlaczek von DER ALBRECHT hängt sich erstmal am Titel auf:
“Nachdem ich eine halbe Minute auf diese Worte starrte, verstand ich, dass nicht Dorothea etwa alles und jeden vergiftete, sondern die Heirat zwischen ihr und Causabon deren Beziehung. Kommasetzung rettet Leben, people!”

Alina selbst redet in der Einleitung sehr offen über ihre Probleme mit der Lektüre:

“While reading Middlemarch by George Eliot I kept asking myself many questions, such as ‘Who is this again?’, and ‘Wait, what just happened?’ I remember that I needed a break from reading after finding out that Dorothea agreed to marry Casaubon instead of Lydgate.”

“Starke Ich-Erzählfigur”

sagt Journalist Ali Can bloß. Doch genau dieses drollig subjektive Empfinden und das starke Besorgnis um die Charaktere des viktorianischen Romans hat uns Alina sofort ins Herz schließen lassen und grenzt ihre Hausarbeit von den anderen und dem wissenschaftlichen Arbeiten im Allgemeinen ab.

Ariana Baborie resümiert:

“Die auf englisch verfasste Arbeit ist insgesamt gut recherchiert und bietet sehr aufschlussreiche Fakten zu Problemlösung in Paarbeziehungen, zur Geschichte der Scheidung und Stressbewältigung im Allgemeinen.”

Lea Joy Friedel, Berliner Vorsitzende der PARTEI, hat Alinas Arbeitsweise durchschaut:

“Man kaufe sich eine Psychology Today und das reicht als Quelle.”

Ein besonderes Schmankerl ist, dass Alina uns eine kommentierte Version mit den Anmerkungen ihrer Dozentin hat zukommen lassen. Tonja Dingerdissen von UNIKAT fühlt mit der Frau:

“Die Dozentin war ganz offenbar ebenfalls völlig überrumpelt von diesem kreativen Ansatz, die Beziehungsprobleme zweier literarischer Gestalten zu analysieren und verbessern zu wollen, denn sie fragte in ihrer Korrektur interessiert nach, wie sich die Autorin vorstelle, die beiden persönlich voneinander zu scheiden. An einigen Stellen scheinen ihr dann einfach die Worte zu fehlen und sie beschränkt sich auf eine eindeutig verständnislose Aneinanderreihung von Satzzeichen.”

Wir verbeugen uns tief vor Alinas Mut zur Distanz zum Primärtext, lieben ihr Einfühlungsvermögen und sind uns sicher, dass sie als Paartherapeutin eine goldene Zukunft vor sich hat! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu 500 Euro Preisgeld und ewigem Quelle-Ruhm! 

Platz zwei, die zweitschlechteste Hausarbeit: Ivana Mitrić

Hierbei geht es um “Eine vergleichende Analyse des Films „Shining“ (1980) von Stanley Kubrick in seiner Original und deutscher Synchronfassung”. Da das aber nicht mystisch genug klingt, betitelt Ivana Mitrić von der Goethe-Universität Frankfurt ihre Arbeit zusätzlich noch mit “Overlook Hotel – Willkomen im Hotel Übersehen (und Überhören)”.

Damit weiß man schon fast, woran man bei Ivana ist. Die Frau ist eine Göttin der verschwurbelten Metaphern!

 

Auch Leona Sedlaczek von der Kieler Studierendenzeitung „DER ALBRECHT” ist begeistert:

“Welch Feuerwerk der Schreibekunst! Ivana analysiert den Klassiker „The Shining“ versus seine deutschen Untertitel und füttert das Phrasenschwein bis es fast brechen will.”

Ein Beispiel:

“Die Übersetzer hatten gelegentlich zu lockere Handgelenke beim Gießen des Weichspülers in die Translationsmaschine.” Ehrfürchtiges Schweigen.

Auch der linksextreme Felix Rambo Ramon Rainer findet:

“Eine gute Arbeit mit fast schon dichterischen Assoziationsketten!”

Dabei geht es doch schlichtweg um den Fakt, dass die deutsche Synchronisation von fremdsprachigen Filmen anders ist als der O-Ton.

 

Patrick Scheuermann von der Marburger Studizeitung „PHILIPP” findet für dieses Phänomen treffende Worte:

„Ich schaue Filme nur in der Original-Fassung, die deutsche Synchro macht die ganze Bedeutung kaputt“. Wir alle haben dieses Arschloch im Freundeskreis. Dank Ivana Mitrić ist dieses Arschloch nun eine komplette Hausarbeit geworden.”

 

Auch Influencer Tom Kraftwerk lässt sich von Ivanas Kreativität anstecken:

„Ähnlich wie der von Jack Nickelson gespielte Hauptcharakter verliert man von Seite zu Seite weiterhin den Verstand und das Verständnis für die Realität. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Arbeit in einem vereinsamten Hotel geschrieben wurde und die Autorin immer wieder Pausen einlegen musste, um die Wände mit roter Farbe vollzuschreiben, bevor sie letztlich ihre Familie mit einer Axt… Okay, zurück zur wissenschaftlichen Objektivität.”

