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von und für Zaubernde

Jesus Christus wurde als Kind geboren. Eine kindgewordene Göttlichkeit lag in seiner fleischlichen Existenz, weswegen er blond und hellhäutig war. Jedes Jahr kehrt er nun heute in seiner kindlichen Form auf die Erde nieder, wo wihir Menschen sind. Oder?

Tausende Kinder schicken jedes Jahr Briefe an einen Betrüger. Blondgelockt, ausuferndes weißes Kleidchen, Heiligenschein: Das ist dein Christkind. In der Struwwelpeterversion sogar mit weiblich geformten Brüsten. Wer auch nur ein bisschen denken kann, merkt: Wer auch immer das Christkind ist, Jesus kann es nicht sein. Aber wer ist es dann? Und wieso lassen Millionen Menschen das hinterlistige Wesen in ihr Zuhause?

Jesus fucking Christ!

Alle kennen den Nachnamen von Jesus. Christus. Jesus Christus, der unehelich, unbefleckt geborene Bub. Man mag Jesus Christus, den Heiland. Er ist für unsere Sünden gestorben und hat dafür gesorgt, dass wir alle in den Himmel kommen. Nur Katholiken müssen sich dafür etwas mehr bemühen und Zeit bei der Beichte vertrödeln. Man würde Jesus in sein Haus lassen, Jesus ist einer von den Guten. Darauf würden sich auch die meisten Anhänger anderer abrahamitischer Religionen einigen können. Trotzdem war es zu Anfang nicht Jesus, den die Kirche zu Weihnachten in die Häuser der Menschen schickte.

Real Jesus Baby
The Real Jesus Baby!

Nikolaus und Luther – Batman und Spiderman

Es war der Heilige Nikolaus. Auch ein sympathischer Kerl: Breit gebaut, vernarbt, und mit Alkoholproblem ausgestattet scheute er keine Schlägerei im Auftrag des Herrn oder des Fusels. Nach dem Tod des Bischofs aus der heutigen Türkei wurde er heilig. Später dann zum Geschenkebringer. Warum durfte es nicht dabei bleiben?

Na weil Luther. Mit dem Ende des Mittelalters kam auch das Ende der Alleinvertretung der Christenheit durch die katholische Kirche. Luther reformierte den Glauben und spaltete die Kirche wie vor ihm nur die Arianer. (Randnotiz: Arianer stritten sich mit anderen Christen um das Wesen Jesus‘. War er gottgleich, menschlich oder göttlich? Klingt albern, hat aber ganze Kirchen gespalten.)

Luther jedenfalls wollte die Heldenverehrung der Kirche beenden und schaffte die Heiligen ab. Und der Nikolaus war einer von ihnen. Nebenbei hetzte Luther wahlweise gegen Juden, Bauern oder Frauen und ließ sich noch was einfallen: Jesus sollte die Geschenke bringen. Aber wer jetzt denkt, die Geschichte sei vorbei und das engelsgelockte Mädchen, das pausbäckig als Christbaumkugel vom Tannenbaum grinst, sei Jesus, täuscht sich.

Erstens blieben Katholiken beim Nikolaus, dem Weihnachtsmann, der irgendwann durch einen gewissen Chlaus ersetzt wurde (ihr vermutet, wer daraus wurde). Zweitens war es eben der heilige Jesus, nicht das Christkind, das die Geschenke brachte. Nicht goldenes Mädchen, sondern braunhaariger, bärtiger Typ mit dicken Muckis. Und dann kam die Bevölkerung ins Spiel.

Die weihnachtliche Militarisierung

Zwar verbreitete sich die Überzeugung, dass Jesus besser war als ein Heiliger, aber bald schon verschwand die Assoziation mit dem Gekreuzigten. Bei Umzugsbräuchen, Krippenspielen und all den Dingen, die Gläubige zelebrierten, um in Weihnachtsstimmung zu kommen, führte ein Kind (das ChristKIND) die Engelsschaar an. Dieser Befehlshaber der Engelarmee war es dann, der peu a peu die Ikonografie des INRI verdrängte.

Im 19. Jahrhundert kam dann bei Protestanten der Weihnachtsmann ins Spiel, der ebenfalls Anspruch darauf erhob, die Schäfchen beschenken zu dürfen. Besagter Chlaus verbreitete sich ebenso und so dauerte es nicht lang, bis sich die Auffassung durchsetzte, das Christkind sei eigentlich eine katholische Sache. Aber trotz der Versuche, den Heiligen Nikolaus durch die Hintertür (den Schornstein) wieder einzuführen, obsiegte das kleine blonde Betrügerkind mit dem unschuldigen Blick.

Christkind – you’re not welcome anymore!

Fest steht aber: Das Christkind ist nicht Jesus. Es ist ein militärisch geprägtes Geschöpf, das sich keines Geschlechts zugehörig fühlt, aber als weiblich assoziiert wird. Es hat keine Berechtigung, in unsere Wohnzimmer einzudringen. Jesus Christus darf einkehren, der kriegt auch Milch und Cookies, aber das Christkind – nein danke! Wer ans Christkind glaubt, will Krieg!

TXMAS 2018 #5 – NATIVITY SCENE | by txtstories

TXTMAS EP. 5 – texts. visions. miracles. ✨#txtmas

Posted by TXT Stories on Sonntag, 17. Dezember 2017

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