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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Es hat einfach nicht sein sollen. Roberto Blanco, Sohn zweier kubanischer Varietékünstlerinnen, war für eine Karriere im Showbiz praktisch prädestiniert.

Deswegen war es unausweichlich, dass das Medizinstudium in Madrid nach nur zwei Semestern zuende ging. Stattdessen kam er 1956 nach Deutschland und startete eine Karriere als Unterhaltungskünstler.

Und weil ein bisschen Spaß (und Trash) sein muss, machte Blanco die typisch deutsche Kategorie »Schlager« zu seinem Markenzeichen. Trotz eines Akzents und einer Hautfarbe, mit der ein Großteil der deutschen Schlagerfans in den 60ern nichts zu tun hatte oder haben wollte, wurde er groß und größer. Vielleicht wurde er auch gerade aufgrund all dessen erfolgreich. Eine Art Tanzbär, über den man sich ironisch wie ernsthaft amüsieren konnte und beim Kauf dessen Platten man sich einreden konnte, nicht rassistisch zu sein. Individuelles Whitewashing durch einen Schwarzen, der weiße Musik machte.

In eine Schublade stecken ließ sich Roberto jedenfalls nicht. Neben seiner Gesangskarriere und mehreren Filmrollen moderierte der gebürtige Tunesier drei Fernsehshows mit seiner stets guten Laune und dem viel zu breiten Grinsen. Die Roberto Blanco Show erreichte 1976 mit cleveren Alliterationen wie »Tausend Takte Temperament« 49 Prozent Einschaltquoten. Frei nach einem seiner berühmtesten Hits, Heute so, morgen so, experimentierte Blanco auch mit Duetten. Zusammen mit Tony Marshall interpretierte er zum Beispiel mit Resi bring Bier David Hasselhoffs Crazy For You zum Sauflied um, was diesem seinerzeit sicher ziemlich gut gefallen hätte.

Als die Karriere schließlich stagnierte und das Geld knapp wurde, machte Roberto Blanco mit Werbung für Potenzmittel auf sich aufmerksam. Nicht besonders authentisch, denn die Schattenseiten des Erfolges, die er als Arzt so wohl nicht erlebt hätte, offenbaren sich unter anderem in der öffentlichen Ausschlachtung des Rosenkriegs mit seiner Exfrau Mireille.

Auch die zweifelhafte Auszeichnung einer Ehrenmitgliedschaft in der CSU, deren Joachim Herrmann Blanco 2015 als »wunderbaren Neger« bezeichnete, wäre Blanco abseits des Ruhms wohl erspart geblieben. Wahrscheinlich wollte Joachim Herrmann durch seine Aussage auch nur ausdrücken, wie wenig er Blanco auf seine Hautfarbe reduzierte. Wie so viele Deutsche vor ihm.

Roberto: Im bunten Sakko gefällst du uns viel besser als im weißen Kittel.

Johanna Heidrich