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von und für Zaubernde

Woody Allen hat mal wieder einen Film gemacht. »Endlich!«, möchte man stöhnen. Für »Wonder Wheel« zerrte der alte Mann unter anderem Kate Winslet und Justin Timberlake vor die Kamera. Unser Autor Felix berichtet von einem 101-minütigen Martyrium im Kinosessel.

Die Opening Credits. Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Der Schrifttyp und die Hintergrundmusik lassen Schlimmes erahnen. Angstschweiß auf dem Rücken und in der Poritze. Und ja, nun steht es da: »Directed by: Woody Allen«

Wonder Wheel, Woody Allen, USA 2017

Die Story

Die späten 50er in Coney Island. Dort gibt es einen Badestrand und einen Vergnügungspark mit einem großen Riesenrad. Am Badestrand hängt auch ein schöner Bademeister ab: Mickey, gespielt von Justin Timberlake. Der ist ein Poet, klug und beginnt eine Affäre mit der verheirateten Ginny (Kate Winslet). Die ist nämlich ziemlich unglücklich mit ihrem Leben und ihrem Ehemann Humpty. Außerdem hat sie dauernd Migräne und ihr Sohn Richie zündet ständig Zeug an. Nach einigen verheißungsvollen Dates mit Mickey stellt sich Ernüchterung ein: Der junge Poet verliebt sich in Carolina, die Tochter von Humpty aus erster Ehe. Die wird zu allem Überfluss von Gangstern gejagt. Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann. Oder Woody Allen.

Und, wie finden wir das

Seit mindestens 10 Jahren macht Woody Allen den gleichen Film, weil er Angst vorm Sterben hat und ihm vermutlich langweilig ist. Irgendwie verständlich, aber müssen die denn unbedingt noch ins Kino? Auch wenn Ellen Page mittlerweile bereut, mit ihm gearbeitet zu haben, hat er offensichtlich wenig Probleme schauspielerischen Ersatz zu finden. Justin Timberlake brilliert als nervtötender Boheme, den man eigentlich nur an die Wand klatschen möchte. Kate Winslet begeistert wiederum als das Klischeebild der verzweifelten und gealterten Ehefrau. Das schlimmste Trauma ihres Lebens war selbstverständlich die Trennung von ihrem Ex-Mann.

Schauspielerisch macht Kate Winslet das beste aus der Rolle und rettet was zu retten ist. Filmästhetisch betrachtet, hat »Wonder Wheel« seine Momente. Da sieht dann alles mal ganz schön aus. Mit Licht, Farben und so. Oder man denkt sich: »Ach, wie schön mit der Kamera eben! Und toll, wie 50er Jahre mäßig alles aussieht!« Dann wird einem aber schlagartig klar: Woody Allen hat nichts zu erzählen, mit dem er die 101 Minuten Spielzeit füllen könnte. Stattdessen beglückt er uns mit halbgarer pseudophilosophischer Grütze über die »menschliche Natur« (jaja, ganz böse und abgründig) und ödem Beziehungsgedöns. Vielleicht wäre nach »Match Point« der Moment zum Aufhören gewesen.

Schlechtester Dialog

Jede Szene, in der Mickey (Justin Timberlake) mit irgendwem spricht. Auch seine Monologe sind kaum zu ertragen. Er macht sich Gedanken über den kleinen Pyromanen Richie: »Was sieht er wohl in den Flammen?« Es hat dann wohl irgendwas mit dem Universum zu tun.

Als Mickey mit Carolina Pizza essen geht, sagt sie sinngemäß zu ihm: »Lecker die Pizza. Schade, dass sie so dick macht. Da musst du dir ja keine Gedanken drüber machen.« Manche Dinge ändern sich nie;  wie zum Beispiel Woody Allens reaktionäres Frauenbild.

Die #MeToo-Debatte hat ihn in seinem Elfenbeinturm aus sentimentaler Vergangenheitsverklärung und künstlerischer Selbstüberhöhung vermutlich nicht erreicht. Der Mann braucht seine »Musen«.

Reaktionen aus dem Publikum

Viele kommen zu spät. Warum warnt sie keiner? Sie könnten doch noch fliehen! In der U-Bahn ein Gespräch über den Film: »Also das einzige, was ich gut fand…«

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden. Ginny und Carolina reden miteinander. Nicht nur über Männer, sondern auch über Ginnys Migräne oder Carolinas tote Mutter.

Fazit

Unbedingt anschauen, viel unangenehm räuspern und am Schluss sarkastisch klatschen.

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