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von und für Zaubernde

Dr. Marianne Lüdecke – Dozentin für Neuere Deutsche Literatur, 19. u. 20. Jahrhundert.

Wie kamen Sie zur Uni Potsdam, gab es dafür einen bestimmten Grund?

Ich habe in Potsdam studiert, weil mir Berlin zu
groß war. Nach dem Studium arbeitete ich erst zwei
Jahre als Lehrerin bis die Anfrage der Hochschule
für eine Aspirantur kam. Danach habe ich promoviert
und blieb an der Universität in Potsdam (bis
1990/91: Pädagogische Hochschule, Anmerk. d.
Red.), weil ich hier wohnte und auch hier meinen
Mann kennen lernte.

Welcher Unterschied fällt Ihnen auf im Vergleich
zu ihrer Studienzeit und der heutiger Studierender?

Ich denke, das Studium war früher stärker organisiert;
bestimmt auch stärker reglementiert und vielleicht
war es dadurch auch einfacher zu studieren.
Es gab weniger Wahlmöglichkeiten und eine festere
Struktur im Gegensatz zu heute. Und ich denke,
dass mit der heutigen Wahlfreiheit eventuell ein Teil
der Studierenden überfordert sind und es einigen
schwerfällt sich zu sortieren.

War früher überhaupt etwas besser?

Die Studierenden mussten weniger neben dem Studium
arbeiten, es sei denn, man wollte sich ein Auto
leisten. Für viele Studierende heute ist es wichtig nebenher
zu arbeiten, um wenigstens halbwegs normal
leben zu können.
Meiner Meinung nach war auch das gegenseitige
Helfen in den Seminargruppen intensiver. Wir
mussten einander helfen, damit jeder das Studium
rechtzeitig abschließen konnte, es war weniger individuell,
was auch als Nachteil angesehen werden
kann, denn es wurde von den Leistungsstärksten
automatisch erwartet, dass sie sich um die Schwächeren
kümmerten.

Waren Sie mehr die fleißige Studentin oder eher
der gemächlichere Typ?

Ich war eher der gemächlichere Typ, weswegen vielleicht
auch meine Englischkenntnisse nicht so doll
sind, da man sich diese nicht erdenken konnte, sondern
schlicht lernen musste (lacht).

Wo müsste an der Universität dringend mehr Geld
investiert werden?

Wohl schlicht in mehr festangestellte Lehrkräfte.
Dann müsste in mehr Seminarräume Geld investiert
werden, wir Germanisten haben vier Seminarräume
und einen teilen wir uns mit einem anderen Institut.
Ohne Räumlichkeiten nützen uns auch mehr Lehrkräfte
nichts.

Unangenehme Seiten ihres Jobs sind…?

Die Bürokratie, vor allem die Beschäftigung mit
PULS. Dieses System frisst eine Menge Zeit, doch
ansonsten bin ich in einem Alter, in dem der Job keine
unangenehmen Seiten mehr hat.

Schon mal nach Sympathie benotet?

Das ist schwierig, wenn nur in sehr geringem Maße.
Beispielsweise wenn eine Studierende in der Prüfung
besser als 1,7 war, jedoch nicht so gut, dass es
für eine 1,3 gereicht hätte, ist auch deren Engagement
im Seminar ein Kriterium, welches zu ihren
Gunsten entscheidet.

Haben Sie einen Wunsch?

Gelassenheit!