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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Ein Actionfilm für die Emanzipation – ladet die Waffen, Ladies!

Eine Frau mit blauem Auge sitzt niedergeschlagen am Tisch. Eine Frau wird  mit einem schreienden Baby alleine gelassen. Einer Frau wird jegliche Mitsprache in ihrem Geschäft entzogen. Es sind alltägliche Szenen von Ehekonflikten, die viel zu oft passieren und viel zu wenig gezeigt werden.

Widows – Tödliche Witwen / Steve McQueen / UK & USA

Die Story

Licht aus, Vorhang auf und auf der Leinwand wildes Rumgeknutsche. Was wie der Beginn eines leidenschaftlichen Liebesdramas scheint, stellt sich nach einem harten Cut zu den quietschenden Reifen eines Fluchtwagens schnell als ein spannender Thriller heraus. Basierend auf der gleichnamigen Serie von 1983 erzählt Widows die Geschichte einer Gruppe Witwen, die nach dem tödlich ausgegangenen Coup ihrer Männer selbst aktiv werden müssen, um den zurückgelassenen Berg an Schulden zu begleichen. Zusammen mit einer beeindruckend muskulösen Friseurin stürzen sich die drei Frauen selbstbewusst in die ausgeklügelte Planung eines Raubüberfalls.

Und, wie finden wir das?

Halleluja! Dieser Film strotzt nur vor Themen, die in aktuellen Diskussionen und Gesellschaftskritiken eine wichtige Rolle spielen: Gender, Class, Emanzipation, Rassismus, Bürgerrechte, Polizeigewalt und häusliche Gewalt. Mit dem schnellen Abmurksen der Männer löst sich der Thriller außerdem vom sonst so genretypisch maskulinen Machtgehabe. Es bleiben die starken Frauen. Zitate wie »Mama, du sagst doch immer, eine Waffe ist der beste Freund einer Frau« hätte es in einem Gangsterfilm vor einigen Dekaden bestimmt so noch nicht gegeben. Zumindest nicht mit dieser Ernsthaftigkeit. Steve McQueen ist darüber hinaus ein Regisseur, der Ahnung von Storytelling und Ästhetik hat. Nichtsdestotrotz wird es streckenweise etwas ermüdend. Schuld daran ist die Überlänge.

Schlechtester Dialog

Ein Vater-Sohn-Gespräch der Mulligans: »Sagt der Mann mit einer 50.000 Dollar Tapete.« »Das ist Kunst.« »Tapete.« »Kunst.« »Tapete.«

Reaktionen aus dem Publikum

Beim Rausgehen unterhält sich ein Pärchen. Die Frau: »Na, der war doch gar nicht so schlecht!« Der Mann: »Also ich fand ihn langatmig und vorhersehbar.« Im Publikum wechselten sich einzelne Lacher mit müden Seufzern ab.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Die Ehemänner sind im Filmtitel bereits Vergangenheit. Außerdem gibt es als Gangster Wichtigeres zu besprechen als Männerprobleme.

Fazit

Ein Genrefilm, der dem klassischen amerikanischen Gangsterfilm die übertriebene Action und Männer entzieht und an deren Stelle eine durchdachte Story und Frauen setzt. Abzüge gibt es für die Länge.

 

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