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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Andreas Dresens neuer Film Gundermann macht dich schockverliebt in einen DDR-Liedermacher, von dem du noch nie gehört hast. Von Sophie Halcour

Ein blonder, nicht allzu schöner Mann steht mit einer Band auf einer improvisierten Bühne mitten in einem Braunkohle Tagebau. Vor der Bühne stehen Kumpels mit gelben Helmen im Regen. Sie schaukeln unbeholfen hin und her und beweinen das nahende Ende des Kohleabbaus: „Ach meine Grube Brigitta ist pleite / Und die letzte Schicht lang schon verkauft / Und mein Bagger der stirbt in der Heide / Und das Erdbeben hört endlich auf.“

„Gundermann“/Andreas Dresen/ DL 2017

Die Story

„Gundermann“ handelt vom Musiker und Baggerfahrer Gerhard Gundermann in der DDR der 70er und 80er Jahre und der Zeit kurz nach der Wende. In Hoyerswerda schiebt „Gundi“ Tagschichten in der Braunkohlegrube, spielt abends Konzerte vor einem wachsenden Publikum und entwickelt sich nach und nach zum Volkshelden seiner Republik. Während die Jahre des Kommunismus langsam gezählt, holt den immer erfolgreicher werdenden Gundi allerdings seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel ein.

Liebe gibt es natürlich auch. Gundi verliebt sich in seine Freundin Conny aus Kindertagen, die schon verheiratet ist und zwei Kinder hat. Ich will ja nicht zu viel verraten, aber sie sind am Ende zusammen.

Und, wie finden wir das?

Andreas Dresen (z.B. „Die halbe Treppe“, „Sommer vorm Balkon“,“ Als wir träumten“) zeichnet mit seinem neuen Film ein spannendes Potrait von einem ziemlich faszinierenden Mann. Gundermanns Zerrissenheit wird dabei deutlich spürbar und Alexander Scheer spielt die Ambivalenz des Liedermachers mit einer extremen Glaubhaftigkeit. Gundermann ist Held und Antiheld, überzeugter Kommunist und Staatsfeind, Musiker und Bergmann, liebender Vater und Egoist, Freund und Stasi-Spitzel und trotz (oder gerade wegen) allem liebenswert ab Minute eins. Und dann sind da natürlich noch rundermanns Lieder. Schön und simpel besingt er poetisch und zuweilen naiv wirkend die Natur und immer wieder die Endlichkeit des Lebens. Gundermanns eigenes endet schon im Alter von 43 Jahren mit einem plötzlichen Herzstillstand.

Ein bisschen anstrengend sind die Zeitsprünge, mit denen sich Dresen  in seinem Film meist völlig wild und manchmal (abgesehen von Axel Prahls Frisur) ohne jeglichen Anhaltspunkt durch das Leben von Gerhard Gundermann bewegt.

Schlechtester Dialog

Sucht man im Drehbuch von Laila Spieler (u.a. „Wolke Neun“, „Die Friseuse“) vergeblich. Als Platzhalter dafür aber hier die Unterhaltung von zwei Arbeitern im Braunkohlewerk: „Was sind die vier größten Feinde des Kommunismus?“ – „Frühling, Sommer, Herbst und Winter.“.

Reaktionen aus dem Publikum

Die Stimmung ist ausgelassen-amüsiert. Es wird viel gelacht, rein- und rausgelaufen und außergewöhnlich viele Glasflaschen kommen zu Fall. Außerdem wird unerhört viel mit diversen Snacks herumgeraschelt. Die totale Anarchie.

Äh, und der Bechdel-Test?

Eher nicht. Es gibt einzig ein Gespräch zwischen Grundermanns Frau Conny (Anna Unterberger) und ihrer gemeinsamen Tochter, in dem Conny der etwa zweijährigen Linda berichtet, es werde zum Mittagessen Eierkuchen geben.

Fazit

Andreas Dresens neuer Film verbreitet eine herrlich melancholische Komik und selbst, wenn euch Alexander Scheer mit seiner ungelenken Austin-Powers-esken Art nicht verzaubert – alleine für die wirklich wunderschöne Musik lohnt sich „Gundermann“ schon. Anschauen!

Und hier geht’s weiter:

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