Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Bekannt durch »The Big Short« und »Anchorman«, setzt Adam McKay mit seinem neuen, achtfach Oscar-nominierten Meisterwerk »Vice« die Messlatte für biographische Dramedys extrem hoch. 

Ein ergrauender Herr legt seinen Kopf in den Nacken und jault laut auf, seine Saufkumpanen jubeln ihm zu. Komplett betrunken steigt er in sein Auto und fährt in Schlangenlinien, als er von einem Polizisten angehalten wird. Er lächelt besoffen und fällt mehr aus dem Auto, als dass er aussteigt. Ladies und Gentleman, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush .

Vice – Der Zweite Mann/ Adam McKay/ U.S.A. 2018/ 132 Minuten

Die Story

Während Dick Cheney (Christian Bale) in seinen Zwanzigern lieber in Yale feierte als zu studieren, wird er durch den Realitätscheck seiner Frau Lynne (Amy Adams) wachgerüttelt und startet seine Karriere als Praktikant im Weißen Haus unter Donald Rumsfeld (Steve Carell). Von dort fängt Cheneys kometenhafter Aufstieg an und er mausert sich vom Stabschef bis hin zum Verteidigungsminister. Als Demokrat Bill Clinton Präsident wird, verschwindet Cheney als CEO von einem Ölkonzern in den privaten Sektor und wird von Gouverneur George W. Bush (Sam Rockwell) als Vize-Präsident zurückgeholt. Schnell wird allerdings klar, dass Bush eher eine repräsentative Funktion hat und eigentlich Cheney eigentlich die Strippen zieht. Die Machtgier Cheneys findet ihren Klimax im Krieg gegen den Terror, die NSA und die Legalisierung von Folter in Verhören.

Und, wie finden wir das?

»Vice« ist ein empfehlenswerter Film. Allein die schauspielerische Leistung und Hingabe von Christian Bale (nominiert für den Oscar als bester Hauptdarsteller) und das Zusammenspiel mit Steve Carell ist eindrucksvoll anzusehen. Besonders raffiniert ist, wie McKay die lockere Stimmung einer Komödie mit scharfen Schnitten zu explosiven Szenen unterbrochen hat und den Zuschauer regelrecht dazu zwang, in die Handlung des Dramas einzutauchen.

Seltsam waren die teilweise zu schnell aufblitzenden und etwas zu offensichtlichen Montagen (z.B. ein Löwe, der eine Antilope reißt). Genauso der Erzähler, der allwissend den Film kommentiert und Dick Cheney am Ende sein Spenderherz gibt, woraufhin dieser buchstäblich noch herzloser wird.

Schlechtester Dialog

Die Dialoge waren durchweg intelligent, gewitzt und komisch (wenn sich die Männer unterhalten haben). Schlecht war die Rede von Lynne Cheney, als sie Dick in Wyoming auf einer Rallye vertritt: »You know what women do in New York? They burn their bras. Do you know what we do in Wyoming? We wear them.« Etwas cringeworthy.

Reaktionen aus dem Publikum

Als im Kinosaal der Titel erschien, jubelte das Publikum ausgelassen. Während die witzigen Dialoge für viele Lacher im Publikum sorgten, war es vor allem die Darstellung von George W. Bush, bei der sich der Saal nicht mehr halten konnte.

Äh, und der Bechdel-Test?

Definitiv durchgefallen. Außer Dick Cheneys Frau Lynne (und den gelegentlichen Auftritten der Töchter), spielt keine Frau in dem Film eine große Rolle. Und alles, worüber sich diese Frauen unterhalten, ist Dick Cheney.

Fazit

Alles in allem ein sehr beeindruckender Film. Am Ende durchbricht Dick Cheney die Vierte Wand und spricht mit dem Zuschauer: »Alles was ich gemacht habe, habe ich gemacht, weil ihr das wolltet.« Ein wichtiger Appell in der Trump-Ära.

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle-Magazin? Dann schau hier!

Rote Karte und Panik: Ein Herz für das Klimaskeptiker.

Funky meets Noir meets Liebesdrama: In der Sneak lief Beale Street.

Bestellt euch hier die wunderschöne Printausgabe. Oder holt euch gleich ein Abo. Unterstützt uns bei Steady. Und kommt doch einfach mal vorbei. 

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle Magazin? Wir freuen uns auf dich bei FacebookTwitter und Instagram.