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von und für Zaubernde

Nach einem Aufenthalt im Jemen kommt Leilas Bruder zurück nach Hause. Leider als radikaler Fundamentalist, der ihr die Beziehung zu ihrem Freund verbieten möchte. In „Voll verschleiert“ treffen solch ernste Themen auf Witz und Humor.

Paris: Leila und ihr kleiner Bruder möchten den großen Bruder vom Flughafen abholen. Er kommt aus seinem Urlaub aus dem Jemen zurück. Sie warten und warten. Schließlich kommt ein bärtiger Mann auf sie zu: „Erkennt ihr nicht mal mehr euren eigenen Bruder?“

Voll verschleiert (Cherchez la femme), Sou Abadi, Frankreich 2017

Die Story

Zusammen mit ihrem Freund Armand (Félix Moati) möchte die junge Politikwissenschaftlerin Leila (Camélia Jordana) ein Praktikum bei der UNO machen. Ihr älterer Bruder Mahmoud (William Lebghil), der gerade als radikalisierter Muslim aus seinem Urlaub zurückgekehrt ist, hält jedoch nichts von diesen Plänen und sperrt Leila in ihrer Wohnung ein. Um Leila weiterhin sehen zu können, zieht sich Armand einen Niqab über und gibt sich als die streng gläubige Muslimin Scheherazade aus. Die Kostümierung überzeugt Mahmoud so sehr, dass er die fromme Frau sofort heiraten möchte.

Und, wie finden wir das?

„Voll verschleiert“ ist eine wunderbar leichte Komödie, die ein eigentlich ernstes Thema als Schwerpunkt hat. Der komplexe Plot wird dabei leider durch weitere Nebengeschichten verkompliziert und aufgeweicht. So wird dem Film durch Armands Eltern, die iranische Einwanderer sind, eine weitere kulturelle Differenz hinzugefügt. Das gibt Raum für eine Reihe von gelungenen Witzen und komischen Szenen, doch nimmt der Geschichte auch die Ernsthaftigkeit. Die Stärke des Films, die Komik, ist zugleich sein Problem. Die Lust am Witz nimmt so viel Raum ein, dass klischeehafte Darstellungen nicht mehr ausreichend reflektiert werden können.

Schlechtester Dialog

Die Dialoge sind pointiert und direkt. Peinlich ist jede Szene, in der der verschleierte Armand öffentliches Verkehrsmittel betritt. Sein Niqab löst große – und ziemlich übertriebene – Bestürzung aus.

Reaktionen aus dem Publikum

Es weihnachtet sehr. Entsprechend ist die Sneak wieder in den kleinen Saal verlegt worden und ziemlich leer. Die zwei, drei Gestalten, die sich ins Kino verirrt haben, sind unauffällig und lachen an den richtigen Stellen.

Äh, und  der Bechdel-Test?

Da der als Scheherazade verkleidete Armand nicht zählt, ist der Test nur knapp bestanden. Zum Glück setzt sich seine Mutter, eine regimekritische Feministin, stets für ihre Anliegen ein und mit jedem an.

Fazit

„Voll Verschleiert“ ist kurz, knackig und witzig, aber keine durchdachte Antwort auf die interkulturellen Probleme unserer Zeit.

Außer Voll verschleiert, gab es diese Woche folgende Themen

Sportlich und dramatisch war die letzte Sneak mit I, Tonya.

In Taste the Waste ging es um langweilige Haie mit Sharkenstein.

Bei 10 Dinge: 10 große Weihnachtsmythen für den Familiensmalltalk.

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