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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Auch ZurQuelle kann Liebe. Deswegen dieser Fortsetzungsroman, an dem ihr euch das Herz ausbeißen werdet. Rührend, liebevolle Schundliteratur. Diese Woche mit einem ganz besonderen Stargast. Viel Spaß!

Was bisher geschah

Evita und Pablo Picante hatten Sex. Pietro Panini, ihr mysteriöser Ex-Freund, scheint völlig vergessen. Doch steht das Liebesglück zwischen ihr und Pablo auf festen Beinen? Oder wird die Liebe vom Winde verweht?

Wahre Liebe. Oder doch nicht?

»Puh, ist mein Leben anstrengend geworden«, dachte sich Evita. Sie suchte, wie jede Woche seit ein paar Wochen, den Treffpunkt von Pablo und seinem Ökofuzzi-Verein. Als echte Revoluzzer waren sie so konspirativ unterwegs, dass sie sich jede Woche woanders trafen. Ganz klassisch in RAF-Manier. Neulich hatten sie sich versehentlich in einer Nazikneipe getroffen, gingen dann aber wieder wegen der fehlenden Meditationskissen. Außerdem gab es dort keinen Chai Latte und zu viele negative Vibes.

Einmal hatte Evita mehrere Stunden nach dem aktuellen Treffpunkt gesucht und wurde irgendwann von einer Meute bissiger Nachbarschaftshunde gejagt. Allerdings war sie an diesem Tag auch auf LSD, ein Hobby, das sie sich von Pablo abgeschaut hatte. Besser als nähen gefiel ihr das allemal. Als sie irgendwann, verschwitzt und verstrubbelt, doch noch Pablo und seine fetthaarigen Freunde fand, sagte Pablo schlicht: »Evity, du bist ein Stück weiter auf dem Weg zu dir selbst gegangen. Wie schön!«. Daraufhin hatten sie alle umarmt, und als sie Evita wieder losließen, roch sie nach Mandelmilch, Bongwasser und der Farbe rot (sie war noch immer auf LSD und ziemlich synästhetisch unterwegs).

Im Hier und jetzt stand plötzlich ein Mann mit langem, buschigem Bart vor ihr. Es war nicht Gandalf der Zauberer, dafür war er zu breit gebaut. Er roch kernig, nach Fleiß und Mut. Sein Blick strahlte eine solche Willenskraft aus, das Evita dahinschmolz. Schuldbewusst warf sie einen Seitenblick zu Pablo, doch strahlte den mysteriösen Fremden dann doch mit einem breiten Lächeln an.

Kriselt es beim neuen Traumpaar?

Tatsächlich lief es nicht gut zwischen Pablo und Evi. Evita fand die Treffen total langweilig, aber sie waren die einzige Möglichkeit, Pablo zu sehen. Den Rest der Woche erholte der sich nämlich im Digital Detox-Camp in irgendeiner Pampa und war für niemanden erreichbar. Weder hatten Pablos Weltverbessererfreunde es in den letzten Wochen schaffen können, sie für Grünkernbratlinge zu begeistern zu, noch davon, ihre Anziehsachen aus frisch geschorener Schafwolle selbst zu filzen. Pablo bemerkte immer mehr, dass Evita nicht mehr voll bei der Sache war. Beim letzten Treffen schlief sie bei der Abschlussmeditation ein. Die Woche davor war ihre einzige Frage nach dem Vortrag über »Basisdemokratische Vernetzungsarbeit in solidarischen Projekten mit Schwerpunkt außerparlamentarische Opposition«: »Weiß jemand, wo hier das Klo ist?«.

Karl, der Coole

Pablo war tief enttäuscht. Und jetzt quatschte Evita dort mit diesem bärtigen Typen. Natürlich kannte Pablo ihn. Es war Karl. Karl war ein ziemlicher Klugscheißer, fand Pablo, und sagte das auch gerne allen. Manchmal dachte Pablo, dass er vielleicht neidisch auf Karl sein könnte, weil Karl wesentlich klüger und wortgewandter war als er. Aber eigentlich hatte er sich toxische Störgefühle wie Eifersucht wegmeditiert, um ganz im Einklang mit sich und seiner Umwelt zu leben. Er war immer voll in seiner Mitte (Lotus-Buddha Stufe 8).

Meistens kam Karl mit seinem Kumpel Friedrich, der sich gerne »Fritze« nennen ließ. Die beiden stellten regelmäßig kritische Fragen und feierten ihren Retro-Kleidungsstil, den Pablo schlicht albern fand. Einmal prügelten sich Karl und Pablo um die Frage, ob nicht-Wählen gehen ein politisch effektives Kampfmittel sei. Karl fand die These so bescheuert, dass er Pablo als »kleinen Schmalspur-Bourgeois mit mangelnden geistigen Fähigkeiten« beschimpfte. Wütend fragte er, während er auf ihn einschlug, ob er denn noch nie etwas von Rosa Luxemburgs Konzept der »revolutionären Realpolitik«* gehört hätte. Es wisse doch mittlerweile jeder, dass Reformen und Revolution keine stumpfen Gegensatzpaare seien. Und dieser Typ schmiss sich nun an Evita ran?

Ménage à trois

Evita wusste kaum, wie ihr geschah. Heiß und kalt wurde ihr, ihre Wangen sahen aus, als sei sie stark alkoholisiert – roter als der rote Baron. Dabei war sie höchstens trunken von der kraftvollen Anziehung, die dieser Karl wie kleine Stromstöße aussendete. Der prächtige Bart, die breiten Schultern, die blitzenden Augen – er war alles, was ihr an Pablos labbrigem Dasein in den letzten Wochen gefehlt hatte! Und nun sprach dieser Prachtkerl sie auch noch an: »Schöne Genossin, ich möchte meine Gedanken und einige Teller ehrlicher Hausmannskost mit dir teilen«. Sie schwitzte mehr, als ein dicker Sumo-Ringer. Doch Karl schien dies alles nicht im Geringsten zu stören. Er fasste sie einfach bei der Hand und führte sie in Richtung der Pommesbude auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Evita blickte mit verzückt-leerem Blick zu ihm auf, während er zwei Currywürste mit Pommes, extrascharf, mit Mayo bestellte und zu ihr sagte: »Evita, die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, das heißt die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht«.

Evita dachte nach. So hatte sie das noch nie betrachtet. Karls Blick ruhte sanft auf ihr, als er fragte: »Möchtest du mit mir alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist?« Als Evita gerade antworten wollte, sah sie Pablo mit Hundeblick an der Ecke stehen.

Mehr von Evita? Hier könnt ihr alle vergangen Teile nachlesen!

Teil 1: Das erste Treffen mit Pablo

Teil 2: Das verhängnisvolle Dinner

Teil 3: der kathartische Dünnschiss

Teil 4: Evitas sexuelles Abenteuer

*Kommentar: Natürlich hat Karl Marx im Jahr 2018 Rosa Luxemburg gelesen. Er hatte ja schließlich auch 200 Jahre Zeit.

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