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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Unsere ZurQuelle-Autorin ging völlig ruhig und gelassen in die Sneak-Review und entdeckte ihren inneren Wutbürger. Diese Woche wurde „Maudie“ gezeigt.

Der Deutsche geht im Schnitt einmal im Jahr ins Kino. Wer hätte ahnen können, dass er das ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit tut. Die Sneak wurde am Feiertag vom großen Saal in die Passage 3 verlegt. Ein kleiner Raum im Keller mit einer Leinwand von der Größe einer Schultafel. Dazu war die Vorstellung auch noch ausverkauft und an entspannten Filmgenuss war nicht mehr zu denken. Es gab schlicht keinen Platz für Illusions-Erfahrung und Einfühlung. Natürlich könnte man sich auch freuen: Über den guten Umsatz für das Kino, das Interesse der jungen Menschen an dieser aussterbenden Kunst, über die gute Laune. Doch wozu? Man hat sich schließlich ins Kino geschleppt, um diesem miesepetrigen Grau der Realität zu entkommen. Da will man nicht ständig von Popcorn-Geraschel zurückgeholt werden! Wie soll unter diesen Umständen die gesellschaftliche Verblendungsmaschinerie erfolgreich funktionieren?!?

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Maudie 2017, Regie: Aisling Walsh; Kanada, Irland

Die Story

Maude (Sally Hawkins) leidet seit ihrer Geburt an Arthritis, was dazu führt, dass sie körperlich nicht ganz fit ist und man ihr das leider auch ansieht. Deswegen sind sowohl ihr Bruder und als auch ihre Tante davon überzeugt, dass sie nichts kann und dringend betreut werden muss. Das klassische Dilemma der familiären Bevormundung ist Millenials nicht unbekannt und stellt einen ersten Berührungspunkt zwischen Zuschauer und Protagonistin dar. Maude ist jedoch nicht der Meinung ihrer Familie und nimmt kurzerhand eine Stelle als Putzfrau bei dem griesgrämigen Everett (Ethan Hawke) an. Allerdings putzt sie kaum, sondern bezaubert ihn und den Rest der Welt mit ihren hübschen Malereien.

Und, wie finden wir das?

Es ist eine sehr niedliche Geschichte nach einer wahren Begebenheit. Leider hat man das Ganze schon tausendmal gesehen: Nerdiger aber optimistischer Außenseitertyp trifft auf einen, von der Gesellschaft gezeichneten mürrischen Einzelgänger. Zwei Weltbilder kollidieren, doch schließlich, nach einigen Herausforderungen und vorherzusehenden Wendepunkten, erweicht das eiskalte Herz des Einzelgängers. Parallel dazu kommt der nerdige Außenseiter durch sein Nerdtum auch noch zu unverhoffter Berühmtheit und/oder Geld. Und wenn sie nicht gestorben sind….

 

Copyright Duncan Deyoung
Copyright Duncan Deyoung

Schlechtester Dialog

Maude und Everett haben Sex. Bzw. Everett hat sich unter der Bettdecke auf Maude gelegt.

Everett: Grunz….Grunz…Grunz.

Dialog Ende.

Reaktionen aus dem Publikum

Ziemlich gemischt. Ein Pärchen ist vorzeitig gegangen, eine Frau hat wehmütig geschluchzt. Es gab wohl keine Verbindung zur Darbietung auf der Leinwand.

Ist dir diese Liebesgeschichte nichts und du willst lieber etwas Spannung? Dann lies dir unsere Review zum Krimi „Die Nele Hilton Affäre“ durch.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Everett, als grimmiger Einzelgänger sagt quasi gar nichts. Dafür plappert Maude manchmal mehr als ihr gut tut. Auch mit anderen Frauen.

Fazit

Winterzeit ist Kinozeit, aber „Maudie“ hätte lieber im Sommer erscheinen sollen.

 

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