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Regisseur Ralf Westhoff, bekannt für Filme wie »Shoppen« und »Wir sind die Neuen«, wendet sich in »Wie gut ist deine Beziehung?« dem Genre der typisch-deutschen, seichten Liebeskomödie zu. 

Ein Paar steht im Badezimmer. Er schneidet ihr die Haare. Sie schaut ihn grübelnd an und fragt: »Willst du dir nicht den Bart abrasieren?« Er: »Du dir nicht auch?« Beide lachen und daraufhin fügt er noch das Mantra »Ich will, dass alles so bleibt wie es ist« hinzu. Sie nickt zustimmend.

Wie gut ist deine Beziehung?/ Ralf Westhoff/ Deutschland. 2019/ 112 Minuten

Die Story

Steve (Friedrich Mücke) und Carola (Julia Koschitz) sind seit fünf Jahren in einer festen Beziehung und scheinen glücklich zu sein. Nachdem allerdings Steves Arbeitskollege Bob (Bastian Reiber) von seiner Freundin für einen anderen Mann verlassen wird, beginnt auch Steve an seiner Beziehung zu zweifeln. So sucht Steve den Mann auf, für den Bobs Ex-Freundin ihn verließ und beginnt Carola zu »testen«. Nimmt sie Handynummern von anderen Männern an? Es kommt wie es kommen muss: Sowohl die Missverständnisse als auch die fehlende Kommunikation führen zu Problemen in der Beziehung.

Und, wie finden wir das?

Einfallslos. Man kauft den Schauspielern ihre Rollen nicht ab. Die Charaktere sind alle vollkommen eindimensional und stecken in ihrem sehr beschränkten Kosmos fest: sprich die notorische Single-Freundin oder der liebe-aber-verpeilte Nerd.

Die Hauptrollen Steve und Carola sind komplett charakterlos. Sie definieren sich einzig und allein durch ihre Gender-Stereotypen. Natürlich fragt Steve Carola nicht, ob sie in der Beziehung glücklich ist. stattdessen entschließt er sich sie zu kontrollieren und sie »versteckten« Tests zu unterziehen. Hoch lebe das Patriarchat. Es hilft auch nicht besonders, dass der Film im Stil einer amerikanischen Sitcom gehalten ist und durch flache Witze und peinliche Szenen versucht Lacher zu erzwingen. Außerdem: warum haben alle Männer englische Namen (Bob, Steve, Zac) und die Frauen (Annette, Carola) alle komplett deutsche? Für welches Publikum ist der Film gemacht?

Schlechtester Dialog

Da gibt es leider viel Auswahl. Aber mein Favorit war dennoch: »Da ist ein Dinosaurier im Garten oder ein unbegabter Einbrecher. Wir haben keine Dinosaurier in der Gegend.« Dies ist nur eins von vielen Beispielen für die flachen Witze.

Reaktionen aus dem Publikum

Nun ja, 50% des Publikums verließ innerhalb der ersten dreißig Minuten den Kinosaal. Der harte Kern lachte ab und an mal, aber irgendwann ging auch dies in ein genervtes »Mein Gott, wie deutsch kann man bitte sein?« über.

Äh, und der Bechdel-Test?

Durchgefallen. Ja, die Frauen unterhalten sich zwar zeitweise auch über andere Sachen als ihre Männer, meistens geht es aber nur ums Aussehen, um ihren Männern zu gefallen. Oder um es in Carolas Worten zu sagen: »Ich bin eine emanzipierte Frau, veranstalte eine Nachhaltigkeitskonferenz – und was soll ich sagen, ich liebe hohe Schuhe. Glaubst du die werden Steve gefallen?«.

Fazit

Wer eine seichte Komödie mit ausschließlich heterosexuellen, weißen Menschen sehen will, die auch 2019 noch in ihren traditionellen Genderrollen feststecken, der ist hier genau richtig aufgehoben.

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