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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Am Freitag zeigen unsere Freunde vom Moabiter Bahnhofskino »Samurai Cop«, einen Klassiker der abseitigen Filmkunst. Joe Marshall, der Samurai Cop, macht Jagd auf ein Drogenkartell. Hilfreich dabei sind seine freshe Matte, sein Katana und seine grenzwertigen Sprüche.

Worum geht’s?

Joe Marshall (Matt Hannon) ist ein toller Hecht. Lederjacke, lange Haare und Muckis. Außerdem ist er nicht nur ein Cop, sondern ein Samurai Cop, der bestens mit dem Katana umgehen kann (»He got his martial arts training from the Masters in Japan«). Mit seinem Kollegen Frank Washington bekämpft er das organisierte Verbrechen. Ihr Feind: Die »Katana«, eine abtrünnige »Yakuza«-Bande. Also bekämpft Joe die »Katana« mit seinem Katana. Werden Frank und er die sadistischen Drogenbarone stoppen können?

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Amir Shervan wurde im Jahr 1929 in Teheran geboren. Während der iranischen Revolution stockte seine Karriere im Iran; alle Filme wurden von der Regierung geprüft und pro-islamischen und anti-westlichen Kriterien angepasst. Letztendlich zog es Amir in die USA, wo er 1991 Samurai Cop drehte. Dieser Film wäre in seiner Heimat wohl kaum möglich gewesen: Der Protagonist Joe ist ein klischeehafter »All American Hero« (inklusive Tommy Wiseaus Frisur aus »The Room«. Ein Zufall?). Weil das Geld für Nachtaufnahmen fehlte, wurde der Film nur tagsüber gedreht.

Die Darstellerinnen und Darsteller fuhren ihre eigenen Autos und trugen ihre eigene Kleidung. Teile des Films mussten nachträglich vertont werden, doch einige der Schauspieler waren nicht in der Lage ihre Zeilen zu wiederholen. Deswegen sprach Amir Shervan ihre Texte selbst ein und verfremdete seine Stimme digital. Ein Beispiel: Ein chinesischer Gangster, der gleich am Anfang ermordet wird, klingt wie ein Roboter. Mark Frazer wurde in Shervans Wohnung für seine Rolle gecastet, ohne das Drehbuch gelesen zu haben und etwas über seine Rolle zu wissen.

Die Sahnekirsche, die Samurai Cop den Platz auf dem Thron sichert, ist Mathew Karedas (aka Matt Hannon) Fazit über die Dreharbeiten. Er sagt, er habe die Arbeit an dem Film gehasst und sein Gesichtsausdruck in jeder Szene drücke Angewidertheit aus. Natürlich sind auch Musik, Dialoge und schauspielerische Leistung absolut absurd schlecht und großartig. Joe ist sich für keinen rassistischen oder sexistischen Spruch zu schade.

 

Was haben wir gelernt?

Joe lehrt uns Japanisch: Frank Washington: »What does „katana“ mean?«  Joe: »It means „Japanese sword“.«

Er belehrt uns auch über den »code of silence«

Frank: »Son of a bitch. Killed his own men!« Joe: »I know. It’s called code of silence. He doesn’t want anybody talking.«

Sonst würde es ja auch »code of speaking« heißen, nicht wahr?

Samurai Cop - Fight

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Jeder, absolut jeder Satz in Samurai Cop ist zitierwürdig. Hier ein kleiner Schmankerl: Der kleine Flirt zwischen Joe und einer Krankenschwester.

Krankenschwester: »Do you like what you see?«

Joe: »I love what I see.«

Krankenschwester: »Would you like to touch what you see?«

Joe: »Yes. Yes I would.«

Krankenschwester: »Would you like to go out with me?«

Joe: »Uh, yes I would.«

Krankenschwester: »Would you like to fuck me?«

Joe: »Bingo.«

Krankenschwester: »Well then let’s see what you’ve got…«

[greift ihn an die Hose]

Krankenschwester: »Doesn’t interest me. Nothing there.«

Joe: »Nothing there? Just exactly what would interest you, something the size of a jumbo jet?«

Politisch fragwürdigste Szene

Joes Monolog im Restaurant ist und bleibt unübertroffen in seiner meerestiefen Fragwürdigkeit. Einmal zum Lesen und dann zum Anschauen:

»Now I’m telling these son-of-a-bitches that we respect the Japanese of this country, who are honest businessmen. And yeah, this is the land of opportunity for legitimate business, not for death merchants who distribute drugs to our children through schools and on the streets. Now I’m telling these motherfuckers that if they continue killing our children to make their precious millions that they deposit in their secret Swiss bank accounts, counselor, before your last suit even gets off the court clerk’s desk, I’ll have their stinking bodies in garbage bags and ship them back to Japan for fertilizer. Got it?«

Ist das Trash oder kann das Weg?!

Samurai Cop ist ein Klassiker des schlechten Geschmacks. Ein großartiges Trashfeuerwerk, das das Herz erwärmt. Hölzerne Schauspieler, obskure Dialoge und ein Löwenkopf aus Plüsch über einem Kamin. Die Kampfszenen überzeugen ebenso und Joe mimt erfolgreich den Actionhelden im 80er-Look. Inklusive weißes Hemd in viel zu enger Jeans, Fliegerjacke und Muskelshirt (und Joes Haare, mein Gott…diese Haare!). Am 1. November 2006 starb Amir Shervan im Alter von 77 Jahren. Den verdienten Hype um Samurai Cop in den USA hat er leider nicht mehr miterlebt. Doch im Herzen eines jeden Trashnerds bleibt er dank Samurai Cop lebendig und geliebt.

Außer »Samurai Cop« hatten wir in der letzten Woche folgende Themen…

Larry Clark hat immer noch eine Leidenschaft für junge Wilde. »The Smell of Us«

Dana Loesch ist die Mutter Theresa der Waffenlobby. Deswegen: »Ein Herz für Dana Loesch«

In der Sneak: »Molly’s Game« – Geld, Glücksspiel und das organisierte Verbrechen.

Regierungsnetzwerke hacken? Easy. Diese 10 Dinge sind schon schwieriger.

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