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Das gesellschaftskritische Popmagazin

This girl’s a fucking fairytale. Mal ehrlich, wenn eine Bettina Körner aus Großburgwedel auf euch zukommt, euch erzählt, dass ihr Vater Bankangestellter ist, würdet ihr ihr zutrauen, every Disney girl’s dream true comen zu lassen? Prinzessin zu werden? In einem großen Schloss? Gerade, wenn sie euch auch noch erzählt, dass sie ihr Medienmanagementstudium nach 14 Semestern abgebrochen hat? Jetzt mal 4 real. Wir nämlich auch nicht.

Alle Odds waren gegen Bettina damals. Aber das konnte ihr nichts anhaben. Sie hatte einen Traum. Sie wusste genau, wo sie hinwollte, nämlich nach oben. Nichts in der Welt sollte sie umstimmen, nicht der holprigste Pfad und erst recht nicht der Job als Pressereferentin von Continental-Reifen.

Denn als sie ihn sah, ihren Märchenprinzen, auf Geschäftsreise, da wusste sie, dass ihre unglaubliche Lebensgeschichte nicht in Großburgwedel enden, nicht in der bürgerlichen Provinz Halt machen, sondern eine atemberaubende Wendung nehmen sollte. Sie wollte Christian Wulff heiraten und mit ihm einziehen ins Schloss der schönen Aussicht in Berlin.

Bettina Wulff war geboren. First Lady oder Prinzessin, das war ihr egal. Hauptsache Schloss. Und Prinz. Sie hatte die Odds defeatet. Und wurde in den Medien zur deutschen Prinzessin Kate, oder dazu, was Nina Kraviz unter Techno-DJs ist: Hübsch aber langweilig. Perfekt für das kontemporäre Deutschland.

Zu perfekt, wahrscheinlich. Großburgwedel holte sie ein, und die diversen Vergehen ihres Christians. Sie stolperte mit, »glamourös und gemütlich« (FAZ) zwar, aber immer genau darauf reduziert, was eine Frau in der Öffentlichkeit ist: Eine Frau.

Bettina Wulff hat sich trotz Boulevard-Hetzkampagne bewährt

Nach der Abdankungsrede ihres Mannes wurde in der Presse über ihr schwarz-weißes Kostüm philosophiert, mit dem sie ein starkes Zeichen des »political dressing« gesetzt hatte. Und der Boulevard attackierte sie infam zu ihrer angeblichen Vergangenheit als Prostituierte.

Doch 598 Tage in der Hauptstadt hatten sie mit Teflon verkleidet. Nichts konnte ihr etwas anhaben, nicht einmal die zwischenzeitliche Scheidung von Mann und Ex-Bundespräsi. Denn zwei Jahre später war Bettina wieder auf ihrem Weg angekommen. Wie im Märchen heiratete sie zum Schluss doch wieder, diesmal kirchlich und abermals ihren Christian.

Ende gut, alles gut, sollte man meinen. Aber is this the end, Betty? Is it?