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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Das große Staunen

Staunen ist wohl das, was Hanna Buiting tut, wenn sie momentan auf ihr Leben schaut. Staunen hätte allerdings auch das Oberthema für unser Gespräch mit Hanna sein können – wir nämlich haben auch ein bisschen gestaunt.

Es liest sich fast schon zu schön: Bachelorstudium abgeschlossen, Master angefangen, nebenher noch ein Stipendium für eine cross-mediale Journalistinnenausbildung, das sie in den Semesterferien absolviert – und jetzt das erste veröffentlichte Buch. Ein bisschen absurd, denn eben noch saßen wir mit ihr in Germanistikseminaren und diskutierten darüber, was andere geschrieben hatten. Nun sitzen wir vorweihnachtlich beisammen und unterhalten uns darüber, was Hanna geschrieben hat.

»Vom Wundern, Warten und Wenigeristmehr« heißt ihr Erstlingswerk und enthält 24 Geschichten – im Dezember bis Weihnachten für jeden Tag eine. Ein literarischer Adventskalender also, der mit Geschichten, Erlebnissen und Plätzchenrezepten mal fröhlich, mal nachdenklich, vor allem aber weihnachtlich stimmt.

Hanna Buiting bloggte sich zur Buchveröffentlichung

Seit 2011 bloggt Hanna Buiting. Anfangs noch sehr sporadisch, heute  fast jeden Tag. Vor drei Jahren fing sie an, in der Adventszeit regelmäßig Geschichten zu posten. Diese wurden bei ihren Leserinnen und der Facebook-Gemeinde schnell beliebt. Sie wollten mehr davon. Das Wissen, dass Leute auf eine neue Geschichte warteten, hat sie dazu angehalten, seitdem jedes Jahr aufs Neue die gesamte Adventszeit hindurch jeden Tag mit einer Geschichte zu verzaubern.

Auf diesen Blog wurde dann auch schließlich der Verlag aufmerksam, bei dem nun ihr Buch erscheint. Eine Bekannte hatte dort ein Praktikum gemacht und die verzauberbaren Nasen der Verlagsleute sanft auf die wundervollen Wort-Kunstwerke von Hanna Buiting gestupst. Völlig euphorisch fragte der Verlag dann an, ob Hanna nicht in der Art ihres Blogs auch ein Buch schreiben wolle.

Und wie sie wollte! Geschmeichelt, aufgeregt und immer im Stress schrieb sie sich, trotz Sommerwetters und Badelaune, monatelang in Dezembergefühle hinein.

Alle Jahre wieder …

Ein süßer Fun Fact ist hierbei auch, dass das erste Buch, das Hanna Buiting in der Grundschule  und ihren Verwandten zu Weihnachten unter den Baum gelegt hat, in der Tat eine Adventsgeschichte war. “Advent, Advent, Familie Kaiser rennt” lautete der Titel und enthielt Buntstiftgeschichten, die dem weihnachtlichen Treiben ihrer Familie wohl nicht zufällig stark ähnelten.

Auch ihre erste richtige Veröffentlichung strotzt nur so vor dem unverwechselbaren Charme und der persönlichen Erfahrung Hannas. Die Geschichten sind umgeben von ihrer positiven Aura, ihrem Astrid-Lindgren-Flair und der liebenswerten Friesen-Attitüde. So lesen wir vom Ikea-Småland, der Berliner S-Bahn und studentischen Backpackerinnen, womit wir uns in vertrautem Umfeld wähnen. Wäre da nicht auch eine andere Stimme, die sich sofort meldet, wenn die Ausrichtung des Verlags schmerzhaft unvorteilhaft ins Auge sticht. Die Neukirchener Aussaat ist ein christlicher Verlag mit literaturmissionarischem Anliegen, dessen Verlagsprogramm mit ungefähr 50 Veröffentlichungen pro Jahr von der Bibelexegese bis hin zur Feministischen Theologie alles umfasst, was sich die spirituell interessierte Leserin nur wünschen kann.

Weihwasser und Kruzifix? Nix da!

Sollen wir hier bekehrt werden? In Hannas Leben spielt Gott eine Rolle. Ein Fakt, mit dem wir uns nicht alle automatisch wohlfühlen. Und tatsächlich begegnen uns diverse Josephs und Marien und auch einige Bibelzitate sind in ihren Kurzgeschichtchen zu finden. Unangenehm und belehrend? Nicht die Zauberbohne. Hanna zeigt uns kleine Lufthol-Orte im hektischen Alltag, Lichtmomente für dann, wenn man nicht mehr weitermag. Und dass eine dezente Christlichkeit nicht nur was für missionarische Omas sein muss.

Und wem das dann doch zu viel Religionskram ist, lässt das religiös Angehauchte rechts liegen und freut sich einfach über eine Ansammlung schöner Geschichten. Das geht nämlich ziemlich gut. Und »Vom Wundern, Warten und Wenigeristmehr« ist dadurch kein bisschen weniger zauberhaft. Deswegen: You better watch out, grumpy world! Hanna schreibt dich eh wieder selig.

PS: Staunen ist übrigens das angedachte Thema für Buch Nr. 2, das gerade schon ganz vorsichtig im Gespräch ist. Vielleicht, vielleicht dürfen wir demnächst also wieder mit und über Hanna staunen.

 

Yana Duckwitz & Anne-Kathrin Gräfe

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