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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Mit »Symphonie of Now« gab es diese Woche einen modernen Stummfilm in der Sneak. Statt Piano Begleitung aber mit wummernden Bässen und Einblicken ins Berliner Nachtleben. Das wir ja eh alle schon kennen, aber trotzdem schön.

Die Gleise rattern in schwarz-weiß, ein Zug schnaubt im Vollgas durch die Landschaft. Schranken klappen zu, Häuser und Baustellen ziehen vorbei. Szenen aus einem Film der 1920er Jahre. Kenner lugen sich schon zwinkernd zu: Die Sinfonie der Großstadt.

Symphony of Now / Johannes Schaff / Deutschland 2018

Die Story

Berlin atmet, schwitzt und vibriert. Ein wildes Tier mit vielen Köpfen ist diese Stadt, die vom Facettenreichtum lebt, die Nacht durchtanzt und nur ganz kurz zum Schlafen den Kopf ablegt. In einem sonst stummen Film dominiert die Musik. Orientiert an Walter Ruttmanns Klassiker »Berlin – Die Sinfonie der Großstadt« vertont sie die Gefühle der Menschen und haucht ihnen Bewegung ein.

Und, wie finden wir das?

Johannes Schaff hat mit »Symphony of Now« einen originellen Schritt gewagt. Mehr Kunst als Dokumentation, mehr Nische als Kassenschlager ist dieser Film, der auf der letzten Berlinale Premiere feierte. Undergroundige Musiker wie die wundervolle Gudrun Gut, Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten, oder Modeselektor verleihen den Bildern eine experimentelle Hülle aus House, Hiphop, Techno und krautigeren Stilen.

Aufgeteilt ist das Stück in fünf Akte, die dem Leben in der Stadt für eine Erdumdrehung folgen. Dabei kontrastieren sich Demos in Kreuzberg mit intimen Momenten in der Badewanne und edle Restaurants mit Drag-Parties im SchwuZ. Abends taucht die Stadt in ein goldenes Licht. Ein kleiner Moment der Heimeligkeit, bevor sich die rave-süchtige Meute an Clubeingängen aufreiht und der Falafel seine Primetime hat.

Irgendwann wird sehr viel getanzt. Und manchmal fehlt uns ein bisschen das andere Leben, das nicht nur feiert und lacht, das nicht nur die buntbeleuchtete Blase aus Musik und Exzess zeigt.

Schlechtester Dialog

Kein Reden, nur Tanzen.

Reaktionen aus dem Publikum

Wir erwischen uns immer wieder dabei, euphorisch mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Leinwand zu zeigen und hektisch zu nuscheln: »Kennst du das? Guck, da ist die Schaubühne! Und da ist das SchwuZ!«

Äh, und der Bechdel-Test?

Wieder: Kein Reden, nur Tanzen.

Fazit

Berlin-Freunde kommen definitiv in den Groove.

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