 

Am Ende der Arbeit steht das kryptische Fazit der Autorin:

“Die (auch lautes-Kauen freundliche) Untertitelung ist jedoch nur meine persönliche bevorzugte Form von Filmrezeption, und zwar infolge einer fremdsprachigen kinematografischen Erziehung mit aus- schließlich okulären Exkursionen in die unteren Bereiche.”

 

Danke Ivana! Wir sind nach dieser Lektüre so ratlos wie erleuchtet und hoffen, dass du die Finger von Hausarbeiten lässt und stattdessen dein Glück in der ZurQuelle-Redaktion versuchst!

Platz 3, die drittschlechteste Hausarbeit: Ziwei Cai

Der dritte Platz geht an eine Hausarbeit mit grünem Daumen: „Anpassungen der Pflanzen an saisonale Trockenheit“ von Ziwei Cai von der RWTH Aachen University.

Ziwei, der sich selbst “Tsunami” nennt, fasst das Thema in der Hausarbeit folgendermaßen zusammen:

“Die Hausarbeit des Seminars befasst sich mit dem Thema Anpassungen der Pflanzen an die saisonale Trockenheit. Trotz der Klimaextreme und verschiedenen Lebensbedingungen leben in der Erde fast jeden Standort Pflanzen. Jede Pflanzenart muss die Lebensstrategien sich entwickeln, um sich in den verschiedenen Umweltstress zu überleben. Welche Anpassungen von Pflanzen gibt es und was ist die Bedeutung davon?”

Ariana Baborie, Botanikexpertin, möchte dieses hochkomplexe Thema auch dem Laien verständlich machen und fasst die Arbeit zusammen:

„Irgendwas mit Pflanzen und Wasser und wenig Wasser“

“Zur Minimierung des Wasserverlusts bzw. Wasserverbrauchs haben die Pflanzen die Strategie entwickelt, indem während saisonale Trockenperioden mit schlechter Wasserverfügbarkeit keine oder weniger Transpirationsfläche ist.”

Baborie ergänzt:

“Man muss die Arbeit in dreifach verlangsamter Geschwindigkeit lesen, um den Sinn der Sätze zu begreifen. Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik und der Rechtschreibung wurden hier nämlich etwas überreizt – um nicht zu sagen, nicht beachtet.”

Zum Glück sind innere Werte mittlerweile total out. Beim Tindern geht es schließlich auch nur um Looks.

Tonja Dingerdissen stimmt zu:

“Die Arbeit hält – wenn man sich in Bezug auf Grammatik und Rechtschreibung auf irgendetwas unter dem SMS-Schreibstil eines zweijährigen Kindes eingestellt hat – Highlights bereit, wie die romantisch-liebevolle Beschreibung von Blattbehaarung und schöne große Bilder!”

“Zusammenfassend kann man entnehmen, dass die oben genannten Anpassungen den Pflanzen hilfen, sich besser in den eingeschränkten Lebensbedingungen anzupassen. Laut der Evolutionstheorie von Darwin „Survival of the fittest“, beschreibt es aber die natürliche Selektion – höhere Überlebenschancen können nur durch bessere Anpassungen verwirklicht werden. Die alle entwickelten Strategie sind die positiven Folgen der Evolution.”

Worst of Chefkoch-Erfinder und Nicht-Naturwissenschaftler Lukas Diestel zieht ein abschließendes Fazit:

“Ich bin kein Naturwissenschaftler, aber ein persönliches Blog über Ferienhäuser auf der Kykladeninsel Naxos kommt mir nicht wie eine sonderlich wissenschaftliche Quelle vor. Diese Arbeit ist zu 80% aus dem Internet zusammenkopiert, hat keine wirkliche These und das Fazit ist gleichzeitig auch der Titel: Pflanzen passen sich auf verschiedene Arten und Weisen an widrige Lebensbedingungen an. Ist das dreist? Ja. Ist das schlecht? Auch ja. Lustig? Und ob. Dumm? Wenn man damit durchkommt, auf keinen Fall. Diese Arbeit ist vor allem eins: Ehrlich. Alle im Literaturverzeichnis angegebenen Onlinequellen, und das sind einige, wurden am Tag der Abgabe abgerufen.”

Wir danken allen 90+ Teilnehmer:innen des 4,0-Awards für die schlechteste Hausarbeit und freuen uns auf eure grottenschlechten Werke im nächsten Jahr.

Kauft euch hier eine Ausgabebestellt ein Abo und/oder folgt uns bei Steady – das wäre für uns alle das einfachste. ODER: Kommt auch einfach mal vorbei. 

Oder besucht uns bei unseren Veranstaltungen: Lesungen, Pub-Quizzes, Partys oder dem 4,0-Award für die schlechteste Hausarbeit.

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle Magazin? Wir freuen uns auf dich bei FacebookTwitter und Instagram.