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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Zwei Teenager verfolgen einen mörderischen Plan. Es geht um ein Pferd, das Leben im Vorort, einen Bilderbuch-Stiefvater und darum, ob diese Welt eine bessere wäre, wenn man sie von schlechten Mitmenschen befreit.

Mondlicht fällt durch das offene Dach in den sonst dunklen Stall. Im Lichtkegel stehen eine junge Frau und ein Pferd. Angesicht zu Angesicht starren sie sich an, ohne sich zu regen. Ein Küchenmesser wird aus einer Handtasche gezogen und sorgsam auf eine Mauer gelegt.

Thouroghbreds (Deutsch: Vollblüter) / Cory Finley / USA 2017

Die Story

Zwei nicht ganz integre Teenager aus einem Vorort von Conneticut kollidieren miteinander. Das heißt, Lily (Anya Taylor-Joy) wird von Amandas Mutter dafür bezahlt, dass sie sich mit dieser trifft. Nicht ganz unbegründet, denn die unheimliche Amanda (Olivia Cooke) hat kürzlich ihr Pferd mit einem Küchenmesser – sagen wir – »von seinem Leiden befreit«. Während Lily wie ein »normaler« Teenager scheint, ist Amanda nicht fähig, eigene Emotionen zu empfinden und gilt als kompletter Weirdo. Erst recht nach der Sache mit dem Pferd. Dennoch freunden sich die beiden auf eine gewisse Art an, nachdem Amanda Lilys cholerischen und sadistischen Stiefvater kennenlernt und die Idee äußert, ihn umzubringen. Die Austüftelung eines Plans beginnt. Kurzerhand wird Tim, der kleinkriminelle Versager aus der Gegend, dazu angeheuert, den Stiefvater zu beseitigen – wenn auch nicht ganz freiwillig. Tim, der normalerweise bei Hauspartys versucht, Drogen zu verticken, kneift letztendlich und so muss eine andere pragmatische Lösung gefunden werden.

Und, wie finden wir das?

Die Rollenbesetzung überzeugt. Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen authentisch und mit Witz. Vor allem die emotionslose Amanda sorgt für einige Lacher und Schmunzler. Auch dramaturgisch hat der Film ein paar absurd skurrile Highlights. Wenn zum Beispiel Amanda ohne jegliche Gefühlsregung davon berichtet, warum und wie sie ihr Pferd Honeymooner getötet hat, während sie steinerne Schachfiguren über ein menschengroßes Schachbrett bewegt und Lily entsetzt am Bildrand zuhört.

Inhaltlich ist das alte Dostojewski-Thema (die Idee eines gerechtfertigten Mordes) natürlich spannend wie eh und je: die Frage, ob man der Welt nicht einen Gefallen täte, wenn man üble Mitmenschen, oder »lahme Pferde«, beseitigt. Psychopathisch-komisch ist die einseitige Erörterung, das Kalkül und die eiskalte Selbstjustiz der Mädels allemal. Menschen mit schwarzem Humor kommen auf ihre Kosten. Nachdem allerdings der Spannungsbogen über den gesamten Film hinweg ausführlich aufgebaut wurde, kommt er am Ende doch sehr abrupt und unspektakulär zum Stillstand. Mehr wird nicht verraten!

Schlechtester Dialog

Tim: »Du wirst schon sehen – in einer Dekade bin ich hier der Boss auf der Straße und jeder, absolut jeder wird von mir sprechen!«

Amanda: »Okay.«

Reaktionen aus dem Publikum

Einstimmiges Gelächter immer dann, wenn Amanda aspergermäßig Klartext redet.

Äh, und der Bechdel-Test?

Jap, bestanden. Der Film besteht vor allem aus Dialogen zwischen Amanda und Lily. Überwiegend Mord und Totschlag betreffend.

Fazit

Trotz einiger Lacher gilt hier: Kann man sich angucken – muss man aber auch nicht.

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Die letzte Sneak hatte noch einen Silvester-Knaller übrig.

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