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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Stefan Luboschik – Dozent für Kulturgeschichte der Neuzeit

 

Warum die Uni Potsdam?

Potsdam kam einst für mein Magisterstudium in die engere Wahl, weil die Stadt nur zwei Stunden von der Ostseeküste entfernt liegt, wenn man sportlich fährt. Danach ging es dann gleich irgendwie weiter: ein Doktorvater, der mir vertraut; ein Promotionsthema, das ganz das meine wurde; und natürlich eine halbe Assistentenstelle bzw. die Dozentur. Darum blieb ich an dieser Universität.

Was bemängeln Sie an der Uni Potsdam?

Die zunehmende Bevormundung in Studium, Forschung und Lehre durch die Strukturen, die wir uns zum Teil selbst schaffen oder zumindest unwidersprochen hinnehmen.

Welche Nachricht verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit?

Jacques Derrida ist in jenen Jahren gestorben, und Evelyn Hamann auch.

Was war Ihr geilstes Erlebnis beim Dozieren, welches ihr ungeilstes?

Mit Superlativen bin ich von Berufs wegen vorsichtig. Und ich würde die Antwort gern vage halten. Geil: freundlich neckende Studierende zum Beispiel und intellektueller Wettstreit. Ungeil: zur Schau gestelltes Desinteresse und die Verlegenheit, wenn die Technik versagt. – Das klingt jetzt sicher etwas langweilig.

Wo liegen Ihre heimlichen Interessen, die vom Dozieren nur eingeschränkt werden?

Schlafen, Zootiere Füttern, Disco, Lego und Promovieren.

Müssen Dozierende ein Vorbild sein?

In wissenschaftlicher Hinsicht – unbedingt. Und gewisse Qualitäten im Zwischenmenschlichen wären sicher nicht verkehrt. Ansonsten würde ich Dozierende in dieser Hinsicht gern entlastet sehen. Warum sollten sie diesbezüglich mehr wuppen müssen, als eigentlich jeder Mitmensch wuppen sollte? Dozierende mit (vermeintlichen) Schwächen, Schrulligkeiten und Selbstironie waren mir außerdem immer sympathischer.

Haben Sie schon mal nach Sympathie benotet?

Ich befürchte: ja, auch wenn ich mich um eine gerechte und billige Benotung bemühe. Eine bessere Antwort können wohl nur ein Psychoanalytiker geben.

Welches Hausarbeitsthema können Sie nicht mehr lesen?

Martin Luther und der Bauernkrieg.

Haben Sie schon mal verkatert unterrichtet?

Ja, natürlich.

Charles Bukowski oder Carlos Castaneda?

Carlos Castaneda.

Warum ist der Flughafen BER eine Erfolgsgeschichte und was hat Lothar Mattäus damit zu tun?

Wenn Sie es etwa als ein raffiniertes Instrument betrachten, um die Bürger*innen durch Verdummung zu entmündigen und gefügiger zu machen, weil dem Kultur- und Bildungssektor nun endlich überlebensnotwendige Mittel mit Verweis auf eine nachvollziehbare, ja selbstevidente Haushaltsnotlage entzogen werden können; oder wenn Sie es als ein Filetstück berlin-brandenburgischer Sozialpolitik verstehen: als eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, auf Jahrzehnte angelegt, deren Finanzierung nie infrage steht… Wenn Sie es so sehen wollen, handelt es sich diesem Flughafen fraglos um einen bombastischen Erfolg. – Lothar Matthäus ist mir hingegen egal; Fußball hat mich darüber hinaus allenfalls unter kulturhistorischen Aspekten interessiert. Bäm!

Warum gehört die AfD ins EU-Parlament? Warum die CSU?

Sie gehören dann und nur dann ins EU-Parlament, wenn sie gewählt wurden. Darüber hinaus meine ich, dass man sich gerade dort mit den Belangen der einzelnen europäischen Regionen wie auch einer überregionalen Europaskepsis auseinandersetzen – oder dass man sie zumindest aushalten sollte. Dass man solcherlei oft nicht ohne bornierte Kirchturmpolitik, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, grobe Pampereien und dergleichen unerfreuliche Äußerungen bekommt, ist leider ebenso Teil der Wahrheit.

Wie heißt ihr Hund, wie hieße er, wenn Sie einen hätten, obwohl Sie keinen haben?

Wenn ich einen hätte, würde er Wieland heißen. Er wäre ein Dackel.

Wenn Sie nochmal studieren müssten, was würden Sie anders machen?

Vielleicht würde ich mehr Fächer und Sprachen ausprobieren. Aber eigentlich bereue ich nichts.

Sind Sie der Stadt oder des Jobs wegen hier?

Mittlerweile des Jobs und der Promotion wegen. Zauberhafte Kommiliton*innen und Kolleg*innen sind daneben andere gute Gründe, sich in überfüllte Regionalexpresse zu drängeln.

 

 

Die Fragen an Stefan Luboschik stellten Christoph Groß und Robert Hofmann