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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Der Kreis Schwandorf in der bayrischen Oberpfalz braucht Arbeitsplätze! Die neue Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstoffe (WAA) in der Gemeinde Wackersdorf soll Wohlstand bringen. Aber um welchen Preis? Im Film »Wackersdorf« werden wahre Begebenheiten mit fiktiven Elementen untermalt.

Holzverkleidung an allen Wänden, kettenrauchende Männer mit Bier in Steinkrügen, Frauen mit blauem Lidschatten und übergroßen Brillengestellen – das ist Stil! Das sind die 80er – in Bayern, in der Oberpfalz. Wo konservative Vereinstraditionen noch was wert sind und Recht und Ordnung herrschen. Ausgerechnet das geplante Atomkraftwerk rüttelt dann alle mal wach und schubst sie in eine zukunftsweisende Richtung, wo auch Frauen in Hosenanzügen mitmischen.

Wackersdorf / Oliver Haffner / Deutschland 2018 / 122 Minuten

Die Story

Der Landrat von Schwandorf Hans Schuierer (Johannes Zeiler) ist überfordert. Seine Familie behauptet er sei nie zu Hause und sein Landkreis ist frustriert über die hohe Arbeitslosigkeit. Für beides ist keine Lösung in Sicht. Doch dann verspricht ihm bei einem vertraulichen Weißwurstdinner der Umweltminister 3000 Arbeitsplätze, Sicherheit und Wohlstand. Wackersdorf ist der favorisierte Standort für ein Atomkraftwerk. Euphorisch stimmt er allem zu. Als es ernst wird packen ihn jedoch die Zweifel und er kämpft gegen die Entscheidung an, ohne sich von den exquisiten Münchner Geschenkkörbe bestechen zu lassen.

Und, wie finden wir das?

Ein Maler und Wegebauer wird Politiker. Er muss nicht alles sofort verstehen, aber verhüllt auch nicht sein Unverständnis oder schleimt sich ein. Er ist ehrlich, nimmt das Recht sehr ernst, bereichert sich nicht und macht Zugeständnisse – weiß aber auch, wie er sich legal gegen die Landesregierung wehren kann. Johannes Zeiler leistet Beeindruckendes in seinem (Sinnes-)Wandel als Landrat Schuierer. Dieser existierte wirklich, sein Name taucht noch immer in einer Gesetzesänderung auf. Der Rest der Figuren ist fiktiv. Sie zeigen aber dennoch die Zustände zur Zeit der Proteste auf. Es werden außerdem Dokumentaraufnahmen Polizeigewalt verwendet; Interviews mit Betroffenen und alte Tagesschaunachrichten eingebaut. Ob die unnötige Länge des Films darauf anspielt, dass alles in der Provinz etwas langsamer abläuft?

Schlechtester Dialog

Ich frage mich, ob ich die Einzige war, die den Dialekt kaum verstand.

Ernsthaft, Dialoge im Dialekt überwiegen im Film.

Reaktionen aus dem Publikum

Das Publikum reagierte unterschiedlich. Es gab eine Ecke mit viel übertriebenem Lachen (die haben den Dialekt wohl verstanden) und ruhige Reihen, aber niemand ist vorzeitig gegangen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Es gibt Frauen, auch interessante Frauenfiguren, aber nunmal nur in Interaktion mit dem männlichen Geschlecht in einer männerdominierten Parteienpolitik.

Fazit

Wer sich für die Geschichte hinter dem Film interessiert, wird gut bedient. Freiwillig hätte ich mir den nicht ausgesucht, aber wertschätze die tollen schauspielerischen Leistungen, authentischen Kostüme, malerischen Stillleben und subtilen Gags aus der Provinz.

Lust auf mehr? Dann schau hier!

Ihr verteilt Herzchen – wir herzen Entbehrliches ehrlich – dieses Mal den Poetry Slam.

Und in der letzten Sneak verlief einiges herzlos: »Styx«.

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