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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Vor kurzem haben wir den 4,0-Award verliehen: Einen Preis für außerordentliches akademisches Scheitern. Das hat nicht allen gefallen. An dieser Stelle wollen wir auf die Kritik eines Autoren eingehen.

Am Montagabend veröffentlichte das Studierendenmagazin Furios ihren »Montagskommentar«. In diesem kritisierte ihr Autor Lukas Burger das ZurQuelle Magazin dafür, dass es schlechte Hausarbeiten mit einem Preis würdigte.

Seine Kritik an unserem Award: Wir würden »ein bisschen Laissez-faire als ernstzunehmende Gegenposition« darstellen und Verweigerung mit einer kritischen Haltung gleichsetzen. Das erinnert Burger an »Sparkassenmitarbeiter*innen im Che-Guevara-Shirt« (Gibt es bei der Sparkasse keine Kleiderordnung?)

Herr Burger hat den Award nicht verstanden. Eine reine Abwertung des Studiums war nicht der Zweck des »4,0-Awards«. Das ZurQuelle Magazin besteht zu einem großen Teil aus Studierenden, die gerne studieren, die aber so gut es geht versuchen, sich Leistungsdruck und Bulimie-Lernen zu entziehen.

Patrick Müller, einer der Herausgeber von ZurQuelle, hat gerade seinen Doktor abgebrochen. Das lag nicht daran, dass er »nicht richtig zitieren konnte« oder eigentlich doch ein bisschen blöd ist. Der Konkurrenzdruck des akademischen Betriebs hat ihm zugesetzt und die Freude an der Forschung an vielen Stellen ausgetrieben. Oder in seinen Worten: »Es wird suggeriert dass du einen gut bezahlten 25 Stunden Job hast, aber dir wird durch Druck von oben nahegelegt, mindestens 45 Stunden die Woche ohne Anspruch auf Urlaub zu arbeiten. Und das ganze weil ›Forschung nun mal so sei‹«.

»Happy Fail«

Im Jahr 2016 war ich auf einem Kongress in Kassel. Dort sprachen Dozierende unter dem Motto »Happy Fail« über Tiefpunkte und Probleme in ihren akademischen Karrieren – und darüber, wie sich eine Ellenbogenmentalität etabliert hat, unter der sie leiden. Eine Mentalität, die Scheitern und Schwäche zum Tabu erklärt.

Ich selbst studiere im Bachelor Soziologie, liebe mein Fach und nehme mein Studium ernst. Gleichzeitig musste ich mir Freiräume schaffen oder mich durch Kurse quälen, deren Relevanz sich mir bis heute nicht erschlossen hat. Die unkritisch, affirmativ und für mich sinnlos waren.

Scheitern ist nicht gleich Scheitern

Wir wollten mit unserem Award keine »Campus-Che-Guevaras« mobilisieren, die sich im Dickicht der Bildungsverweigerung verschanzen. Wir wollten auch nicht die Note 4,0 zur »Eins des kleinen Mannes« erheben. Die Hausarbeit auf dem zweiten Platz bekam schließlich eine glatte Eins – auch wenn das keiner so richtig nachvollziehen konnte. Wir waren ein bisschen Sand im Getriebe des akademischen Hamsterrads. Dabei waren wir auch trotzig, pubertär – und hatten unseren Spaß.

Sebastian Pape hat mit seiner Bachelorarbeit zu „Ethische[m] Investment“ genau den Finger in die Wunde gelegt: Bachelorarbeiten, die nicht gelesen werden; Übertriebener Leistungsdruck und die Abkehr von kritischem Denken (das kennt er als Volkswirt besonders gut). Klausuren, die zu »kafkaesken Abfrageveranstaltungen« mutieren. All das hat er reflektiert und kritisiert.

Wir sind nicht gegen die Uni. Wir sind für eine andere Uni. Eine Uni, in der kritische Lehre und kritisches Denken eine Rolle spielen. Eine Uni, die den Studierenden genug Raum lässt, um sich auszuprobieren (und ja, auch mal ein paar Schnaps zu viel zu trinken). Eine Uni, bei der es auch mal in Ordnung ist eine Hausarbeit in den Sand zu setzen. In der man nicht schweißgebadet auf die Veröffentlichung von Klausurergebnissen warten muss. Eine offenere Universität, die nicht einfach die »Schlechten« aussortiert oder bis zum Abbruch des Studiums in die Frustration treibt.