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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

In seinem neuesten Film »Yesterday« lässt Kultregisseur Danny Boyle die Musik der »Beatles« aus der Welt verschwinden und wieder aufleben. Es entwickelt sich eine gefühlvolle, romantische Musikkomödie.  

Wir sind in einem Festivalzelt. Ein junger Mann spielt Gitarre. Er schwitzt und haut in die Saiten. Ein echter Rockstar. Schwenk. Das Zelt ist leer. Zwei ältere Zuschauer und vier Kinder sitzen gelangweilt auf der Wiese vor der Bühne.

»Yesterday«/ Danny Boyle / UK, USA / 2019 / 116 Minuten

Die Story

Jack Malik (Himesh Patel) aus dem beschaulichen Lowestoft an der britischen Ostküste ist Musiker. Ein äußerst erfolgloser Musiker. Auch seine Kindheitsfreundin und Managerin Ellie (Lily James) vermag daran trotz aller Bemühungen nichts ändern. Seine Karriere will einfach nicht richtig in Gang kommen. Doch eines Nachts, während eines weltweiten Stromausfalls, wird Jack von einem Bus angefahren. Als er aufwacht stellt er fest, dass die Welt sich verändert hat. Jack scheint nun der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der sich an die Musik der »Beatles« erinnern kann – eine einmalige Gelegenheit.

Und, wie finden wir das?

Niemand kennt diese wunderbaren Melodien und nur ein einziger Musiker kann sie der Welt zurückgeben. Eine spannende Idee, aus der der Film aber leider viel zu wenig macht. Es entwickelt sich eine süße, romantische Wohlfühlkomödie, die genau das schafft. Das Publikum fühlt sich wohl. Das Drehbuch von Richard Curtis (»Notting Hill«, »Love Actually«) zieht dabei alle Register. Der Mann weiß einfach, wie man RomComs schreibt. Doch wo sind all die interessanten Überlegungen, die in der Grundidee stecken? Im Film ist die Musikindustrie nicht von unserer heutigen zu unterscheiden. Aber wurden nicht reihenweise Künstler von den Beatles inspiriert? Und diese haben wiederum andere Künstler beeinflusst? Verändert sich die Welt denn überhaupt nicht, wenn man ihr dieses wichtige Stück Kultur wegnehmen würde? Und könnte man diese Lieder einfach 50 Jahre später als Hit Album veröffentlichen und damit zu demselben unglaublichen Ruhme gelangen wie damals? Waren nicht John, Paul, George und Ringo genau die Richtigen, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort? Ist es in Ordnung, dass Jack die Lieder veröffentlicht? Denn wem gehören sie eigentlich? Zu viele spannende Fragen bleiben unberührt. Zu viele Möglichkeiten verschenkt. Doch man kann dem Film nicht wirklich böse sein. Er macht trotzdem Spaß. 

Schlechtester Dialog

Immer wieder blödeln Ellie und Jack miteinander herum. Was sich liebt, das neckt sich. Das ein oder andere Mal übertreibt der Film es dabei leider etwas.

Ellie: »The world is full of miracles.«

Jack: »Like what?«

Ellie: »Benedict Cumberbatch becoming a sex symbol!«

Reaktionen aus dem Publikum

Es wurde viel gekichert und einige Male auch laut gelacht. Inklusive Schluckauf. Insgesamt herrschte eine zufriedene, aber auch etwas unbeteiligte Stimmung im Saal.

Äh, und der Bechdel-Test?

Definitiv nicht bestanden. Es gibt zwar bedeutende Frauenrollen, aber diese unterhalten sich fast ausschließlich über den Hauptcharakter Jack, seltenst zwei Frauen untereinander. 

Fazit

Ein unterhaltsamer, sympathischer Abend, der durchaus auch seine bezaubernden Momente hat, anspruchsvollere Themen aber leider ignoriert. Die beiden Hauptdarsteller sind sehr charmant und natürlich gibt es jede Menge wunderbare Musik zu hören. 

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